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Rechnernetze: Aufgaben, Fragen und Antworten

von Daniel Schwamm (15.08.1994 bis 23.09.1994)

Aus "Heimat des Dilettantismus"
http://www.henrys.de/daniel/index.php?cmd=texte_rechnernetze-fragen.htm
nach Effelsberg (1992, 1994)

Inhalt

1. Das ISO/OSI-Referenzmodell

2. Die Bitübertragungsschicht

3. Die Sicherungsschicht

4. Die Vermittlungsschicht

5. Die Transportschicht

6. Die Sitzungsschicht

7. Die Darstellungsschicht

8. Die Anwendungsschicht

1. Das ISO/OSI-Referenzmodell

Welchen Teil von Rechnernetzen (RN) will die ISO mit dem ISO/OSI-Referenzmodell (OSIM) standardisieren?

Nur die Interaktion (Interconnections) zwischen offenen Systemen, nicht jedoch ganze Anwendungen. Die Interaktion umfaßt die Informations-Übertragung und die diversen Mittel zur Kooperation zwischen verteilten Systemen.

Warum gibt es Schichten im OSIM?

Jede Schicht erfüllt eine fest umrissene Aufgabe, die man Dienst nennt, der jeweils für eine darüberliegende Schicht geleistet wird, die ihn ihrerseits durch eigene Dienstleistungen ergänzen kann. Jede Schicht wird durch eine Instanz (Entity) repräsentiert, die mehrfach aufgerufen werden kann und dadurch mehrere Vorkommnisse (Instances) im Computerspeicher bildet. Einzige Ausnahme: Die Schicht 1 des OSIM für LANs bildet nur maximal ein Vorkommnis, weil pro Daten-Endeinrichtung (DEE) nur eine Daten-Übertragungs-Einrichtung (DÜE) existiert.

Stellen Sie grafisch den Zusammenhang zwischen PDUs und SDUs dar!

				USER DATA
				<--(N+1)-PDU-->
			ICI	
---------------------------------------------------------------------------
				<--(N)-SDU---->

		PCI		USER DATA		---------> (N)-Connection
			<------------(N)-PDU---->
	ICI
---------------------------------------------------------------------------
			<------------(N-1)-SDU-->

ICI=Interface Control Information (z.B. SDU-Länge)
PDU=Protocol Data Unit (z.B. Quelladresse)
SDU=Service Data Unit
PCI=Protocol Control Information

Zu merken: Dienstprimitive setzen sich zusammen aus ICIs und PDUs. PDUs bestehen aus SDUs und PCIs, die SDUs enthalten dagegen nie die ICIs, denn diese werden beim SAP ausgefiltert.

Was sind SAPs?

SAPs sind Service Access Pints (Dienstzugangspunkte) [...] ausgefiltert wird. Jeder (N)-SAP ist genau einem (N+1)- und einem (N)-Vorkommnis zugewiesen. Ausnahme: Mehrere (N+1)-Vorkommnissen können sich über einen Multiplexer einen (N)-SAP teilen. Nur die Network-SAPs benötigen eine NETZWEIT eindeutige SAPid.

Wie lassen sich (N)-SAP-Adressen durch Suffixe aus Adressen niedrigerer Schichten bilden? Stellen Sie dies durch ein grafisches Beispiel dar!

Die Adressierung muß hierarchisch aufgebaut sein, damit ein (N)-SAP sich aus Adressen von niedrigeren Schichten aufbauen können. Es gilt, daß nur die Adresse der 3 Schicht NETZWEIT eindeutig sein muß. Der darüberliegende Baum von SAP-Adressen höherer Adressen wird durch Präfixe gekennzeichnet. Beispiel: (3)-SAP=333.22.1 ==> (4)-SAP 1=1.333.22.1 oder (4)-SAP 2=2.333.22.1. Folgende Beziehungen zwischen Instances sind u.a. denkbar:

(N+1)-Vorkommnis 1		(N+1)-Vorkommnis 2

	(N)-SAP 1				(N)-SAP 2

(N)-Vorkommnis 1			(N)-Vorkommnis 2

Was versteht man unter dem Handshake-Verfahren?

Jeden Austausch von Aufforderungen (Request, Indication) und Zustimmungen (Response, Confirm) in folgender Form:

Schicht N		Schicht N-1			Schicht N-1		Schicht N

(N)-CONreq
										(N)-CONind
										(N)-CONresp
(N)-CONconf

Welche Vorteile bringt das Multiplexen von mehreren Vorkommnissen auf einen SAP?

Ohne Multiplexing müßten von Schicht 1 genausoviele physikalische Leitungen zur Partnerinstanz führen, wie maximal Verbindungen aufgebaut werden können. Durch das Multiplexing können über ein Medium viele Verbindungen aufrecht erhalten werden. In höheren Schichten besitz Multiplexing den Vorteil, daß sich mehrere Vorkommnisse die Betriebsmittel für ein Schicht-Protokoll teilen können, daß also nicht für jedes (N)-Vorkommnis ein eigenes (N-)-Vorkommnis erzeugt werden muß.

(N+1)-SAP				(N+1)-SAP					

(N+1)-Vorkommnis 1		(N+1)-Vorkommnis 2

			(N+1)-MUX

			(N)-SAP

Welche Unterschiede sind zwischen dem CCITT-Modell und dem OSIM für WANs zu bemängeln?

Die OSIM hat das CCITT-Modell X.25 übernommen, welches aus den Protokollen für X.25-Packeten (3 Schicht), HDCL (2 Schicht) und X.21 (1 Schicht) besteht. Im Gegensatz zum OSIM betrachtet X.25 aber nicht End-to-End-Protokolle zwischen symmetrischen Partnerinstanzen, sondern Protokolle zwischen den asymmetrischen Einrichtungen DEE und DÜE. DEE und DÜE sind deswegen unsymmetrisch, da sich die DÜE zwar wie eine entfernte DEE verhält, aber z.B. nicht wie die DEE auch einen CONNECTION-request beherrscht. X.25 kennt keine Dienste, nennt (3)-PDUs Packete und (2)-PDUs Rahmen. Die Übernahme von X.25 in das OSIM bringt es auch mit sich, daß von Schicht 1 nur ein Vorkommnis existiert, da eine DEE nur über eine DÜE auf das Medium zugreifen kann und üblicherweise nur eine DÜE pro DEE Verwendung findet.

2. Die Bitübertragungsschicht

Was bedeutet Basisband-Modulation?

Die Basisband-Modulation ist eigentlich gar keine Modulation, denn die digitalen Signale werden hier nicht mit einer Trägerfrequenz moduliert, sondern direkt durch Strom (an/aus) übertragen; man spricht daher auch besser von Basisband-Übertragung. Manchester Encoding kann z.B. über Basisband- und Träger-Modulation realisiert werden, die Vorteile - Selbsttaktung und Unterscheidung von Nicht- und Null-Sendungen - bleiben erhalten. FDM ist hier nicht möglich, dafür aber TDM.

Welche Modulationsarten kennen Sie?

Phasen-, Frequenz- und Amplitudenmodulation. In jedem Fall werden anders als bei der Basisband-Übertragung verschiedene Binärsignale in Form von Schwingungsunterschieden repräsentiert. Achtung: Puls Code Modulation (PCM) nennt sich zwar Modulation, ist aber keine; sie dient nur zur Umwandlung von analogen Informationen in digitale Signale.

Wie wirkt sich die Bandbreite auf die Signalübertragung aus?

Die Bandbreite beinflußt bei konstanter Datenrate die Güte der Signal-Übertragung. Es gilt: Je größer die Bandbreite, desto schärfer ist die Rechteck-Form der Signale. Niquist zeigte, daß zwischen datenrate und Bandbreite folgende Beziehung besteht:

Datenrate = 2 * Bandbreite * log2(Amplitudenstufen)

Bei einer Bandbreite von 4000 kHz und 2 Amplitudenstufen (zur Übertragung von 1-Bit-Blöcken) liegt die maximale Datenrate bei 8000 bps. Bei 8 Amplitudenstufen (zur Übertragung von 3-Bit-Blöcken) liegt sie schon bei 24.000 bps, und bei 256 Amplitudenstufungen für 8-Bit-Blöcke liegt sie bei 64.000 bps. Zu beachten ist, daß dabei die Baudrate kontinuierlich bei 8000 Schritte/s stehen bleibt. Zu beachten ist weiterhin, daß nach einem Gesetz von Shannon die Stufung der Amplituden nicht beliebig ausbaubar, sondern abhängig von der Störleistung des Mediums ist.

In welchem Zusammenhang wird die Einheit Dezibel beim Physical Layer gebraucht?

Dezibel ist die Einheit für den Quotienten zweier gleicher, logarithmischer Einheiten. Für den PL wichtig ist die Dämpfung, für die folgende Formeln gelten:

Dämpfung=20*lg(Spannung am Leitungsanfang/Spannung am Leitungsende)
Dämpfung=10*lg(Leistung am Leitungsanfang/Leistung am Leitungsende)

Die Tiefpaßeigenschaft - was ist das und was für einen Effekt kann sie bewirken?

Die Tiefpaßeigenschaft ist eine Folge der Verwendung von Wechselspannung als Modulationsträger: Je höher die Frequenz ist, desto stärker wirkt das Kabel als Widerstand - das Signal wird gedämpft. Durch die Wechselspannung wird auch ein Magnetfeld geschaffen, welches zum Skineffekt führt, d.h. die Signale werden nur noch am äußersten Kabelrand weitergeleitet. Bei Koaxial-Kabel wirkt man dem Skineffekt mit verschiedenen Schichtungen um den Kabelkern entgegen.

Welche Multiplex-Arten kennen Sie?

Time Division Multiplexing (synchron und asynchron) und Frequence Division Multiplexing. Bei TDM steht jedem kanal kurzzeitig die gesamte Bandbreite zur Verfügung, während beim FDM die Bandbreite auf die Kanäle aufgeteilt wird.

Welche Vorteile besitzen Regeneratoren ggü. Verstärkern?

Verstärker werden in analogen Medien eingesetzt. Sie verstärken jedes signal, welches bei ihnen ankommt, also auch die Verzerrungen und Impulsstörungen. Regeneratoren jedoch interpretieren den digitalen Wert, der bei ihnen ankommt, und senden den erkannten Wert, der ja nur Null oder Eins sein kann, weiter.

Welches Verhältnis besteht bei LANs zwischen Last und Durchsatz?

Das Ziel aller LAN-Protokolle ist ein Durchsatz von 100%, d.h. jedes abgesendete Packet erreicht sein Ziel im korrekten Zustand, und eine Last von 100%, d.h. die zur Verfügung stehende Bandbreite wird vollständig für den Datenverkehr genutzt. Beide Größen lassen sich i.d.R. nicht zu 100% erreichen. Der Durchsatz wird eingeschränkt durch Kollisionen und Netzfehler. Die Last wird reduziert durch Steuerpackte. Bei den Random Access Protokollen bringt eine höhere Last i.d.R. einen niedrigeren Durchsatz mit sich. Die Token-Protokolle dagegen verschwenden Bandbreite, wenn eine Station nicht senden will.

Welche Datenrate benötigt man für analoge (a) PCM-Daten und (b) Delta-Modulations-Daten, bei 3000 Hz und 256 Quantisierungsstufen?

Wir wissen von Nyquist: Datenrate=2*Bandbreite*log2(Quantisierungsstufen). Bei (a) wird also eine Datenrate von 2*3000*8=48kbps benötigt. Da statt 8-Bit-Blöcken bei der Delta-Modulation nur 1-Bit-Blöcke nötig sind (1=+1, 0=-1 Änderung), wird bei (b) eine Datenraste benötigt von 2*3000=6kbps.

Wie hoch ist die maximal erreichbare Datenrate, wenn ein digitales Signal über einen 3-kHz-Kanal mit 20dB Rauschabstand übertragen wird?

Wir wissen von Shannon: Datenrate=Bandbreite*log2(1+Rauschabstand). Daher gilt: DR=3000*log2(1+20dB)=3000*log2(1+1*10^2)=3000*log2(101) => maximale DR=3000*log2(2^6)=3000*6=18kbps <= 3000*log2(101) <= 300*log2(2^7).

3. Die Sicherungsschicht

Zeigen Sie an einem Beispiel, wie HDCL Bitstuffing betreibt! Beschreiben Sie dabei auch das HDCL-Rahmenformat!

Zu übertragene Daten: 01111100 01111110

=> folgendes wird übertragen:

01111110 Adresse Steuerinfo Dateninfo Frame-Checking-Sequence 01111110

Rahmenflag

heute nur noch Richtung
(DEE->DÜE oder DÜE->DEE)

Rahmenformat (Information, Unnumbered, Supervisory)

Die Dateninformation kann beliebig lange sein, muß sich nach der Umkehr des Bitstopfens jedoch durch 8 teilen lassen. In unserem Fall führt diese Feld den Inhalt: 011111000 011111010.

Zu was dienen Unnumbered Frames?

Die Unnumbered Frames des HDCL-Protokolls sind deswegen unnumeriert, da sie nur für den Verbindungsaufbau und Verbindungsabbau zuständig sind, sie also nur einfach übertragen werden, wodurch keine Reihenfolgen-Änderungen eintreten können.

Warum funktioniert eine Parallelübertragung bei dem einfachen BSC-Protokoll, nicht aber bei dem komplexen HDCL-Protokoll? Warum ist HDCL dennoch besser?

Das BSC-Protokoll arbeitet zeichenorientiert, kann dadurch jeweils 8 Bit parallel übertragen. Das Transparenzproblem löst es durch Zeichenstopfen, wobei das gestopfte Zeichen auch parallel übertragen werden kann. HDCL ist bitorientiert und würde bei einer Parallelübertragung durcheinanderkommen, falls Bits gestopft wurden. HDCL ist aber dennoch besser als BSC, da es durch seinen Fenstermechanismus eine Vollduplex-Übertragung gestattet, während BSC nur halbduplex arbeitet. Außerdem eignet sich die HDCL-Bitorientierung anders als die BSC-Zeichenorientierung zur Übertragung jeglicher Art von Daten.

Was versteht man unter Durchsatz?

Die Anzahl der KORREKT übertragenenen BYTES (nicht Bits!) pro Sekunde. Im Rahmen der auszuhandelnden Quality-of-Service-Parameter ist für den Durchsatz ein Maximums- und ein Durchschnittswert anzugeben - die Sicherungsschicht wählt daraus den Mittelwert aus und prüft, ob sich dieser geforderte Wert für die Verbindung realisieren läßt. Falls nicht, bricht sie die Verbindung ab.

Warum ist die Ringgröße eines Token-Rings keine unabhängige Größe?

Der Ring muß mindestens so lange sein, daß das Freitoken vollständig darauf abgelegt werden kann. Grund: Die Stationen können pausieren, während das Token auf dem Ring als Ganzes kreisen können muß, bis eine der Stationen sendewillig ist und das Freitoken zum Belegttoken macht und eine (begrenzt lange) Nachricht anhängt. U.U. müssen die Stationen Register führen, die den Ring künstlich verlängern. Aber jede Station verlängert den Ring ohnehin um mindestens 1 Bit, wodurch das Delay auch pro Station anwächst.

Beschreiben Sie den Ablauf einer Sendung in einem Token-Ring!

Station A ist sendewillig und wartet auf das Frei-Token => Frei-Token kommt an und wird in Belegt-Token geändert, das Frame mit der Zielinformation im Header wird angehängt => Station B erkennt, daß der Frame nicht für sie ist und läßt ihn passieren => Station C erkennt sich als Ziel und kopiert den Frame, prüft ihn auf Korrektheit mittels des CRC-Wertes und hängt ein ACK- bzw. NAK-Bit hinten dran => Station A erkennt ihr eigenes Frame und nimmt ihn vom Ring runter, wobei sie am ACK-Bit feststellt, ob die Übertragung erfolgreich war.

Welche Aufgaben hat die Monitorstation im Token-Ring?

Sie muß (1) Token-Verluste feststellen, (2) endlos kreisende Belegttoken erkennen, (3) doppelte Freitoken verhindern und (4) prüfen, ob die Reservemonitore noch aktiviert sind. (1) erreicht sie durch Timer, die ablaufen, wenn ein Token länger fehlt als die Zeit für einen Frameumlauf plus der maximalen Framegröße. (2) wird durch einen Stempel realisiert, den die Monitorstation einem vorbeilaufendem Belegttoken aufprägt. Kommt das Token mit dem Stempel wieder, dann entfernt sie es vom Ring und initialisiert diesen neu. Dopplete Token erhalten den gleichen Stempel, wodurch die Station einen Fehlerfall (2) erkennt, dessen Ausräumung auch Fehler (3) behebt. Für (4) senden die Reservemonitore regelmäßig ein Signal, an dem die Monitorstation erkennt, daß sie noch aktiviert sind.

Was bedeutet das Early Token Release im Zusammenhang mit Ring-Netzen?

Einfache Ring-Protokolle sehen vor, daß stets nur ein Frame auf dem Ring laufen kann, wodurch aber Bandbreite verschenkt wird, wenn Station A direkt nach Station B senden will, weil das von B generierte Freitoken fast den ganzen Ring umlaufen muß, um zu A zu gelangen. Beim Early Token Release-Prinzip kann der Empfänger eines Frames nach dem Empfang ein Freitoken generieren und an den Frame anhängen, wodurch in unserem Falle Station A seinen Frame direkt an das Ende des B-Frames hängen kann. V.a. bei großen Netzen, wie FDDI, können auf diese Weise viele Frames im Ring plaziert werden.

Was zeichnet die 4B/5B-Signalkodierung aus?

Diese bei FDDI eingesetze Kodierung benutzt das Non-return to Zero Level-Encoding, d.h. ein gesetztes Bit wird durch eine Eins, ein gelöschtes Bit durch eine Null repräsentiert. Jeweils 5 Bits stehen für 4 Bit Information, wodurch sich eine Auslastung der Bandbreite von 80% ergibt (ggü. 50% bei Manchester Encoding) und 16 "illegale" Bitkombinationen zur Verfügung stehen, z.B. "00000" für Ring=tot und "11111" für Ring=idle. Dadurch, daß bei regulären Zeichen nie mehr als zwei Nullen hintereinander vorkommen, kann der 4B/5B-Kodierung eine Selbsttaktung zugeschrieben werden.

Warum ist das Freitoken eines Token-Busses größer als das eines Ringes?

Im Token-Bus findet nur ein logischer Ring Verwendung, d.h. jede Station muß ihre Nachfolgerin kennen und ihr explizit die "kreisenden" Frames zusenden, also auch das Freitoken, wobei im Ggs. zum physikalischen Token-Ring die Zieladresse im Frameheader vermerkt werden muß.

Was bewirkt der Einsatz des HDLC-Protokolls in LANs?

Eigentlich soll das HDLC-Protokoll unsichere Netzverbindungen durch seine Fehlerkontrolle verbessern, was bei WAN-Übertragungen auch nötig ist. Bei den sehr sicheren LANs dagegen bewirkt der HDLC-Einsatz, daß die oberen Schichten sehr dünn ausfallen können. HDCL stellt für LANs das dar, was das Transportürotokoll der Klasse 4 für WANs darstellt.

Berechnen Sie den CRC-Wert (Frame=111011, Generatorpolynom=x^4+x^2+1)!

1110110000 : 10101 = 0
10101
-----
010001
 10101
 -----
 0010000
   10101
   -----
   0010100
     10101
     -----
     00001		<== CRC-Wert, der an Frame anzuhängen ist!

Durch welche Methoden läßt sich die Ringsicherheit erhöhen?

Man kann (1) Ringe als Sterne konzipieren, d.h. in der Mitte sitzt ein zentraler Vermittler, der im Falle eines Stationsausfalls eine interne Bypass-Schaltung vornehmen kann. Man kann (2) Ringe auch physikalisch verdoppelt konzipieren, wobei beide Ringe getrennt voneinander unidirektional gegenläufig verwendet werden können. Im Falle eines Stationsausfalles können die beiden der Bruchstelle nächsten Stationen eine Bypass-Schaltung zwischen beiden Ringen vornehmen, wodurch man einen einen verlängerten Einzelring erhält. Bei zwei Bruchstellen versagt diese Methode im Ggs. zu (1) jedoch.

Zu was dient das CLAIM-Token?

Das CLAIM-Token dient dazu, herauszufinden, wer die Monitorstation werden soll. (1) Beim Token Ring: Beim Aufbau des Rings oder einem Monitorausfall sendet ein Reserve-Monitor das CLAIM-Token mit seiner eigenen Adresse raus. Jeder weitere potentielle Monitor prüft, ob er die Tokenadresse numerisch überbieten kann. Ist dies der Fall, so ersetzt er die Tokenadresse durch seine eigene. Neuer Monitor ist die Station, die das CLAIM-Token mit ihrer eigenen Adresse zurückerhält, also die numerisch höchste Station. (2) Beim Token Bus: Der CLAIM-Frame wird solange, wie die beiden Most Significant-Adreßbits der jeweiligen Station beanspruchen. Jede Station, die zwei höhere Bits besitzt, verlängert den Rahmen. Ist sie kleiner, dann ist die Station aus dem Rennen. ist sie gleichgroß, bleibt alles beim alten. In der nächsten Runde wird der CLAIM-Frame solange wie das dritte und vierte Most Significant-Adreßbits. Der Prozeß wiederholt sich. Die Station, die den letzten Frame aussendet bzw. verändert (d.i. die Station mit der höchsten Adresse), gewinnt die Monitorbewerbung. Bei FDDI wird das CLAIM-Token auch dazu benutzt, daß jede Station den gewünschten Anteil der zur Verfügung stehenden Bandbreite (i.d.R. 100 Mbps) als synchrone Allocation zugewiesen bekommt.

Erklären Sie kurz das PURGE-, das STANDBY MONITOR PRESENT- und das BEACON-Frame des Token-Ringes!

Das PURGE-Frame wird zur der Ring-Initialisierung eingesetzt. Das STANDBY MONITOR PRESENT-Frame wird periodisch von den Reserve Monitors ausgesendet, wodurch die Neigbour Notification erledigt wird, d.h. jede Station lernt die Adresse ihres aktuellen Nachbarn stromaufwärts kennen. Dies ist wichtig für die BEACON-Frames, die bei Netzfehlern zum Einsatz kommen.

Wie groß muß ein Packet in einem CSMA-Netz mindestens sein? Gibt es Unterschiede in der Kollisionserkennungszeit zwischen CSMA und CSMA/CD?

Szenario: Eine Kollision zwischen zwei Nachrichten findet am äußersten rechten Bus-Rand statt. Der eine Sender befgindet sich am äußersten linken Rand. Um die Kollision feststellen zu können, muß er zum Zeitpunkt

t=2*(Zeit eines Signals für die gesamte Busstrecke) [Sekunden]

am Medium lauschen. Bei einem Zeitpunkt t1<t würde die Station annehmen, daß keine Kollision stattgefunden hat. Bei einem Zeitpunkt t2>t hätte die Station (t2-t) Sekunden Bandbreite verschwendet. Ein CSMA-Packet muß daher mindesten so viele Bits lang sein, wie in t Sekunden gesendet werden können. Ist das Packet länger, dann wird im reinen CSMA-Verfahren solange Bandbreite verschwendet, bis die Packetsendung abgeschlossen ist - im Worst Case: t3=2*t+(Sendezeit für das größtmögliche Packet). Das CSMA/CD-Verfahren dagegen erkennt in jedem Fall zum Zeitpunkt t, daß eine Kollision stattgefunden hat, da es bereits während der Sendung das Medium auf Kollisionen prüft.

Gibt es ein Protokoll, bei dem Durchsatz=Last=100% erreichbar ist?

Beim 1-persistent CSMA lassen sich diese Werte erreichen, sofern nur eine Station ständig sendewillig ist. Die Station sendet ein Packet, wobei es zu keiner Kollision kommen kann, was den Durchsatz mildern würde. Da sie nach Sendung des Packets durch die 1-persistent-Strategie bei freiem Medium sofort weitersenden kann, wird keinerlei Bandbreite verschenkt, die Auslastung des Netzes ist 100%. In der Realität treten aber bisweilen Netzfehler auf, was Duplikasendungen erfordert (Durchsatz--). Außerdem benötigen die Nutzdaten einen Overhead, um u.a. ihr jeweiliges Ziel finden zu können (Last--).

Welchen wesentlichen Vorteil bietet das Token Passing ggü. CSMA?

Das Token Passing gestattet die Realisierung von Echtzeit-Betrieben, da durch Begrenzung der maximalen Packetlänge jeder Station ein bestimmtes Maß an Bandbreite garantiert werden kann (synchrone Allokation), unabhängig von der Last; dies gilt natürlich nur, sofern der Token Ring bzw. Token Bus in Ordnung ist.

Wie ist das IEEE 802-Adreßformat aufgebaut?

802-Adressen sind entweder 2 (16 Bit) oder 6 Bytes (48 Bit) lang. Die ersten beiden Most Significant Bits bestimmen den Adressierungs-Chrakter. Es gilt: (1) 0x...x = Individualadresse; (2) 10x...x = Globaler Multicast; (3) 11x...x = Lokaler Multicast; (4) 111...1 = Broadcast.

Wie berechnet sich bei FDDI die Token Target Rotation Time TTRT)?

Bei FDDI erhält jede Station eine garantierte synchrone Bandbreite, genannt die synchrone Allocation, d.i. die Sendezeit t1. Die Packetlänge sei begrenzt durch die Sendezeit von t2. Der vollständige Umlauf eines Tokens beanspruche die Zeit t3. Es gilt dann: TTRT = Summe(t1) + t2 + t3. Nach dem Ringaufbau ist die TTRT definiert und fix in jeder Station gespeichert. Jede Station weiß dadurch jederzeit, wie lange sie maximal warten muß, um wieder Senden zu können.

Was versteht man bei FDDI unter asynchroner Sendezeit?

In FDDI erhält jede Station eine synchrone Sendezeit zugewiesen. Nutzt sie diese nicht aus, bemerkt das die nachfolgende Station, da das Freitoken vor Ablauf der TTRT bei ihr ankommt. Die nicht genutzte synchronen Sendezeit dr Vorgänger-Station(en) ist die asynchrone Sendezeit des aktuellen Freitoken-Besitzers. Durch einen Strafpunkte-Mechnismus wird dafür gesorgt, daß die asynchrone Sendezeit gerecht verteilt wird. Jedes zu früh ankommende Freitoken vermindert das strafkonto um Eins, jede Nutzung der asynchrone Sendezeit erhöht das Strofkonto um Eins, genutzt werden kann die asynchrone Sendezeit nur, wenn das Strafkonto<=0 ist.

FDDI II soll neben synchrone Sendezeit auch isochrone Sendezeit anbieten. Was ist darunter zu verstehen und welche Vorteile sind damit verbunden?

Die isochrone Sendezeit garantiert die Versendung von Daten in exakt x Zeiteinheiten. Dazu wird alle 125 Mikrosekunden ein Slot auf dem FDDI-Ring geschaffen, der 8 Bit aufnehmen kann. Auf diese Weise kann eine Station in einer Sekunde 8000mal den 8-Bit-Slot mit Daten füllen (unabhängig vom Freitoken), wodurch sie eine verzögerungsfreie und konstante (eben isochrone) Datenrate von 8000*8=64 kbps erhält, die sich z.B. zur Übertragung von Sprache eignet. Werden höhere Datenraten benötigt, z.B. für Bilder, so können einfach mehrere isochrone Kanäle geschaltet werden.

Auf einem 20km-Token-Ring ist eine Datenrate von 16Mbps möglich, sowie eine maximale Packetgröße von 1024 Byte, wobei 10 Byte Steuerinformationen enthalten. Wie hoch ist die effiziente Datenrate im Ring? Die Ausbreitungs-Geschwindigkeit beträgt 2*10^8 m/s.

Es gilt: Die tatsächliche Kapazität sind die übertragenen Datenbits innerhalb einer bestimmten Zeit => c=p/t. Die übertragenen Datenbits können maximal Packetgröße Bytes umfassen, von denen die Steuerinfos si abgezogen werden müssen => p=p0-si bit. Die Zeit, die nötig ist, um diese Daten zu übertragen, setzt sich folgendermaßen zusammen: t=Zeit für Ringumrundung + Zeit für das Packet=t1+t2. t1 ergibt sich aus der Ringlänge s und der Ausbreitungsgeschwindigkeit v => t1=s/v. t2 ergibt sich aus der Packetlänge p0 und der Datenrate c0 => t2=p0/c0.

=> c	=  (p0   - si)    / ( (s     /v    ) + (p0    /c0     ) )
	= ((1024 - 10)*8) / ( (20000/2*10^8) + (1024*8/16*10^6) )

Ein System B besteht aus drei Token-Ringen mit jeweils 100 Stationen, die über drei Bridges miteiander verbunden sind. Ausfallwahrscheinlichkeit des Ringanschlusse Pr, eines Links Pl und einer Bridge Pb ist jeweils 10^-2. Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit für den totalen Ausfall von B, den Ausfall einer beliebigen Station und den Ausfall der Kommunikation zwischen zwei Stationen!

Die Wahrscheinlichkeit (W) für den Totalausfall einer Station hängt ab von der W des Ausfalls eines Ringes. Nur wenn alle drei Ringe ausgefallen sind, ist das System B total ausgefallen. Es gilt:

W(Alle Stationen eines Ringes okay)=(1-Pr)^100=0.366
W(Alle Links eines Ringes okay)=(1-Pl)^100=0.366
W(Ring okay)=W(Alle Stationen okay)*W(Alle Links okay)=0.134
W(Ausfall ein Ring)=1-W(Ring okay)=1-0.134=0.866
W(Ausfall aller drei Ringe)=W(Ausfall ein Ring)^3=0.65

Eine beliebige Station in B ist Ausgefallen, wenn ihr Ring ausgefallen ist, also W(Ausfall beliebige Station)=W(Ausfall ein Ring)=0.866. Der Ausfall der Kommunikation zwischen zwei Stationen hängt davon ab, ob sich die Stationen im gleichen Ring befinden oder ob sie über eine Bridge verbunden sind. Es gilt:

W(Kommunikation in einem Ring)=1/Anzahl Ringe=1/3=0.33
W(Kommunikation über Bridge)=1-W(Kommunikation in einem Ring)=0.66
W(Ausfall eines Ringes)=0.866
W(Zwei Ringe okay)=(0.134)^2=0.018
W(eine Bridge okay)=1-W(Bridgeausfall)=1-10^-2=0.99
W(Bridge-Kommunikation okay)=0.018*0.99=0.018
W(Bridge-Kommunikation unmöglich)=1-0.018=0.98
W(Kommunikation unmöglich)=0.866*0.33+0.98*0.66=0.94

Wann spricht man von asymmetrischen Netzen?

Asymmetrische Netze sind Netze, in denen es eine Masterstation gibt, die das Netz i.d.R. zentral verwaltet. Dies ist bei den meisten terminalnetzen gegeben, so z.B. bei SNA mit einem zentralen Mainframe. Der Trend geht jedoch in symmetrische Netze wie OSI- oder (bedingt) C/S-Networking. Auch IBM hat dies erkannt und bietet für SNA die SW LU 6.2 und APPN an, über die auch Terminals ohne Mainframe miteinander kommunizieren können.

4. Vermittlungsschicht

Welche Gefahr birgt das Hot Potato-Routing in sich?

Beim Hot Potato-Routing wird ein ankommendes Packet vom IMP an den Ausgang gelegt, der die kürzeste Wartezeit verspricht. Dies kann dazu führen, daß ein Ping-Pong-Effekt eintritt, das Packet also zwischen mehreren IMPs hin und her wandert, ohne seinem Ziel näüher zu kommen. Abhilfe: Blockierung von Ausgängen oder Ausgänge, die in der richtigen Richtung liegen, mit einer höheren Priorität versorgen.

Welche Vorteile bringen virtuelle Verbindungen mit sich?

Außer beim Verbindungsaufbau müssen die Packete nicht die ganze Adresse zum Ziel führen, sondern es genügt die wesentlich kürzere virtuelle Kanalnummer für die IMPs, die so das Packet ohne Verzögerung durch das Netz schleusen können. Auch die interne IMP-Schaltung funktioniert wesentlich schneller als bei Datagramm-Vermittlung, da die Tabellen für die aktuellen virtuellen Kanäle viel kleiner sind als die Tabellen über sämtliche Adressen im Netz.

Welchen besonderen Vorteil bringt das isarithmetische Routing mit sich?

Dieses Routing verlangt von den Packeten, welches von den IMPs weitergeschalten werden wollen, daß sie eine Permit (Erlaubnis) besitzen. Die Anzahl der im Netz kreisenden Permits ist begrenzt, wodurch verhindert wird, daß das Netz mit Packeten überschwemmt wird und es so zu Deadlocks kommt, die den gesamten Datenverkehr lahmlegen. Dieses Routing-Verfarhren sorgt also zusätzlich für eine Überlastkontrolle. Nachteile: Teilstrecken im Netz können auch weiterhin mit Packeten überschwemmt werden, und Packete müssen z.T. unzulässig lange auf die Permits warten.

Warum werden die QoS z.B. in Schicht 2 und Schicht 3 angeboten?

Zunächst wird die in Schicht 3 angegebene QoS von Schicht 4 bezogen. Ein Teil der Schicht 3-QoS wird in Schicht 2 weiterverwendet. Die Schicht 2-QoS betrifft nur die Verbindung zwischen Schicht 3 und Schicht 2, die u.U. sehr beständig bestehen bleibt. Anders die QoS der Schicht 3. Sie betrifft drei Partner, das rufende T-Vorkommnis, das gerufene T-Vorkommnis und den N-Manager, der die relativ kurzfristige N-Verbindung aufbauen soll. Die Schicht 3-QoS umfassen daher anders als die Schicht 2-QoS auch den Auf- und Abbau von Verbindungen, sowie die maximal akzeptierbaren Kosten.

Wie ist ein X.25-Packet in einen HDCL-Rahmen eingefügt?

X.25-Packet: logischer Kanal Packettyp Packetinformation

I-HDCL-Rahmen: Flag Adr Control X.25-Packet Frame-Checking-Sequence Flag

Läßt sich die Vermittlungsschicht intern noch unterteilen?

Je nachdem, wo das Vermittlungsprotokoll eingesetzt wird, kann es mehrschichtig aufgebaut sein. Das SNAcP (Subnet Access Protocol) wird in jeder Vermittlungsschicht benötigt. Es beinhaltet v.a. die Routingverfahren, mit denen ein Ziel im Subnet gefunden werden kann. Werden mehrere Subnets über Gateways u.ä. verbunden, müssen für jedes Subnet spezifische Änderungen bzw. Erweiterungen am SNAcP vorgenommen werden, was durch das zusätzliche SNDCP (Subnet Dependent Convergence Protocol) erreicht werden kann. Bei stark heterogenen Subnets, wie sie z.B. beim Internetworking gegeben sind, reicht das SNDCP nicht mehr aus; es muß das SNICP (Subnet Independent Convergence Protocol) herangezogen werden, welches wie eine eigene Schicht im OSIM arbeitet und daher auch eine eigene CPC (Cpntrol Protocol Information) in das X.25-Packet einfügt.

Welche Adresse(n) ist/sind relevant für Schicht 3?

Schicht 3 soll Packete auch über mehrere Subnets vermitteln können. Aus diesem Grund ist es wichtig, daß es eine weltweit eindeutige Adresse für jedes Vermittlungsschicht-Vorkommnis gibt. Diese globale Adresse wird durch die N-SAPid gestellt, die nicht nur eindeutig ist, sondern darüberhinaus auch noch ortunabhängig sein sollte (was sie i.d.R. aber nicht ist, da ihr Domain Specific Part i.d.R. hierarchisch aufgebaut wird). Die N-SAPid wird im SNICP geführt, während innerhalb des aktuellen Subnets zusätzlich auch noch eine netzbedingte Adresse für SNAcP geführt wird. Bei jedem Übergang in ein neues Subnet wird die N-SAPid zuerst in die netzspezifische Adresse des Trägerrechners umgerechnet. Dorthin werden dann die Packete geroutet.

Wie baut sich das OSI-Adreß-Format auf?

Das OSI-Adreß-Format bestimmt die N-SAPid. Das Format muß eine weltweit eindeutige Nummer garantieren, die ortsunabhängig sein soll, d.h. sie sollte sich nicht ändern, auch wenn der Trägerrechner an einem neuen Ort betrieben werden sollte. Die OSI-Adresse besteht aus dem Initial Domain Part, der von der OSI genormt wird und i.d.R. eine Länderkennung beinhaltet, und dem Domain Specific Part, der von den Subnet-Betreibern beliebig gestaltet werden kann, i.d.R. aber sich aus den Knotenadressen zusammensetzt, über die der Zielrechner erreicht werden kann (wodurch die von OSI geforderte Ortstransparenz jedoch verloren geht). Die OSI-Adresse muß also keineswegs hierarchisch aufgebaut sein. Wohin sie führt, ist im Prinzip nur über die Tabellen zu ermitteln, die die IMPs führen.

Die IP-Adresse: Enthält sie die Portnummer? Ist die Host-ID wichtig zum Routen? Wie unterscheidet sich ein UDP-PDU von einer IP-PDU?

Die IP-Adresse baut sich aus der Host-ID und der Netz-ID auf, enthält also nicht die Portnummer; diese ist Teil des Transportschicht-Vorspanns, bei IP i.d.R. TCP bzw. UDP. Die Gateways spalten die Netz-ID ab, denn nur diese ist für das Routing relevant. Wurde das richtige Netz gefunden, so ist dies meist ein Broadcast-Medium - für diesen Fall enthält der Schicht-2-Vorspann die Ethernet-Adresse, um den richtigen Host zu finden. Zum Unterschied von IP und UDP: Beides sind Datagramm-Dienste, jedoch sitzt UDP i.d.R. auf IP auf und ist ein End-to-end-Dienst. Daher enthält er auch die 16 Bit Portnummer und, da IP unzuverlässig ist, trotz der IP-Header-Prüfsumme, eine eigene Prüfsumme.

Sie haben die Wahl zwischen zwei Netzwerken: (1) Virtual Channel mit 3-Byte-Header, pro IMP 8 Byte Speicher, (2) Datagramm mit 15-Byte-Header. Pro Verbindung werden 4 IMPs 1000 s lang mit 200 Packeten beansprucht. IMP-Speicher kostet pro Byte 1Pf, und die Übertragung von 10^6 Bytes zwischen zwei Knoten kostet 1 Pf. Welches Netzwerk ist auf Dauer billiger?

Die Kosten hängen ab von den übertragenen Bytes (bei Datagrammen wegen Headern größer) und dem IMP-Speicher (bei VC größer). Die Kosten sind eine Funktion der Zeit. Für den Vergleich wichtig ist nur die Anzahl der Header-Bytes der Packete, nicht die Anzahl der Datenbytes (die ist in beiden Fällen identisch). Pro Sitzung fallen 1000 s lang Übertragungskosten an. Es gilt:

IMPKostenVC=IMP-Anzahl pro Sitzung*Anzahl Bytes*1 Pfennig=4*8*1=32 Pf
IMPKostenDG=0 Pf
Headerbytes pro SecVC=3Headerbytes*200Packete/1000s=.6 Bytes/s
Headerbytes pro SecDG=15Headerbytes*200Packete/1000s=3 Bytes/s
DÜKostenVC(t)=Knotenanzahl*(HB pro SecVC/Kostensatz)*t=t*3*0.6/10^6
DÜKostenDG(t)=t*3*3/10^6
KostenVC(t)=IMPKostenVC+DÜKostenVC=t*1.8/10^6 Pf+32 Pf
KostenDG(t)=IMPKostenDG+DÜKostenDG=t*9/10^6 Pf Pf+0 Pf
===> KostenVC(t)=Kosten(DG) => t=51 Tagen, dann lohnt sich VC!

Was ist der Hauptunterschied zwischen IP-Adressen und OSI-Netzadressen?

IP-Adressen haben eine fixe Länge von 32 Bit, während OSI-Adressen variabel lang sein können.

5. Die Transportschicht

Welche Besonderheit zeichnet die T-Flußregelung ggü. der DL- und N-Flußregelung aus?

Die T-Flußregelung ist eine echte End-to-End-Flußregelung. Zudem sieht das OSIM vor, der Transportschicht einen Credit-Fenstermechanismus zuzuweisen, d.h. die Flußsteuerung erfolgt nicht einfach durch Verwerfen von Packeten oder NAK-Sendungen, sondern der Empfänger teilt dem Sender mit, wieviele Packete (Credits) er bereit ist, zu empfangen. Die praktische Konsequenz ist, daß die Transportschicht anders als die niedrigeren Schichten über ein variabel großes Fenster verfügt, das sich den jeweils möglichen Bedingungen (automatisch) anpassen kann.

Welche Netzqualitätsstufen können einer T-Verbindung angeboten werden?

Eine Typ A-N-Schicht bietet der T-Schicht eine sichere Übertragungsstrecke. Die Restfehlerrate ist niedrig und Netzzusammenbrüche sind selten. Für eine solche Übertragungsstrecke genügt das Schicht-4-Protokoll der Klasse 0 bzw. Klasse 2, falls Multiplexing erwünscht wird. Eine Netzschicht vom Typ B garantiert zwar eine niedrige Restfehlerrate, kann aber Netzzusammenbrüche nicht ausschließen. Für diesen Netztyp eignet sich das Schicht-4-Protokoll der Klasse 1 bzw. 3 (Multiplexing). Bei sehr unsicheren Netzverbindungen (Typ C) bleibt die ganze Fehlerbehandlungs-Arbeit am Protokoll der Schicht 4 hängen. Typ C-Netzverbindungen müssen mit dem T-Protokoll der Klasse 4 beantwortet werden.

Beschreiben Sie, wie ein Client mittels TCP/IP eine Transportverbindung zu einem Server aufbaut!

Wir gehen davon aus, daß der Server eine bekannte Portnummer belegt, z.B. Port 21 (für FTP). Auf einem anderen Rechner möchte nun ein Client FTP für sich nutzen können. Aus diesem Grund fordert er von seinem TCP-Modul eine freie Portnummer an, die i.d.R. über 1023 liegt (die unteren sind fest belegt). Nun sendet er den Verbindungswunsch zum Server, indem er als Portadresse 21 angibt. Der Server bemerkt die ankommende Nachricht und hat nun zwei Alternativen: Er beantwortet die Anfrage selbst (iterativer Server) oder er entwickelt über "fork()" einen Childprozeß, der die Anfrage beantwortet, während der Serverprozeß wieder in Lauschzustand übergeht, um sofort neue Anfragen entgegen nhemen zu können (paralleler Server). Zu beachten ist, daß der Server und seine Childs stets die gleiche Portnummer beibehalten: Die Zuweisung der ankommenden Datenströme an die richtigen Childs erfolgt über die Quelle-Adresse!

Warum können Client-Abstürze unangenehme Folgen für andere Clients mit sich bringen?

Ein Client, der Anfragen an Server stellt, läßt sich eine Portnummer zuweisen, an die der Server seine Antworten zu senden hat. Stürzt nun ein Client ab, so wird diese Portnummer wieder frei und kann einem anderen Client zugewisen werden. Dies kann zur Folge haben, daß dieser Client dann Daten von einem Server gesendet bekommt, die eigentlich für den abgestürzten Client gedacht waren. Die kann zu unvorhergesehenen Komplikationen führen.

In wie weit unterscheiden sich die Transportschichten bei SNA und TCP?

SNA kann auf eine zuverlässige Schicht 3 setzen, wodurch Schicht 4 entsprechend einfach gehalten werden kann. TCP jedoch basiert jedoch auf den unzuverlässigen IP-Dienst, muß also viel Fehlerkontrolle selbst übernehmen, u.a. führt es deshalb auch eigene Prüfsummen. SNA entspricht damit dem OSI-TP der Klasse 0, während hingegen TCP dem OSI-TP der Klasse 4 entspricht.

Können sich mehrere T-Verbindungen eine N-Verbindung zunutze machen? Können über eine T-Verbindung mehrere S-Verbindungen übertragen werden?

Beide Fragen lassen sich mit "Ja" beantworten. Über eine N-Verbindung können gleichzeitig viele T-Verbindungen übertragen werden, sofern ein T-Protokoll gewählt wurde, welches Multiplexing beherrscht (Klassen 2, 3 und 4). Sitzungsverbindungen können jeoch nicht gemultiplext werden, d.h. es können nie mehrere S-Verbindungen gleichzeitig über eine T-Verbindung übertragen werden; jedoch können sie sequentiell die gleiche T-Verbindung nutzen.

TCP bietet eigene Prüfsummen - ist dies sinnvoll?

End-to-End-Prüfsummen sind sinnvoll, wenn das zugrundeliegene N-Protokoll unzuverlässig ist, wie es bei IP gegeben ist. Aber auch zuverlässige Netze können Fehler machen, die die Netz-Prüfsumme übersehen können, nämlich dann, wenn diese Fehler in den Netzkarten-Puffern, den IMP-Puffern oder den I/O-Kanälen auftreten. Eine End-to-End-Kontrolle ist demnach eine sinnvolle Sache.

6. Die Sitzungsschicht

Nennen Sie ein Beispiel, bei dem eine Kommunikationssteuerung notwendig ist!

Zwei Personen spielen über ein Rechnernetz Schach. Hierbei wird eine Dialogsteuerung (Halbduplex-Simulation) benötigt, die verhindert, daß beide Spieler gleichzeitig einen Zug vornehmen. Um unerlaubte Züge rückgängig machen zu können, kann die Technik der Resynchronisation benutzt werden, d.h. die Sitzung wird einfach auf den ZUstand vor dem falschen Zug zurückgesetzt.

Nennen Sie ein Beispiel, in der eine Aktivität sinnvoll verwendet werden kann!

Eine Aktivität setzt sich aus mehreren Hauptsynchronisations-Punkten (Major Sync Points) zusammen. Zwischen den Major Sync Points können Minor Sync Points eingefügt werden. Eine Aktivität kann z.B. für Sammelbuchungen im Reisebüro eingesetzt werden. Jede Einzelbuchung beginnt mit einem Major Sync Point. Sie besteht aus den zwei Teilschritten "Flugrichtung wählen" und "Flugzeit wählen", die jeweils durch einen Minor Sync Point getrennt werden. Wurde eine gewählte Flugzeit abgelehnt, kann resynchronisiert werden, um eine neue Zeit einzugeben. Läßt sich keine geeignete Flugzeit finden, so kann auf "Flugrichtung wählen" resynchronisiert werden, um eine alternative Richtung einzugeben. Mißlingt auch dieser Versuch, kann die ganze Einzelbuchung rückgängig gemacht werden, ohne die gesamte Sammelbuchung abbrechen zu müssen.

Welche Token finden in der Session-Schicht Verwendung? Was ist bei ihrem Gebrauch zu beachten?

Die Session-Schicht arbeitet mit den folgenden, hierarchisch angeordneten Token: Data-Token > Sync-Minor-Token > Major/Activity-Sync-Token > Release-Token. Nur wer im Besitz des hierarchisch höheren Tokens ist, kann auch die niedrigeren Token einsetzen, d.h. ein Anwender kann zwar jederzeit Daten senden, wenn er das Data-Token besitzt, aber keine Verbindung abbrechen, wenn er nicht alle Token besitzt.

7. Die Darstellungsschicht

Welche Eigenschaft besitzt die Darstellungsschicht als einzige Schicht?

Sie ist die einzige Schicht, in der die übertragenen Daten geändert werden können, allerdings nur syntaktisch, nicht semantisch. Nur dadurch läßt sich eine Transfersyntax schaffen, die von beiden Partnern verstanden werden kann.

Was erhält eine IBM 3040, wenn sie direkt eine "5" von der VAX 780 gesendet bekommt?

Die VAX ist ein Little Endian-Rechner, d.h. das niedrigste Bit steht links, das höchste recghts - bei der IBM als Big Endian-Rechner verhält es sich genau umgedreht. Bei einer Integerlänge von 4 Byte würde die VAX also die "5" in folgender Form senden: $05 00 00 00. Diese Zahl würde von der IBM als Zahl von über 83 Mio interpretiert werden.

Wie kompiliert ein Compiler mit und ohne Vertauschungsstrategie "struct int i1; char ch; int i2;};"?

=> ohne Vertauschung: | 4-Byte-Integer | 1-Byte-Char | 4-Byte-Integer |
=> mit Vertauschung : | 4-Byte-Integer | 4-Byte-Integer | 1-Byte-Char |

Zur Kommunikation zwischen zwei Stationen A und B können Basic Encoding Rules (BER) und Local Encoding Rules (LER) eingesetzt werden. Zeigen sie für beide Fälle schmatisch auf, wie Station A eine Datei nach Station A sendet!

BER-Nutzung: 
Station A: Datei -> ASN.1-Repräsentation -> BER -> Transfersyntax ->
Station B: -> BER -> ASN.1-Repräsenation -> Datei

LER-Nutzung:
Station A: Datei -> Compiler -> Prg. -> LER-A-Encoder -> Transfersyntax ->
Station B: -> LER A in LER B wandeln -> LER-B-Dekoder -> Prg.

Übersetzen Sie folgendes Pascal-Programm in eine ASN.1-Repräsenation!

type Name=record
	Vorname:	string[10];
	Initiale:	char;
	Nachname:	string[20];
end;

ASN.1-Repräsenation:

Name::=[APPLICATION 0] SEQUENCE {
	Vorname	ISO64STRING,
	Initiale	ISO64STRING,
	Nachname	ISO64STRING
};

Nehmen Sie an, sie müßten den folgenden Datensatz einer DB-Datei des obigen Typs an eine andere Station übersenden: "John", "P", "Smith". Stellen Sie die ASN.1- und die Transfersyntax-Repräsentation dar!

ASN.1-Repräsentation: {Vorname "John", Initiale "P", Nachname "Smith"};

Transfersyntax-Repräsentation nach BER-Anwendung:

C0	10	16	04	"John"	16	01	"P"	16	05	"Smith"

				Inhalt
			Länge 4
		UNIVERSAL 22 (=ISO64STRING)
	Länge 16
Application 0

Welche Datentypen (Tag-Klassen) gibt es nach ASN.1?

Es gibt UNIVERSAL-Datentypen, die international genormt sind (z.B. INTEGER, BOOLEAN, ISO64STRING, SET, SEQUENCE, SEQUENCEOF und CHOICE), APPLICATION-Datentypen, die innerhalb einer Übertragung benutzerdefiniert sind und normalerweise mit SEQUENCE{...} definiert werden, PRIVATE-Datentypen, die innerhalb einer Organisation genormt sind, und kontext-spezifische Datentypen, die nur innerhalb eines konstruierten Datentyps Geltung haben.

Beschreiben Sie das Tag-Format nach den BER! Welchen Sinn machen Tags?

Bit8		Bit7		Bit6		Bit5-1 	Bedeutung
-----------------------------------------------------------------
0		0		0/1		Nr.	UNIVERSAL
0		1		0/1		Nr.	APPLICATION
1		0		0/1		Nr.	PRIVATE
1		1		0/1		Nr.	kontext-spez.

Bit 6 gibt an, ob der nach dem Tag folgende Datentyp primitiv (Bit6=0) oder konstruiert (Bit6=1) ist. Die Nummern der letzten 5 Bits sind nur bei UNIVERSAL-Datentypen von vorneherein definiert, ansonsten müssen sie vom Anwender definiert werden. Der Vorteil bei Tags, die vor jedem Datentyp explizit gesendet werden, falls gewünscht (nicht IMPLICIT), ist, daß durch ihr Weglassen signalisiert werden kann, daß der zugehörige Datensatz leer ist.

Beschreiben Sie das Längen-Format nach den BER!

Ein Datentyp kann eine bekannte und eine unbekanbnte Länge haben. Der Aufbau geschieht folgendermaßen:

- Länge bekannt: 
	kurz (1 Längenbyte)    => | 8-Bit=0 | 7-1-Bit Länge |
	lang (n Längenbytes)   => | 8-Bit=1 | 7-1-Bit n | + n Bytes 
- Länge unbekannt (1 Byte): => | 8-Bit=1 | 7-1-Bit=0 |

Bauen Sie in ASN.1. auf: Einen Konstruktortyp "Name" mit Nachname, Vorname, optionales Feld für weitere Rufnamen, Feld für Firma und Ort oder stattdessen eine Freischaffend-Markierungsfeld!

Name ::= SEQUENCE {
	Nachname	ISO64STRING,
	Vorname	ISO64STRING,
	WeitereVornamen ::= SET OF ISO64STRING OPTIONAL,
	Firma ::= CHOICE {
		Firma ::= {Name ISO64STRING, Ort ISO64STRING}, 
		Freischaffend	NULL
	};
};

Was versteht man unter einem Presentation Context?

Die Kombination aus einer Abstrakten Syntax (=Beschreibung der Datenstrukturen, von denen es mehrere als Alternativen geben kann, und einer Transfersyntax (=Format des Bitstroms, z.B. auch verschlüsselt oder komprimiert denkbar), von denen es ebenfalls mehrere geben kann. Am üblichsten ist die Kombination ASN.1 und die den Basic Encoding Rules zugewiesene Transfersyntax. Üblicherweise bietet die Anwendungsschicht ihrem Pasrtner eine ganze Reihe von Kontexti an und es wird ausgehandelt, welcher Kontext letztlich Verwendung findet. Dieser Kontext kann allerdings während einer Sitzung jederzeit geändert werden.

Zu was dient das Kontext Management?

Während einer Sitzung können zwei Partner ihre Kontexti ändern, z.B. vom einfachen Default-Kontext auf einen speziellen ASN.1-Kontext. Im Rahmen des Context Managements ist auch eine Context Restauration möglich, d.h. durch Rücksetzen einer Sitzung an einen Synchronisationspunkt wird auch der dort aktuelle Kontext wieder restauriert.

Warum existiert kein P-P-ABORTrequest, aber ein P-P-ABORTindication?

Ein P-P-ABORT ist ein Dienstprimitiv, der einer Darstellungsinstanz signalisiert, daß der Netzprovider zusammengebrochen ist, z.B. weil ein Kabel mechansich unterbrochen wurde. Einen solchen Unfall kann die Darstellungsschicht natürlich nur wahrnehmen (indication), aber nicht selbst verursachen (request).

Geben Sie den Protokollautomat des verbindungslosen P-Dienstes an!

P-UNITDATArequest			Idle		D-UNITDATAindication

Für die Transformation mittels der Encoding Rules der lokalen Präsenation in die globale Präsentation gibt es zwei Ansätze - welche?

- kompilierender Ansatz: Die Datentypen werden a priori kompiliert.

- interpretativer Ansatz: Die Datentypen werden ad hoc kompiliert.

8. Die Anwendungsschicht

Wie baut sich ein Service Application Object (SAO) auf? Wie werden diese verwaltet?

Ein SAO besteht aus einer Reihe von Association Application Elements (ASE), sowie einer Single Association Control Function (SACF), die die Steuerung der ASEs übernimmt. Praktisch in jedem Fall ist eine der ASEs das Association Control Service Element (ACSE), welches den Verbindungsaufbau und -abbau zum Peer-Entity übernimmt. Benutzt eine Anwendung mehrere SAOs gleichzeitig, z.B. weil sie mehrere Assoziationen aufrecht erhalten will, so wird in der Anwendungsinstanz zusätzlich noch eine Multi Association Control Function (MACF) benötigt, welche die SAFCs der einzelnen SAOs verwaltet.

Nennen Sie einige spezielle und allgemeine ASEs und erklären sie den Grund für diese Klassifizierung!

Als allgemeine ASEs bezeichnet man ASEs, die von anderen ASEs (i.d.R. spezielle ASEs) benötigt werden. Solche allgemeinen ASEs sind z.B. Remote Operations Service Element (ROSE), Association Control Service Element (ACSE), (Commitment-Concurrency-Recovery-Service Element (CCRSE), Reliabel Transfer Service Element (RTSE) und Transaction Processing Service Element (TPSE). Spezielle ASEs sind dagegen z.B. File Transfer, Access and Management (FTAM), Message Oriented Text Interchange System (MOTIS), Job Transfer Modell (JTM), Virtual Transaction Processor (VTP) und Remote Database Access (RDA). Übrigens: Jedes ASE kann über einen eigenen Kontext verfügen (den es auch noch während der Sitzung ändern kann)!

Unterschied des Application Layers zu allen anderen Schichten?

Der AL verfügt über keinen A-SAP, sondern muß den User-Applikationen über Application Programming Interfaces (APIs) Zugang zu den Diensten der ASEs oder der niedrigeren OSI-Schichten anbieten.

Der Anwendungskontext stellt was dar?

Zunächst ist der Anwendungskontext nicht mit dem Darstellungskontext identisch, obwohl er diesen wohl enthält. Der Anwendungskontext gibt vielmehr Auskunft darüber, welches ASEs wie kombiniert wurden. Ähnlich wie der Darstellungskontext kann auch der Anwenderkontext zwischen den Partnern ausgehandelt werden. Der Anwendungskontext für ROSE legt z.B. fest, ob dieser Service mit RTSE kombiniert wird oder nicht.

Wozu dienen die ASEs RTSE, CCRSE und TPSE und wie unterscheiden sie sich?

RTSE und CCRSE werden von Applikationen eingesetzt, die Transaktionen gegen Fehler sichern wollen. Es gilt: RTSE ist eine Teilmenge von CCRSE. RTSE kann eingesetzt werden, solange nur eine Assoziation gleichzeitig besteht. Eine Anwendungsinstanz mit mehreren SAOs benötigt das RTSE, um seine Transaktionen sichern zu können. RTSE benutzt immer das 2-Phase-Commit-Protokoll, während CCRSE mehrere Optionen anbietet. Noch umfassender als das CCRSE ist das TPSE. Es basiert auf Dialogen, die mehrere Transaktionen umfassen können und sich normalerweise innerhlab einer Assoziation abspielen (eine Assoziation kann aus mehreren Dialogen bestehen!), die aber notfalls auch Assoziations-Unterbrechungen und -Wiederaufnahmen unbeschadet überbrücken können. TPSE erlaubt außerdem den direkten Zugriff auf die Dienstprimitive der Session Layers.

Zeigen Sie den Protokollablauf einer Transaktion mittels des RTSE auf!

RT-OPENreq
		A-ASSOCIATIONreq
						A-ASSOCIATIONind
									RT-OPENind
									RT-OPENrsp
						A-ASSOCIATIONrsp
		A-ASSOCIATIONcfm
RT-OPENcfm

RT-DATAreq
		P-ACTIVITY-STARTreq
						P-ASind
		P-DATAreq
						P-DATAind
		P-MINOR-SYNCreq
						P-MSind
						P-MSrsp
		P-MScnf
		P-DATAind
						...
		...
		P-ACTIVITY-ENDreq	
						P-AEind
									RT-TRANSind
						P-AErsp
		P-AEcnf
RT-TRANScnf

PS: Die RT-Benutzerdaten dürfen nur maximal 255 Bytes umfassen, die in ASN.1 (oder einer anderen Abstract Syntax Notification) formuliert sind. Jeder Datentyp wird dann als einzelenes Packet mit anschließendem Minor-Sync-Point versendet.

Stellen Sie den CCRSE-Protokollablauf dar (2-Phase-Commit), wobei C-DONEreq verloren gehen soll!

C-BEGINreq(Daten)
(Phase 1)						C-BEGINind(Daten)
							Datenverarbeitung (Phase 1)
C-PREPAREreq
							C-PREPAREind
							C-READYreq (oder C-REFUSE)
C-READYind						(Phase 2)
C-COMMITreq
(Phase 2)						C-COMMITind
							C-DONEreq
Timeout	
C-COMMITreq
							C-COMMITind
							C-DONEreq
C-DONEind
							

Das 2PC-Protokoll kann - anwendungsabhängig - auf drei Arten eingesetzt werden - welche?

- zentral: Ein Koordinator regelt das Protokoll.

- hierarchisch: Koordinatoren pro Teilhierarchie.

- linear: Jeder ist Koordinator für seinen Nachbarn.

Beschreiben Sie die Architektur eines SAO für Remote Procedure Calls (RPCs)!

Für RPCs gibt es ein spezielles ASE, das RPC. Das RPC kann jeweils nur eine Assoziation verwalten. Argumente müssen ihm in ASN.1-Form übergeben werden, wobei Pointer verboten sind. Die Implementierung des RPC-Protokolls bestimmt die Semantik, wobei von der ISO "At-Most-One"- und "Exactly-Once"-Semantiken vorgesehen sind, nicht aber die "At-Least-Once"-Semantik. Das RPC-ASE benötigt die Dienste des allgmeinen Remote Operation Service Elements (ROSE). ROSE bietet veraschiedene Verbindungsklassen an, die synchrone RPC oder asynchrone RPC mit oder ohne Quittung ermöglichen. ROSE selbst wiederum sitzt direkt auf ACSE auf oder auf RTSE, welches ebenfalls ACSE benötigt.

Welche negativen Aspekte fallen Ihnen zu RPCs ein?

RPCs verbieten die Benutzung von Pointern als Argumenten. RPCs sind zeitaufwendig (Stub muß Argumente verpacken, es muß ein sinnvoller Zielort gefunden werden, die Daten müssen übertragen werden, ...) RPC können nicht auf globale Variablen zurückgreifen, es sei denn solche sind durch VBS irgendwie realisiert worden. Besonders aufwendig sind RPCs, wenn sie asynchron arbeiten, wobei in diesem Fall u.U. auch auf eine Antwort des Servers verzichtet werden kann. Unschön ist, daß RPCs nach dem Client-Server-Prinzip arbeiten, also im asymmetrischen Request-Reply-Modus, der nicht zu OSI paßt. Ebenso ist bes ein grober Designfehler im OSI-Modell, daß Broadcasts nur bis in Schicht 2 möglich sind; ab Schicht drei müssen die Instanzen explizit adressiert werden.

Geben Sie im Zusammenhang mit RPCs einen kurzen Kommentar ab zu den Gebieten Argumentformat, Bindung, TP, Ausnahmenhandling, Aufrufsemantik, Präsenation , Sicherheit und Leistung!

Die Argumentform ist bei RPCs fast ausschließlich by-Value und nie by-Reference, da zweitere unüberbrückbare Probleme mit sich bringt. Das Problem der Bindung beschägtigt sich damit, wie der Client den richtigen Server finden kann. Hier gibt es zahlreiche Modelle, wie Server Adressen zentral verwalten oder selbt Anfragen stellen. SUN RPC z.B. benutzt einen Port-Nummern-Server, der auf Broadcasts reagiert. Ausnahmen sind Waisen-Entstehung und Client-Abstürze, die i.d.R. über Timer registriert werden. Die Semantik der Aufrufe fließt in die Fehlerbrehandlung mit ein. Wir unterscheiden idempotente Aufrufe, die eine "mindestens einmal"-Semantik vertreten, und non-idempotente Aufrufe, die eine "höchstens einmal"Semantik vertreten. Um sicherzustellen, daß die Antwort zur richtigen Abfrage gehört, generiert SUN RPC einen Zufallszahl als Identifikator. Eine genormte Datenrepräsentation ist in heterogenen Netzen besonders wichtig, so besteht TCP z.B. das Big-Endian-Format und OSI räumt über ASN.1 beliebige Alternativen ein, die jedoch über Tags vorher angekündigt werden müssen. Zur Sicherheit und Leistung läßt sich nur bwemerken, daß hier erhebliche Einbrüche zu bemerken sind; es ist also zu überlegen, das RPCs so selten als möglich stattfinden sollten, daß also lokalen Aufrufen eine Priorität zu geben ist.

Warum benötigt FTAM ein Virtual File Storage Model (VFSM)?

Dateiverwaltungssysteme (DVS) sind komplexe Programme, die sehr differente Ausprägungen aufweisen. Um Dateien von einem System A auf ein anderes System B übertragen bzw. Manipulationen an Dateien des System Bs vornehmen zu können, bedarf es einer SW, welches dem User eine für beide DVS gültige, einheitliche Oberfläche anbietet. Eine solche Oberfläche wird durch FTAM garantiert, welches seinerseits auf einem VFSM aufsitzt, welches die FTAM-Dienste auf die lokalen DVS-Dienste anpaßt.

Was versteht man unter FADUs?

FADUs sind File Access Data Units. Sie bestehen aus Knotennamen und Data Units, wodurch im VFSM von FTAM Dateien beschrieben werden. FTAM kann immer nur auf ganze FADUs zugreifen, wobei die größte FADU die ganze Datie umfaßt und die kleinste FADU i.d.R. einen Datensatz samt Datensatzknoten. Auf ein einzelnes Datensatzfeld kann FTAM also nicht zugreifen, obwohl in der Sitzungsschicht die Größe häufig Verwendung findet. Die Struktur einer jeden FADUs wird in den der Datei zugewiesenen Attribute beschrieben. Dort wird auch vermerkt, welche Zugriffsmöglichkeiten für wen pro FADU bestehen.

Was versteht man unter Regimes und welche FTAM-Regimes kennen Sie?

Ein Regime ist eine Periode, innerhalb der bestimmte Teile eines Application Context gelten. Und im Gegensatz zu Phasen können Regimes geschachtelt sein. Im Falle von FTAM gibt es folgende Regimes (plus einigen F-Dienstprimitiven):

FTAM			: INITIALIZE, TERMINATE, ABORT
File Selection : (DE)SELECT, CREATE, DELETE, READ/WRITE ATTRIBUTES
File Open		: OPEN, CLOSE, ERASE, ...
File Transfer	: READ, WRITE, DATA, DATA END, TRANSFER END, ...

Der File Transfer Regime-Dienstprimitive F-CHECK wuird z.B. nicht auf ACSE abgebildet, sondern direkt an den Presentation Layer weitergegeben, der ihn unverändert auf den Session Layer durchreicht.

Welche FTAM-Einschränkungsmengen (Standardstruktur-Klassen) kennen Sie?

Es gibt die EMs unstrukturierte Dateien (nur Wurzel ohne Namen), sequentiell-flache Dateien (Wurzel ohne Dateneinheit und nur eine Ebene tief), geordnet-flache Dateien (wie vorher, aber Dateneinheiten logisch geordnet), geordnet-flache Dateien mit eindeutigen Namen (wie vorher, nur Schlüssel als Wurzelbezeichner), geordnet-hierarchische Dateien (Dateien-FADU-Hierarchie über mehrere Ebenen), und hierarchische Dateien mit eindeutigen Namen (wie vorher, nur mit Schlüsseln als Wurzelbezeichner).

Beschreiben Sie kurz die MOTIS-Architektur!

Das MOTIS wird durch die Message Handling Environment (MHE) repräsentiert. Die MHE besteht aus den Usern und dem Message Handling System (MHS, 2.Teilschicht). Das MHS besteht aus den User Agents (UAs) mit ihren Telex- und Telematik-Diensten und dem Message Transfer System (MTS, 1.Teilschicht). Nachrichten werden an die UAs im Interpersonal Message Format (IMF) übergeben, welches aus dem Umschlag plus dem Kopf und dem Rumpf besteht. UAs können als Server im LAN vorliegen (bei Terminalgebrauch) oder direkt in die Workstations integriert sein. Das MTS setzt sich aus den vernetzten Message Transfer Agents (MTAs) zusammen, die Nachrichten anhand des Umschlags nach dem Store-and-Forward-Prinzip übertragen können. Für die Store-and-Forward-Übertragung müssen MTAs auf das ASE RTSE aufsitzen. MTS können über Administrative Management Domains (ADMDs) oder Private Management Domains (PRMDs) addressiert werden, wobei über Ländergrenzen hinweg stets ADMDs Verwendung finden.

Welche Protokolle finden beim MHS Verwendung?

P1: Kommunikation zwischen Message Transfer Agent (MTA) und MTA.
    Benutzt Transportprotokoll der Klasse 1, ist also unsicher.
P2: Interpersonal Kommunikation zwischen User Agent (UA) und UA.
    Hier sind auch andere Protokolle denkbar, z.B. EDI.
P3: Kommunikation zwischen MTA und Service Data Entity (SDE) im PC.
    Benutzt ROSE und gilt daher als sicher.
P7: Kommunikation zwischen UA und Message Store (im MTA).

MOTIS und Multicasts - was fällt Ihnen dazu ein?

MOTIS erlaubt Multicasts. Dabei wird nach der Strategie gefahren, die Kopien erst im LAN vor Ort zu aktivieren, um so Bandbreite einsparen zu können. Am Zielort wird der Rechner also dazu vernanlaßt, Kopien zu erzeugen und diese an die Multicast-Ziele zu versenden.

UAs werden auch für andere Anwendung als X.400 benutzt. Nennen Sie ein Beispiel!

UAs werden auch verwendet, um IBM-Rechner an OSI-Netze anschließen zu können. Aufgabe der UAs ist es, mit der IBM-typischen PROFS-Oberfläche kommunizieren zu können, nach unten hin aber die OSI-Schichten anzubieten. Da IBM i.d.R. Datex-P, also das sichere X.25-Protokoll, benutzt, kann die Transportschicht von niedriger Klasse sein.

Beschreiben Sie die O/R-Adresse bzw. den O/R-Namen!

Applikationen identifizieren sich in eindeutiger Weise über P-SAPs (A-SAPs gibt es bekanntlicherweise nicht). Ein solcher P-SAP setzt sich zusammen aus einem P-Selektor, einem S-Selektor, einem T-Selektor und einer weltweit eindeutigen N-SAPid (=DEE-Adresse). Der O/R-Name beschreibt, wer der Adressat ist, ist also im Prinzip ortsunabhängig, wegen seinen hierarchischen Aufbaus aber i.d.R. ortsabhängig. Die O/R-Adresse entspricht dem P-SAP und beschreibt, wo der Adressat zu finden ist. Verzeichnis-Server übernehmen die Aufgabe, O/R-Namen auf O/R-Adressen abzubilden, wobei sie auf riesige Tabellen zurückgreifen müssen, da die Ortsunabhängigkeit der O/R-Namen eine "Berechnung" der O/R-Adressen verhindert.

Mit welchen Modellen wird der Verzeichnisdienst beschrieben?

Mit dem (1) Informationsmodell (Struktur des VDBS mit den lokalen Replikationen=Caches), dem (2) funktionalen Modell (Protokolle zwischen Directory Service Agents und Directory User Agents), dem (3) Organisationsmodell (Zutändigkeiten für Directory Service Agents und Directory User Agents), und dem (4) Sicherheitsmodell (Zulassungen).

MAP gibt es auch in einer Mini-Ausführung. Beschreiben Sie diese kurz!

MAP Enhanced Performance Architecture (EPA) verzichtet auf die Schichten 3 bis 6 und benutzt statt LCC Typ 1 LCC Typ 3, welches der bestätigte Datagramm-Dienst ist, wobei die Sendung der ACKs ohne Frei-Token des Token-Busses erfolgen kann. EPA erlaubt nicht die Verwendung von Bridges, ermöglicht keine Segmentierung (Scghicht 3 und 4 fehlen ja), und es kann auch nicht mit dem "großen" MAP kommunizieren. Wie MAP benutzt es aber auch die Manufactoring Message Specification (MMS), um damit Maschinen über das Netz steuern zu können (mittels Semaphore- und Ereignis-Verwaltung über einen speziellen MMS-Server).

Über welche SW können SQL-Statements in heterogenen Netzen und DBS eingesetzt werden?

Remote Datasbase Access erlaubt die Versendung von SQL-Statements in Offenenen Systemen. Die Statements werden in ASN.1 formuliert, daher ist es unwichtig, wie die DBMS physikal. organisiert sind. Auf diese Weise kann über SQL ein hierarchisches DBS abgefragt werden, sofern die Kommunikation über zwei Instanzen von RDA abgewickelt wird. Bsp. für die ASN.1-SQL-Statement-Definition:

SQLDBLStatement::=CHOICE{
	sqlDataStatement [0] IMPLICIT SQLDataStatement,
	sqlSchemaStatement [1] IMPLICIT SQLSchemaStatement
};
SQLDataStatement::=SQLSchemaStatement::=IA5String -- spez. ISO-Def.

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