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Informationstechnik-Sammelsurium

von Daniel Schwamm (07.06.1994 bis 01.08.1994)

Aus "Heimat des Dilettantismus"
http://www.henrys.de/daniel/index.php?cmd=texte_informations-technik-1.htm
nach Niedereichholz-Seminare/-Vorlesung (SS92, WS93/94)

I. IT-Seminar SS92

1. Standardisierungsprozesse in der Datenkommunikation

2. AS/400 und RS/6000 als Highend-Server-Systeme

3. Datenkommunikation in der Fertigungsautomation

4. JIT-Production auf Basis standardisierter Austauschformate

5. Datenkommunikation im Bankbereich

6. Externe Datenkommunikation im Bankbereich

7. Datenkommunikation unter Einsatz von ISDN

8. Ergonomie von Benutzerschnittstellen

9. Trends zur Standardisierung von Schnittstellen

II. IT-Seminar WS93/94

1. Client/Server-Modell für Rightsizing

2. Leistungskennzahlen für DVS

3. Übersicht und Vergleich von DB-Servern

4. Multmediale Informationssysteme

5. Die Organisation der Informationsverarbeitung in Unternehmen

III. Vorlesung IT I: Marktposition von IBM

1. Marktangebote: Beispiel IBM

2. Lebenszyklus der 370-Serie

3. Lebenszyklus ausgewählter Modellreihen: Beispiel 3090

4. Aktuelle Host-Produktpalette: ES/9000

5. Plug Compatible Manufactures (PCM): Beispiel Amdahl

6. Proprietäre Betriebssysteme: MVS, VSE und VM

7. UNIX-Orientierung bei IBM: AIX-Familie und OSF

8. AS/400-Familie

9. System-Anwendungs-Architektur

10. RISC-Workstation-Server: RS/6000

IV. Vorlesung IT II: Wirtschaftlichkeit - IT im Wandel

1. Down-/Rightsizingbestrebungen

2. Client-/Server-Architektur

3. Traditionelle Organisation der Datenverarbeitung

4. Outsourcing

5. Rechenzentrum-Stillegung.

6. Informationstechnik und Organisationsentwicklung

7. Informatik: Shooting-Star oder bald Poor-Dog?

8. Die Position von Nicht-IBM-Anbietern.

V. IT-Aktuell




I. IT-Seminar SS92

1. Standardisierungsprozesse in der Datenkommunikation

(1) Problemstellung: Informationen sind für Unternehmen wichtig geworden als Produktionsfaktoren. Der Informationaustausch erfolgt über Kommunikationssysteme. Kommunikationssysteme kommunizieren untereinander auf Basis von Protokollen. Damit zwei Protokolle von zwei heterogenen Systemen miteinander Informationen austauschen können, müssen sie standardisiert werden.

(2) ISO/OSI-Referenzmodell für offene Systeme: Dieses Modell bildet die strukturelle Basis für standardisierte Protokolle. Ziel ist es, die einzelnen Schichten voneinander zu entkoppeln, um jede für sich Standardisieren zu können.

(3) Standardisierungsgremien: ISO, ANSI, DIN, IEEE, ECMA, IEC, CCITT. Die Protokolle werden jeweils von Technical Commitees (TCs) gebildet.

(4) Politik: Am Standardisierungsprozeß sind Anwender und Hersteller gleichermaßen interessiert, was diesem Prozeß einen eher politischen, als sachlichen Charakter gibt. Wenn auch bis zu einem gewissen Grad Markt-Mechanismen berücksichtigt werden müssen, finden die Gremien häufig statt einfacher Lösungen faule Kompromisse.

(5) Die Apokalypse der zwei Elefanten: Clark zeigt, daß der Zeitpunkt der Normung nicht zufällig ist. Er liegt im Aktivitätstal zwischen der Forschung (erster Elefant) und der Milliarden-Dollar-Investition (zweiter Elefant). Liegen diese Aktivitäten zu nahe beieinander, kommt es zur Apokalypse, d.h. die Normung dazwischen wird quasi zerquetscht und kann nicht korrekt ausgearbeitet werden.

(6) Beispiele für faule Kompromisse beim ISO/OSI-Referenzmodell: Die IEEE mußte drei Vorschläge in Schicht eins und zwei unter einen Hut bringen, nämlich Ethernet, Token-Ring und Token-Bus. Auch in Schicht drei und vier wurde ein fauler Kompromiß geschlossen, da neben verbindungsabhängiger auch verbindungsunabhängige Kommunikation ermöglicht wird.

2. AS/400 und RS/6000 als Highend-Server-Systeme

(1) C/L-Architektur: Standards fehlen in diesem Bereich noch weitgehen, obwohl diese Architektur als die Prozeß-Kommunikations-Architektur der Zukunft gilt. Bereits jetzt hält sie 40% des Geschäfts der Systemintegratoren.

(2) Midrange-Markt: Dieser Markt betrachtet vernetzte PCs, kleine Hosts und Midframes wie die AS/400 und Highend-Workstations wie die RS/6000. Mit 41% Marktanteil führt die AS/400 das Segement an - wohl vor allem aufgrund des riesigen Standard-SW-Angebots -, doch das Volumen des Midrange-Marktes insgesamt geht zurück. Grund dafür ist die fehlende Offenheit der meisten Midrange-Systeme.

(3) AS/400: Dieser Rechner von IBM ist proprietär. Ihr objektorientiertes Betriebssystem OS/400 verschließt sich gegenüber heterogenen Welten. Noch wächst der Marktanteil der AS/400, jedoch hat auch IBM die Zeichen der Zeit erkannt, und versucht nun, die AS/400 zu öffenen und als Highend-Server für LANs plazieren (als ein C/L-Backend-System). Ihr bisheriger Erfolg beruht im wesentlichen auf ihr enorm großes Standard-SW-Angebot.

(4) RS/6000: Dieser RISC-Rechner von IBM verfügt über die POWER-Technologie und Microchannel-Architektur. Der Prozessor ist geteilt in Subprozessoren, als Benutzeroberfläche wird OSF/Motif angeboten und Betriebssystem ist AIX - die RS/6000 setzt also auf Offenheit. Das scheint sich zu lohnen, denn im hart umkämpften Workstationsmarkt besitzt sie bereits einen Marktanteil von 12%, wobei sich ihr Produktlebenszyklus noch in der Wachstumsphase befindet.

3. Datenkommunikation in der Fertigungsautomation

(1) Fertigungstechnologie-Automatisierung: Schlagworte in diesem Bereich sind NC, CNC, DNC, Roboter, Lagersysteme, dedizierte Steuerungssysteme (kommen nur mit Eckdaten aus) und fahrerlose Transportsysteme.

(2) Fertigungstechnologie-Flexibilisierung: Schlagworte in diesem Bereich sind Bearbeitungszentrum, flexible Fertigungszellen und flexible Fertigungssysteme (FFS).

(3) Offene Kommunikation zwischen CIM-Bausteinen: CAM, CAP, CAD, CAQ, PPS. Alle diese Bausteine von CIM müssen miteinander kommunizieren. So werden z.B. die CAD-Daten beim CAM für die DNC-Maschinen benötigt. Die offene Kommunikation wurde bisher noch nicht stark genug standardisiert.

(4) Offene Kommunikation über die Hierarchieebenen hinweg: Natürlich muß eine offene Kommunikation in Produktionsbetrieben nicht nur zwischen den CIM-Bausteinen stattfinden, sondern auch zwischen den einzelnen Ebenen.

(5) Offene Kommunikation-Probleme: Wie erwähnt, lassen Standards bei der offenen Kommunikation noch auf sich warten. Weitgehen wird auf herstellerspezifische Einzellösungen zurückgegriffen, was aber der CIM-Philosophie von der generellen Integration der Produktionsstufen widerspricht.

(6) MAP: Ein von General Motors initiiertes Fertigungs-Kommunikations-Protokoll mit Standard-Status. Es bietet für die Endbenutzer u.a. die Highend-Benutzeroberfläche API (Application Programm Interface), und läßt sich auch als Mini-MAP konfigurieren. Der bisherige Erfolg dieses Echtzeit-Kommunikationssystems auf Basis des Token-Busses wird sich wohl positiv auf seine weitere Durchsetzung am Markt auswirken.

4. JIT-Production auf Basis standardisierter Austauschformate

(1) Motivation: Die Dynamik des Marktes wächst, die Produklebenszyklen werden kürzer. Das verlangt eine neue Beschaffungs- und Fertigungs-Philosophie, wie sie JIT anbieten kann.

(2) JIT-Konzept: JIT bedeutet Beschaffung, Produktion und Zulieferung auf Abruf, wobei wesentlich kundenorientierter vorgegangen werden kann. Durch produktionssynchrone Lieferung kann auf teure Lagerhaltung verzichtet werden, wodurch die Fertigung allerdings zu einer zeitkritischen Sache wird - eine effiziente Ablauforganisation ist dafür eine notwendige Voraussetzung. Es müssen sog. Regelkreise geschaffen werden, wobei hier der Materialfluß stets dem Informationsfluß entgegenläuft.

(3) Branchenstandards: Um den freien Fluß der Marktkräfte ging es wohl bei der Schaffung von Standards im Bereich JIT. Jeder Lieferant sollte mit jedem Unternehmen auf Basis dieser Standards in Kommunikation zwecks JIT treten können. Als Standards für einzelnen Branchen haben sich durchgesetzt: VDA für die Automobilindustrie mit Fein-/Grobabrufen, SWIFT im Bankbereich und SEDAS im Handel.

(4) EDI auf Basis von EDIFACT: Im Verwaltungsbereich hat sich dieses Austauschformat für Informationen branchenübergreifend durchgesetzt, vor allem in Großserien-Produktionen.

(5) Bewertung: Die JIT-Standards sind derzeit nicht branchenübergreifen konzipiert, was ihre Funktionalität, ihre Offenheit einschränkt. EDIFACT dagegen ist in allen Branchen einsetztbar, allerdings für den Preis, daß es dadurch sehr umfangreich geworden ist.

5. Datenkommunikation im Bankbereich

(1) Anforderungen an die Kommunikationsdienste im Bankbereich: Die Dienste müssen in erster Linie mit sehr großen Datenmengen fertig werden können, wie sie u.a. bei allen Zahlungsvorgängen anfallen. Außerdem müssen sie transaktionsorientiert sein, damit keine katastrophalen Inkonsistenzen auftreten können.

(2) Kommunikationssysteme in Kreditinstituten: Nach Untersuchungen weiß man, daß über 80% der Kommunikation von Kreditinstituten Inhouse-Kommunikation ist. Dies verlangt die Installierung ausgereifter KS innerhalb der Institute und außerhalb zu ihren Filialen. Wie z.Z. überall, wird auch hier auf offene System gesetzt, nicht zuletzt deswegen, da dann das interne KS auch als externes KS dienen kann.

6. Externe Datenkommunikation im Bankbereich

(1) Datenkommunikation zwischen Bank und Kunden: Die Bedeutung der IT wächst, die Internationalisierung wächst und die Dynamik der Märkte wächst. Daraus ergibt sich eine Änderung des Anforderungsprofils der Kunden, die von Banken entsprechend berücksichtigt werden müssen.

(2) Electronic Banking im Privatbereich:

- automatisierte Schalter: I.d.R. nur Geldausgabe und Kontoausdruck.

- Point of Sale-Banking: Inline/offline Computerkassen im Handel über Transaktionsverwaltungssysteme.

- Home Banking (Telebanking): Informationseinholung und Überweisungen von zuhause aus über Telefon und BTX.

(3) Electronic Banking im Firmenbereich:

- Datenaustausch im Zahlungsverkehr: Periodisch Massendaten von Subinstituten erhalten.

- Cash Management Systems: Unterstützung zeitkritischer Finanzierungsdaten. Ermöglicht die Entscheidung von Finanzplänen.

(4) Kommunikationsstandards: Hierunter fallen öffentliche Netze (Telefax, Datex P/L, BTX), internationale Netze (MARK III, Tymnet), Standards wie SWIFT (Bank) und FTAM, sowie Kunden-Bank-Kommunikations-Standard-SW über BTX/Datex-P wie Muticash.

(5) Trends: ISDN und Datex-J wird BTX und Telefon verdrängen.

7. Datenkommunikation unter Einsatz von ISDN

(1) Motivation: Integration von Diensten auf nur einem Medium mit einheitlichem, digitalem Übertragungsverfahren.

(2) Technische Aspekte: Zur digitalen DÜ sind FM, AM und PCM-Methoden relevant. Die dadurch erreichte Kanalzuteilung für rein digitale Daten sieht in ISDN folgendermaßen aus: B-Kanal=64 kbits (orientiert sich am öffentlichen Netz mit einer Abtsastrate von 8 kHz a 8 bit), D-Kanal=16 kbits für Out-of-Band-Signalling. Ein Primärmultiplexanschluß erlaubt die Zusammenschaltung von B-Kanaälen für bis zu 1920 kbits. ISDN bietet Teledienste, kann multifunktionale Endgeräte über eine Nummer ansprechen, ist an LANs anschließbar. Für die Zukunft ist B-ISDN vorgesehen, das wesentlich größere Datenraten zur Verfügung stellt.

(3) Betriebswirtschaftliche Aspekte: ISDN kann virtuelle Oberflächen in stark arbeitsteiligen Betrieben schaffen. Es stellt JIT-Anrufer-Checks zur Verfügung. Es bringt relativ wenig neues, verbessert aber heutige Systeme. Die Installation macht 130 DM, die Miete 74 DM; bei Primärmultiplexanschluß 200 + 5180 DM. Aber ISDN lohnt sich weniger organisationsintern, als vielmehr bei großen Entfernungen, sofern dabei die volle Datenrate genutzt wird.

(4) Resumee: Die Integration auf einem Netz funktioniert nicht vollständig. ISDN ist aber ein gutes Diversifikationselement. Bei einer weiteren Verbreitung gewinnt es deutlich an Zugkraft, bisher verkauft es sich jedoch nur in der BRD gut.

8. Ergonomie von Benutzerschnittstellen

(1) SW-Ergonomie: Ergonomie ist die Lehre von der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. Sofern sich diese Komunikation auf die Schnittstelle bzw. Benutzeroberfläche beschränkt, kann von SW-Ergonomie geredet werden. Die SW-Ergonomie erlangt sehr große Bedeutung für neue ITs durch ihre akzeptanzfördernde Wirkung.

(2) Probleme der SW-Ergonomie: Lange Zeit mußten sich die Menschen an die Maschinen anpassen, doch dies ist heute umgekehrt. Die Experten allerdings, die die Maschine an den Menschen anpassen sollen, sind häufig mit Expertenblindheit geschlagen oder benutzen zeitraubende Trial-and-Error-Verfahren zur Findung geeigneter Schnittstellen. Besser wäre es, wenn sie von vorneherein die ergonomischen Gestaltungsgesetzte berücksichtigen würden.

(3) Ergonomische Gestaltungsgesetze: Die EDV-Systeme/Dialogkomponenten sollten in sich geschlossen, leicht steuerbar, erwartungskonform, fehlerrobust und von guter, ordentlicher Gestalt sein. Sie sollten sich selbst erklären können und raumzeitliche Nähe durchgehend aufrechterhalten.

(4) Interaktionstechniken: Prompting (MSDOS) < kommandoorientiert < Abfragesprache < systemgeführt < Menüsystem < Formulardialog < direkte Manipulation (objektorientiert).

(5) Hilfssysteme: Sind statisch, wenn sie nur unveränderliche System-Eigenschaften aufzeigen. Sie können kontext-sensitiv sein, individuell auf den Anwender zugeschnitten und passiv (Benutzer muß Fragen) oder aktiv (Benutzer wird automatisch informiert) sein.

(6) Zukunft: Der Trend geht zu einer objektorientierten Oberfläche für alle anstehenden Arbeiten. Realisiert wird dies wie im User-Agent-Concept, wo der genormte Agent dem Benutzer und seinen individuellen Instrumenten zwischengeschaltet ist.

9. Trends zur Standardisierung von Schnittstellen

(1) Allgemeiner Hinweis: Die Standardisierung von Schnittstellen betrifft in erster Linie Graphical User Interfaces (GUIs); Ausnahme bildet das umfassendere SAA-Konzept von IBM. Durch geeignete GUIs möchte man eine Look & Feel-Empfindung beim Anwender erzeugen. Wichtig ist dazu physische, syntaktische und semantische Durchgängigkeit der Schnittstelle.

(2) Kritik der Standards: Positiv daran zu sehen sind die kürzere Einarbeitungszeit, kürzere Entwicklungszeit, der Investitionsschutz für den Anwender, die Herstellerunabhängigkeit und die Chancen, die sich dadurch für Nischen-Produzenten ergeben. Nachteilig an Standards sind dagegen ihre innovationsbremsende Wirkung. Außerdem sind sie politische Produkte und meist sehr komplex, weil sie alle Wünsche berücksichtigen müssen.

(3) PC-GUIs: WINDOWS, das inzwischen den Status eines de-facto-BS besitzt. Für die Zukunft gibt es WINDOWS-NT. Im professionellen Bereich dominiert der OS/2-Presentation Manager, der den SAA-Richtlinien folgt und damit den ersten SAA-Common User Access darstellt.

(4) UNIX-GUIs: NeWS von SUN gibt es hier, aber v.a. auch den X11-Standard vom MIT. X11 ist eigentlich mehr als ein GUI; den GUI-Part spielt der Window Manager. In Amerika gibt es den Standard Open Look von AT&T und SUN, während in Europa OSF/Motif als SAA-CUA vorherrscht.

(5) SAA: Die Heterogenität der eigenen Produktpalette zwang IBM zum System Application Architecture-Konzept, daß für ihre Produkte gemeinsame Richtlinien ins Leben rief. SAA umfaßt das Common Programming Interface (CPI) für Standard-Programmiersprachen (C, FORTRAN, COBOL, DB2, SQL, PL1), den Common Communication Support (CCS) für genormte DÜ-Protokolle (SNA, OSI, DIA-Dokumentenaustausch) und den Common User Access (CUA) für systemübergreifende, proprietäre Schnittstellen. Unter dem SAA-Standard laufen dann alle SW-Produkte von IBM als Common Applications.

(6) Ausblick: Offene Systeme wie X gewinnen in Zukunft am Markt; welches GUI, Open Look oder OSF/Motif, bleibt abzuwarten. Das SAA-Konzept-Durchführung erweist sich als äußerst schwierig, zumal auch sein proprietärer Charakter übel beim Kunden aufstößt (u.a. fehlte lange Zeit ein TCP/IP-Anschluß). IBM hat dies erkannt und die Open Enterprise-Strategie ins Leben gerufen, die über AIX den Anschluß an die offene UNIX-Welt sucht. Bleibt abzuwarten, ob Big Blue damit nocheinmal den Kopf aus der Schlinge ziehen kann.

II. IT-Seminar WS93/94

1. Client/Server-Modell für Rightsizing

(1) Abgrenzung: C/L bedeutet nicht offene Kommunikation, nicht eine spezielle Art von HW-Konfiguration und nicht verteilte (Betriebs-)Systeme. C/L bedeutet eine Kommunikationsarchitektur, bei dem ein Server-Prozeß Dienste für Client-Prozesse erledigt.

(2) Umsetzung in die Praxis: OSF/DCE (ein verteiltes, offenes C/L mit RPC-Facility in heterogenen Netzen), X11 und die klassische C/L-SW Netware von Novell.

(3) Unternehmungswirkung: Rückrat für Rightsizing-Projekte. Rightsizing bedeutet erst Downsizing soviel wie möglich und dann neu strukturiertes Upsizing (Integration) so weit wie nötig.

(4) Tendenzen: "Network is the Computer". Das Rightsizing läuft auf eine unternehmensweite Integration aller Systeme hinaus.

(5) Mögliche Serverleistungen: Disk-, DB-, File-, Präsentations-, Druck-, Name-, Directory-, Mail- und Retrieval-Server.

2. Leistungskennzahlen für DVS

(1) Beurteilung von DVS: Sinnvoll zur Entdeckung von Engpässen. Dient auch zum Vergleich von alternativen DVS.

(2) Prozessor-Leistungsmaße: MIPS, MOPS (Million Operations Per Second), FLOPS und mittlere Befehlszeit.

(3) Speicher-Leistungsmaße: Bytezahl, Dichte = bit/Zoll, Zuverlässigkeit = Fehler/bit und Übertragungsrate = bit/s.

(4) System-Leistungsmaße: Durchsatz, Kapazität und Auslastung.

(5) Benchmarks: Drystone und SPECmarks, sowie Harmonics von PC Bench.

(6) Beurteilung der Benchmarks: Bieten nur eine Detailsicht. Bei rekursiven Programmen sind RISCs ggü. von CICS im Vorteil und durch die Standardisierung der Benchmarks kommt es zu Manipulationen, so daß langsame Rechner bei den Benchmarks zaubern können.

3. Übersicht und Vergleich von DB-Servern

(1) Architekturwandel von DBS: C/S-Konzepte gestattet (transparente) verteilte DBS mittels DBMS-Server.

(2) DB-Server: Nicht mehr Host-basiert Architektur-Potential. Können File-Server zusammen mit SQL-Server sein, die in VDBS Verwendung finden werden.

(3) Leistungsmessung von DB-Servern: Interoperabilität (transparente Kommunikation zwischen heterogenen Systemen), Datenintegrität, Sicherheit, Transaktionsverwaltung, Optimizer und Benchmarktests stehen zur Verfügung.

(4) Systeme am Markt: ORACLE bietet DB-Server.

4. Multmediale Informationssysteme

(1) Prozessor-Änderung: Neben normalen CPUs gibt es für Multimedia auch dedizierte Singnalpropzessoren (DSP) z.B. für die (De-)Kompression von Daten in Echtzeit.

(2) Sonstige Systemänderungen: Optische Speichermedien sind die multimedialen Speicher der Zukunft. Das BS muß Tondaten zeitkritischer bearbeiten können als Bildinformationen. Rechner sind über HS-LANs zu verkabeln, z.B. FDDI.

(3) Kompressionsverfahren: JPEG, MPEG und ganz neu FIF (Fractal Interchange Format; beruht auf Selbstähnlichkeit).

(4) Dokumentations-Architekturen: Relevant nur Open Document Architecture (ODA).

(5) Anwendungsgebiete: Hypertext- bzw. Hypermedia-Systeme, z.B. zur Mitarbeiter-Ausbildung einsetzbar. Weitere Märke: Point of Info, Point of Sale, elektronische Kioske, Personal Home Video und Info-Highways.

5. Die Organisation der Informationsverarbeitung in Unternehmen

(1) IV und IM: IV ist der Nachfolger der klassischen DV. Da Informationen als Produktionsfaktor gelten, wurde das IM für die IV eingerichtet, welches die strategische, administrative und operationale Zielsetzung und Zieldurchsetzung vornimmt.

(2) Integration der IV im Unternehmen:

- Anforderungen: Structure follows Strategy (oder umgekehrt). Standards sind zu beachten, genauso der Standort, die Flexibilität, die Akzeptanz und die Wirtschaftlichkeit der neuen IT.

- Auswirkungen: Wirkt sich auf die IDV aus, auf Lean-Bestrebungen, d.h. auf die Hierarchie, und auf die Qualifikationsstruktur.

- Strukturmodelle: Wahl zwischen funktionaler, objektorientierter Integration oder Projekt-Matrizen.

(3) Problematik: Mehr politisch als sachliches Vorhaben. Akzeptanz schwierig erzeugbar. Kontrolle kann mißbraucht werden. Face-to-Face-Kommunikation ist persönlicher. Die Wirtschaftlichkeit ist weniger von der Leistung der DVS abhängig, als von den Managern, die sie einführen.

III. Vorlesung IT I: Marktposition von IBM

1. Marktangebote: Beispiel IBM

IBM bietet folgende Produktpaletten an:

(1) PS-Systeme: Anfang der 80er kam der PC heraus, der sich in die PS/1- und PS/2-Serie aufspaltete.

(2) RISC-Systeme: Ende der 80er brachte IBM die RS/6000 heraus.

(3) Basis-DVS: Die S/360 und S/380 wurde mitte der 80er abgespeckt zur proprietären Midframe AS/400.

(4) Mainframes: Die S/360 kam Anfang der 70er auf den Markt, entwickelte sich bis 1972 zur S/370 weiter, die sich dann bis zu den 90ern in die S/390 und die 9000er-Familie aufspaltete.

(5) Prozeßrechner: Als Prozeßrechner bietet IBM seit 1976 die S/1 an.

(6) Fehlertolerante Systeme: Als Fault Tolerance System führt IBM seit den frühen 80ern die S/88.

Informelles: Bei dieser umfangreichen Produktpalette blickt kaum noch ein Kunde durch, v.a. weil es auch Unmassen von SW und HW zu jeder Variante gibt, die untereinander nicht kompatibel ist. Aus diesem Grund entwarf IBM 1987 das SAA-Konzept (siehe später), nichts zuletzt, weil IBM Personal abspecken mußte - von 400.000 Mann auf 200.000 Mann, was aber relativ einfach ging, weil IBM-Leute begehrt sind. Auch ihre ethischen Werte mußte IBM abspecken: So verkaufen sie heute ihre Anlagen an jeden und arbeiten z.T. sogar mit den Japanern zusammen! Eine Rettung durch Einrichtung von Profit-Centers erschwert das SAA-Konzept. Aber gerade die Vielfalt der Angebote und der Service den IBM leistete, um ihre Produkte zu warten, dieses einzigartige Vermarktungkonzept, erklären den Erfolg von IBM.

2. Lebenszyklus der 370-Serie

Die S/370 von 1970 basiert auf dem Vorgänger S/360, besitzt aber ein eigenes Architekturprinzip. Dieses wurde zwar erweitert, jedoch wurde parallel dazu 1985 eine XA-Architektur von besonderem Status kreiert: Die IBM 3090. Diese Mainframe wurde dann bis Anfang der 90er zur ESA-Architektur aufgepeppt, die über einen Adreßraum von 48 Bit verfügt und durch das Modell ES/9000 repräsentiert wird. Die 64-Bit-Architektur-Erweiterung wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Informelles: Architekturen sind nicht mit der Technologie gleichzusetzten. Bei gleichem Chipsatz sind verschiedene Architekturen denkbar (und umgekehrt). Die diversen Architekturen (z.B. XA=eXtended Architecture; ESA=Enterprise System Architecture) sind nur aufwärtskompatibel, nicht abwärtskompatibel. Dabei mußte sich jeweils das I/O-System stark ändern, während das Befehlsformat (die "Herzklappen" des Systems) weitgehend gleich blieb. Genügten für die S/360 noch ein Program Status Word (PSW) mit einem Adreßraum von 25 Bit für 32 MByte (nur durch Notmaßnahmen zu erreichen; eigentlich waren 24 Bit vorgesehen), wurden beim S/370-Modell schon 32 Bit Adreßraum für 2^(32-1)=4 Gigabyte Speicher verlangt, der allerdings z.T. im virtuellen Adreßraum liegt (woraus die Nicht-Abwärtskompatibilität folgt; allerdings konnte die XA-Architektur den Prozessor auf die alten Adreßformate umschalten - im Supervisor- und im Usermodus). Wann braucht man solche riesigen Speicher? Z.B. für die Berechnung des Wetters, wo der atmosphärische Raum durch ein dreidimensionalen Raum (1000, 1000, 1000) dargestellt wird.

3. Lebenszyklus ausgewählter Modellreihen: Beispiel 3090

Ein Jahr vor Auslieferung kündigte IBM die 3090 an. 1986 kam sie heraus, wo sie durch anfängliche Preisnachlässe sofort hohe Installationszahlen erreichte. Als sich diese Wachstumsphase abzuflachen begann, kam 1987 der erste Leistungsschub durch die E-Modelle. Die Installationszahlen sprangen wieder sprunghaft an, jedoch nur bis 1988, wo dann zusätzliche erweiterte Varianten auf den Markt geworfen wurden. Um etwa 1989 kamen die S-Modell heraus, doch bis 1990 kam der entgültige Endlifeknick mit den J-Modellen. Bis 1991 wurde ca. 15000 3090 installiert, und IBM geht davon aus, daß ab dann die potentielle Käuferschaft auf die neue Architektur ES/9000 umspringt, deren Lebenszyklus dort gerade erst beginnt. Ziel ist es, die 9000-Installationen auf 3090-Niveau zu bringen, was aber noch einige Jahre andauern wird.

Weil die Intercache-Kommunikation bei mehr als zwei Prozessoren sehr teuer ist, wird es wohl auch in Zukunft keine IBM mit mehreren symmetrischen Prozessoren geben. Bei der 3090/600E gibt es zwei Caches, die von sechs Prozessoren gemeinsam genutzt werden. Die Upgrade-Schemata der einzelnen Varianten sind schwer nachzuvollziehen, aber in ca. fünf Schritten wurden dabei jeweils Leistungs-Multplikationen von 1.5 bis 2.1 erzielt.

Informelles: Um den Lebenszyklus möglichst lange zu erhalten (mindestens vier bis fünf Jahre), muß ein Hersteller gegen eigene Neuerungen, Konkurrenz und öffentliche Kritik ankämpfen. Zur schnellen Etablierung einer Innovation werden frühe Investoren mit Vergünstigungen geködert (First Customer Shipment-Strategie für Referenzkundenschaffung, dazu zusätzlich Eary Installation Programs), aber nur kurz. Danach werden von Pilotanwendern hohe Preise verlangt, die nur allmählich abflachen (dies ist bei Mainframes zu ungenügend geschehen, daher gewinnen die Workstations ständig an Markt). Innovationssprünge (Launchings) bestehender Produkte können sein: Bessere I/O-Kanäle, Hauptspeicherausbau, höhere Chipintegration, verbessertes Mikrocoding und Ausbau des Cache-Memories. Der Lebenszyklus läßt sich weiter verlängern durch Produktvariationen und sukzessive Preisnachlässen. Wie weit die Leistungssteigerung zunimmt, verschweigt IBM bei der Ankündigung aufgrund der Doupt, Uncertainly and Fear-Strategie gegen die Konkuurrenz. Erfahrungswert ist hier aber ca. 10 bis 20%. Um neue Produkte zu stärken, müssen die alten aufgegeben werden, was IBM durch die Out-Of-Release- und Out-Of-Service-Politik erreicht.

Sehen wir uns die IBM-Politik im einzelnen an:

(1) Ankündigungspolitik: Doupt, Uncertainly and Fear-Strategie => IBM bringt etwas leicht anderes, als die Konkurrenz erwartet, daher kann sie trotz der Freigabe der Pricipals of Operation nicht im voraus produzieren.

(2) Preispolitik: Frühe Investitoren locken, Pilotanwender schröpfen, Nachzügler durch Preisnachlaß ködern.

(3) Kommunikationspolitik: Vertriebskonzepte für jede Lebensphase für optimale Kundennähe. Serviceleistungen. Motto: "Großrechnerkauf ist Vertrauenssache". Unterschieden werden die Kunden: Frühe Investoren, Pilotanwender, frühe Mehrheit, späte Mehrheit und Nachzügler (die Second-Hand-Geschäfte oder PCMer wollen; Strafe: Out-Of-Politik).

4. Aktuelle Host-Produktpalette: ES/9000

Der Lebenszyklus der ES/9021 beginnt Ende der 90er mit ihrer Ankündigung. Bis Mitte 1992 waren die alten 3090-Modelle ausgelaufen, die Käufer auf die ES/9000 umgestiegen. Die Insallationszahlen wuchsen bis Mitte 1993, wo dann eine im Vergleich zur 3090 frühe Verflachung der Verkaufszahlen einsetzte, trotz laufender Verbesserungen bis hin zur 64-Bit-Architektur der ESA-Modelle.

5. Plug Compatible Manufactures (PCM): Beispiel Amdahl

(1) Wesentliche PCMer: Amdahl ist Entwickler und Vertreiber eigener IBM-Klone; sie tragen die Bezeichnungen 5890, 5990 und 5595. An der Entwicklung beteiligt ist Fujitsu, deren Modell von Siemens als 7800-Modell vertrieben wurden, bis dieses Geschäft durch Comparex aufgelöst wurde. Comparex bezieht seine IBM-Klone 7/XX, 8/XX und 9/XXX von Hitachi, die sie in Eigenregie (ohne Amadahl) herstellen. Hitachi-Klone werden außerdem von Olivetti als 5500-Modell und HDS als EX- bzw. GX-Systeme vertrieben.

(2) PCM-Grundprinzipien: Die PCMer halten die POP (Principles of Operations) der S/370 ein. Sie bieten stets etwas mehr Leistung für etwas weniger Geld als IBM an. Die PCMer peppen die Klone durch eigene HW-Features auf, wie z.B. mit dem HW-VM von Amdahl. Die Modellsystematik orientiert sich an die IBM-Bezeichnungen, so konkurriert eine Amdahl 5890/200 mit einer IBM 3090/200. Ein wesentlicher Vorteil von PCM-Klones ggü. IBM-Originalen sind auch die niedrigeren Betriebskosten, die bisweilen gerade mal die Hälfte durch niedrigere Mietkosten, billigere Kühlung (Luft statt Wasser) u.ä. erreichen. Außerdem sind Field Upgrades von PCMern billiger zu beziehen, als von IBM.

(3) Die Situation der BS: Das Betriebssystem der PCM-Klones wird meist von IBM bezogen, wobei der Code noch an die Klone-Architektur angepaßt werden muß, entweder durch Änderung des Mikrocodes oder durch spezielle SW. Einige PCMer gehen auch den Weg, eigene BS als Ersatz für MVS zu entwickeln, die aber so gut wie nie die Fähigkeiten eines MVS erreichen können. Beispiele sind hier BS3000 von Fujitsu und Siemens, die aber schon bald kalte Füße bekamen und es zurücknahmen. NIDOS von Nixdorf erging es ähnlich kläglich. Erfolgreicher wird mit ganz neuen, offenen BS experimentiert, z.B. führt Amdahl die UNIX-Variante UTS erfolgreich ein.

(4) PCMer-Abwehr bei IBM: IBM baute gegen Klone-Produzenten Feindbilder auf; war der Feind zunächst Gene Amdahl, dann folgten schon bald Japan generell, dann DEC, bis ihnen in den 90ern die Feinde ausgingen (oder es zuviele wurden). Juristisch war Amdahl nicht beizukommen gewesen (Basispatente sind unschützbar), daher hatte IBM MVS-Zusätze in den Mikrocode eingebaut, was Anpassungen erschweren sollte. Doch v.a. strategisch ging IBM gegen die Kloner vor. Zu nenen wären da die Preispolitik, die Vermarktungsstrategie, die Ankündigungs- und Modellpolitik, und schließlich die Lieferzeitpolitik.

(5) Amdahlstatus: Die größte Amdahlkiste 5900 bringt 1990 eine Leistung von 113 Mips. Der Amdahlumsatz verteilt sich zu 80% auf CPUs, 22% auf die Peripherie und 10% auf Schulung, Service etc.

Informelles: Neue ITs bringen kundenspezifischere Produkte zustande und unterstützen die Unternehmen in ihrer Strategie, die einen Zeitraum von 5 bis 20 Jahren umfaßt. Monopole sind nicht mehr up-to-date, daher muß auf Standardanwendungen umgeschwenkt werden. In den Markt der IT für herstellerunabhängige Informationssysteme (>DVS) schlagen auch neue Techniken der KI (z.B. NN) und der Netzwerke. Durch Rechnernetze bieten sich Downsizing- und Outsourcing-Konzepte an. Outsourcing bringt Vorteile, weil Outsourcer besser/innovativer sind, weil man sich auf das Kerngeschäft konzentrieren kann, sie ihre Rechner besser ausnutzen können, EDV-Personalkosteneinsparung möglich werden, die Kapitalbindung sinkt (fixe Kosten werden zu variablen), und das technologische Risiko auf den Outsourcer verlagert wird. Nachteilig sind v.a. hohe Switching-Costs, wodurch der Outsourcer Macht erhält. Auch Datensicherheitsaspekte müssen berücksichtigt werden. Das Outsourcing kann aber gestaffelt vorgenommen werden: es wird der Service, die Schulung, die Anwendungsprogrammierung, das Facility Management (Entwicklung, Betrieb, Schulung) oder letztlich das ganze System Management (strategische IS-Planung) ausgelagert. Generell sollte nur die Standard-SW ausgelagert werden, sonst erhält der Outsourcer zuviel Macht.

Zu den PCMern: Es gibt 3 Kundengruppen: IBM-Treue, 2-Bein-Philosophen und reine PCM-Installateure (selten). Der Markt hat sich in Richtung Workstations geändert: Heute werden in der Wirtschaft keine schnelleren Rechner benötigt, sondern benutzerfreundlichere, wo Workstations eindeutig die Nase vorne haben. Standards geben den Kunden die Chance, sich endlich aus der Politik von IBM auszuklinken - ihre Sünden werden nicht vergessen. Zu diesen Sünden gehört, daß IBM Ankündigungen zurückzog (die 360/90 z.B. erschien nie), daß sie auf Upgrades oder sogar Migrationen drängte, wobei sie günstige Möglichkeiten durch fehlende Hilfen verhinderte, ihre Verzögerungspolitik bzgl. UNIX, nur Host-Netze anbietet, den Token-Ring erst unter Druck entwickelte und generell alles zu teuer verkaufte.

Amdahl ist mit 1000 Mann ein Zwerg im Vergleich zu IBM, besitzt dafür aber kurze Reaktionszeiten und ein ungeheures Know How, ohne dem sie keine Chancen hätten. Niedereichholz empfiehlt daher auch, die System-Administratoren (heute: Informations-Manager) bis in den Vorstand zu holen, um so ihre Wichtigkeit zu unterstreichen. PCMer besorgen sich als erste die IBM-Innovationen, um ihren Mikrocode, der nicht öffentlich ist, zu knacken. Schon im voraus werden Rohlinge gefertigt, die dann nur noch an die IBM-Originale angepaßt werden müssen. Die SW von IBM bliebt unangetastet, allerdings entwickeln die PCMer eigene UNIX-Systeme. IBM wehrt sich gegen PCMer, indem sie Kunden androhen, keinen Finger zu rühren, sofern nur ein PCM-Teil in ihrer Anlage ist.

6. Proprietäre Betriebssysteme: MVS, VSE und VM

(1) MVS-Geschichte: 1967 gab es zwei IBM-BS: OS/PCP und OS/MFT. Ersteres ging früh ein, das zweite hielt sich noch als BPE bis 1983. Erfolgreicher war das MVS-BS, das 1969 in Form des OS/MVT auf den Markt kam und erst ab 1977 MVS/370 heißt, nachdem das TSO integriert wurde. 1983 kam die MVS/XA-Variante auf den Markt und 1988 schließlich MVS/ESA für die 9000er-Modelle.

(2) MVS-Grundarchitektur: MVS heißt Multiple Virtual Storages. Die Basiskomponenten sind die verschiedenen Managereinheiten für den Speicher, die Ressourcen, die Daten und das Sicherheitskonzept. Ein spezieller Job-Scheduler sorgt für einen effizienten Off-Line-Betrieb. Sehen wir uns die einzelnen Komponenten etwas näher an:

* Job Entry Subsystem (JES): Übernimmt Job-Queuing und Job-Spooling.

* Job-Scheduler: Teil von JES; allokiert Ressourcen und startet Jobs.

* System Resources Manager (SRM): Steuerung des Betriebsmitteleinsatzes.

* Storage Management: Verwaltet virtuellen und realen Speicher; Paging.

* Data Management: Steuert das Input-Output-System (IOS).

* Recovery Termination Management: Sorgt für Konsistenz im Fehlerfalle.

In MVS wurde die Zeitscheiben-Technik "rucksackmäßig" reinimplementiert (im Ggs. zu VM). Vorher arbeitete es mit Job-Prioritäts-Mechanismen. Heute können bis zu 64 Prozesse simultan ausgeführt werden. Bis zu 16 Prozessoren lassen sich betreiben. 10000 DM/Monat kommen an Kosten zusammen.

(3) Zukunft von MVS: MVS/ESA verdängt andere MVS-Varianten, v.a. die geleanten Einstiegs-MVS. Da der Lebenszyklus bald zuende geht, ist mit einer Preissenkung zu rechnen. MVS wird in Zukunft das BS für High-End-Server werden. Außerdem kann es zu einem parallelen System für mehr als 16 Prozessoren ausgeweitet werden. Eine Absetzung wäre Selbstmord - 20000 Mannjahre erfordern eine Evolution von MVS.

(4) VSE-Geschichte: VSE entstand aus dem BS DOS/360 von 1965. Die SSX-Variante sorgte 1978 für Verwirrung, doch die VSE/SP-Variante trug den Sieg davon und hat sich 1990 zur VSE/ESA-Variante gemausert.

(5) VSE-MVS-Migation: VSE ist nur der kleine Bruder von MVS, sozusagen ein Einstiegs-MVS. IBM hat es von vorneherein darauf abgezielt, die VSE-Käufer früher oder später zu MVS zu bekehren. Für verschiedene Teil existieren daher von IBM Migrationshilfen, so kann z.B. mit JCA das VSE-JCL auf MVS-JCL automatisch migriert werden. Schwieriger wird dies bei den Online-Programmen und Datenbanken, die über TSO gesteuert werden.

(6) VM/ESA: Das Virtual Machine-BS ist sehr sauber aufgebaut. Von vorneherein war es auf Zeitscheiben-Technik ausgelegt, ist also vielmehr dialogorientiert als das batchorientierte MVS. VM kann zusammen mit VSE gefahren werden, was aber teurer ist als MVS alleine. VM ist eine Art Hilfssystem für VSE, obwohl nur VM den direkten Zugriff auf die HW hat. Im Ggs. zu allen anderen BS kann sich VM selbst aufrufen und verwalten als wäre es ein eigenständiges Programm.

(7) Zukunft der IBM-BS: HW-Preisnachlässe verwöhnen User dahingehen, daß sie auch SW- und BS-Preisnachlässe fordern. MVS wird ausgebaut zu einem parallelen BS für mehr als 16 Prozessoren, zudem wird die POSIX-Schnittstelle ausgebaut, was die Proprietät mildern soll. VSE wird sich wohl auch noch halten können, während jedoch VM auf dem absteigenden Ast ist, obwohl VM/ESA sicher noch eine Weile existieren wird. Sparmaßnahmen und personeller Umstrukturierung - z.B. weniger Systementwickler - werden kaum abschätzbare Wirkung auf die IBM-BS haben.

Informelles: Die 20.000 Mannjahre, die in MVS stecken sollen, sind nicht immer zu merken. Einiges ist offenbar schief gegangen; außerdem arbeitet IBM sehr redundant. Derzeit sind auch nur noch 500 Leute damit beschäftigt, MVS weiter zu warten - eine weitere Abspeckung ist zu erwarten. Es gilt: MVS ist zwar sehr leistungsstark, aber auch unnötig komplex. Einige Kunden gelang es jedoch, ihr BS so gut kennenzulernen, daß sie die Upgrades von IBM nicht mehr nachvollziehen mußten. Die normale S/370-Architektur verfügt über 16 Mbyte, über Notlösung auf 32 MByte erweiterbar. Die XA-Architektur kann 2 Gigabyte adressieren, notfalls auch 4 Gigabyte. Die ESA-Architektur schließlich kann 8000 x 4 Gigybyte = 32 Terabyte adressieren.

7. UNIX-Orientierung bei IBM: AIX-Familie und OSF

Auch IBM hat erkannt, daß proprietäre BS ggü. offenen BS an Markt verlieren. Seit 1980 propagierte IBM daher auch das IX-BS, eine Variante von UNIX. Allerdings fand keine aktive Vermarktung statt; es wurde nur ausgeliefert, wenn Kunden es direkt einforderten. IX war also noch eine ziemlich halbherzige Sache, zumal die wichtigen 3270-Terminals nicht unterstützt wurden! IBM wartete.

1985 kam ein schwerer Schlag für IBM: Großaufträge der US-Luftwaffe und der US-Finanzämter gingen nicht an IBM, da diese kein breit genuges UNIX-Angebot hatte. Auch in Europa forderten die Behörden immer stärker UNIX-Produkte. Gerade in Bezug auf den internationalen Datenverkehr ist hier Offenheit wichtig. Internet und UNIX haben sich bereits bewährt.

Ab 1988 ging IBM in die Offensive und begann die aktive Vermarktung von AIX. Insbesondere durch den Einstieg in den RISC-Markt mit der RS/6000 und der OSF-Gründung wurde AIX forciert. Allerdings strebt IBM weiterhin eine Koexistenz von SAA und UNIX an, obwohl das SAA-Konzept einen eher proprietären Charakter besitzt. AIX/ESA läuft z.B. auf der IBM ES/9000, z.T. parallel zu MVS/ESA.

Informelles: XENIX ist ein PC-UNIX von IBM, das praktisch nicht gewartet und für das keine Werbung gemacht wurde. Seine Verbreitung war entsprechend gering. IX war native mit der VM-HW verwurzelt, d.h. vor dem UNIX-BS lag noch das VM-BS, wodurch die Portabilität verloren ging. MACH3 als VBS ist die Weiterentwicklung von IX. Auch schon den CODEASYL-Standard versuchte IBM durch Verzögerungstaktiken und Überladungen zu bremsen. Gerade weil IBM sich vornehm zurück hielt, konnte wohl auch der RISC-Markt derart explodieren. Obwohl bereits 1984 ein RISC-Rechner 6150 rauskam, erreichte dieser nur einen IBM-lächerlichen Marktanteil von 1.5%. Erst die RS/6000 mit ihrer streckbaren Architektur ist ein echtes Angriffsmodell. Weitere Vorteile wären für IBM drin, wenn auch sie die Rechnung-vor-Lieferung-Taktik anbieten würden, wodurch Abteilungsleiter schnell noch ihr Budget an den Mann bringen könnten. Die neuartigen Migrationshilfen sind eine Gefahr für IBM, da sie ihre SW auf Nicht-MVS-Systreme ziehen können, wo sie stand-alone laufen. Selbts für so spezielle MVS-SW wie den CICS-Transaktionsmonitor läßt sich über INCENA unter AIX auf einer RS/6000 ohne MVS betreiben.

8. AS/400-Familie

1988 wurde das Application System/400 als gemeinsamer Nachfolger (Integrationsmodell) von S/360 und S/370 angekündigt; allerdings gilt die S/370 als Ausgangsbasis für die AS/400-Architektur. Als BS findet OS/400 Verwendung, ein den SAA-Bedürfnissen angeglichenes BS. Je nach Prozessoranzahl sind dafür 10000 bis 100000 DM Einmallizenzgebühren zu entrichten. Die Modell selbst kosten ab 40000 DM und bei den teuersten Wachstumsmodell B60 500000 DM. C, D, E und F-Modelle werden folgen.

Die Bestellzahlen der AS/400 waren für IBM sehr zufriedenstellend und erinnern an ihren Erfolg von 1978 mit der S/370. In vielen anderen Punkten gleicht die AS/400 ebenso der S/370, z.B. in der Architektur. Auch ist die Architektur vollständig mikrocodiert worden (horizontal und vertikal), was Klone schwieriger zu realisieren macht. Sie wurde zudem objektorientiert designed. Auf dem Mikrocode sitzt der S/370-Instructionset auf, der das BS OS/400 (Control Programm Facility von der S/370 im SAA-Design) aufsitzt.

Die Zukunftsaussichten der AS/400 sind nicht schlecht; ihr Wachstumspotential ist noch lange nicht ausgereizt, auch wenn keine Zuwachsraten mehr erwartet werden. Mehr und Mehr entwickelt sich die AS/400 zur Ersatz-Cash-Cow für die 9000er-Serie. Grund für hohe Verkaufszahlen: Die SW-Palette ist sehr groß, trotz des proprietären BS. In Zukunft werden wohl SQL- und CASE-Tools noch zunehmen, während sonsten sw-mäßig eher abgespeckt wird. Mit einem AIX/400 ist aber nicht zu rechnen in Bälde.

Es ist zu erwarten, daß die meisten S/370-User zur AS/400 wechseln und nicht zu AIX-Kisten wie RS/6000. Die S/360-User neigen eher zu AIX-Lösungen oder gar PC-Netzen auf C/L-Basis; dort ist das Reservoir deutlich kleiner für IBM.

Als Downsizing- bzw. Rightsizing-Lösung kommt die AS/400 v.a. für VSE-User in Frage, sofern diese kein Hochmigrieren auf MVS benötigen. Wer einmal bei der AS/400 ist, wird wohl eher dem Pfad zukünftiger Upgrades folgen als auf AIX-Lösungen umzusteigen (womit IBM sie wieder im Sack hätte). Das gilt aber nur bei Hochmigrationen; im gegensätzlichen Fall wird die RS/6000 vermutlich mehr Chancen als die AS/400 haben.

Informelles: Die Installationszahlen der AS/400 dürfen nicht mit denen von PCs verglichen werden. Erstens bringen AS/4000 weit größeren Umsatz und v.a. bedeuten sie eine Bindung des Kunden an IBM - daher kann IBM hier auch leicht Rabatte bis zu 30% vergeben! Bei der AS/400 ist soviel wie möglich mikrocodiert, wodurch es nicht Public Domain sein muß. Ohne große Migration kann S/360-SW auf AS/400-Rechner portiert werden. Die AS/400 verfügt über einen seltenen 48 Bit-Adreßbus (eine XA-Variante ist nicht zu erwarten, den 48 Bit genügen wohl für immer; ein möglicher Ausbau wäre aber von vier auf sechs Prozessoren). Mit der RS/6000 machte sich IBM selbst Konkurrenz. IBM versucht Downsizer von der 3090 bzw. 9000 auf die "schräge Maschine" AS/400 zu ziehen. Die proprietäre Formularsprache RPG verstärkt den Inselcharakter der AS/400.

9. System-Anwendungs-Architektur

(1) Die vier Säulen des SAA: Die System-Anwendungs-Architektur von 1987 beruht auf den Säulen Common Communication Support (CCS), Common Programming Interface (CPI), Common User Access (CUA) und - als Verbindungssäule - Common Applications (CA). Das SAA-Konzept berücksichtigt die Umgebungen und das BS S/370 und MVS, AS/400 und OS/400 und PS/2 und OS/2.

(2) CCS: Setzt auf OSI-Protokolle (X.25 und Token-Ring, nicht aber ETHERNET!) und SNA. Berücksichtigt wird auch die 3270-Norm.

(3) CPI: An Sprachen werden berücksichtigt ANSI COBOL, ANSI FORTRAN 77, ANSI C X3J11 (nicht für VSE!), PL/1, RPG, REXX (dafür flogen CLIST und JCL raus!), ANSI SQL (dafür flog DL/1 raus - wird DL/1 nicht mehr gewartet?), QMF, die 4GL CPS und ISPF/PDF (Dialog Interface). Wichtig: APL wurde nicht integriert!

(4) CUA: Einheitliche Tastaturen und GUI, die an Apple orientiert sind.

Informelles: Die Aufnahme von Non-IBM-Languages wie C oder COBOL fiel IBM sicher schwer, mußte aber sein, um die Kunden zu beruhigen. Das SAA-Konzept umfaßt S/-Mainframes, AS/400-Minis und PS/2-Mikros. Mit SAA will IBM NEC nachziehen, die ihr VMS-BS auf allen Maschinen ohne großen Interface-Wust laufen hat. FORTRAN wurde v.a. für Parallel-Rechner beibehalten. Bisher wurde SAA zu 50% realisiert, der Rest ist fraglich, v.a. auch im Hinblick darauf, daß IBM vielleicht zusammenbricht - wer übernimmt dann die Wartung der SAA-Produkte? SAA bedeutet laut Niedereichholz: IBM repariert seine Vergangenheit.

10. RISC-Workstation-Server: RS/6000

Seit 1990 ist die RS/6000 von IBM im Vertrieb. Sie soll DEC, SUN, MIPS und HP-Workstations Paroli bieten. Domäne ist - typisch RISC - der technische Bereich, doch auch ökonomische Anwendungen sollen über die RS/6000 zu meistern sein. Als Prozessor-Architektur dient der POWER-Chip (ein 32-Bitter). Durch mehrere parallel arbeitende Subprozessoren (Branch-, Fix- und Floating-Point) können in einem Takt fünf Instruktionen abgearbeitet werden. RISC ist der Prozessor: Er kennt "nur" 187 verschiedene Instruktionen (Mainframes bis 500!). Der POWER kann virtuell 2^52 Bytes adressieren, doch der reale Adreßraum ist nur 4 Gigabyte groß und in 4 KByte-Seiten unterteilt. Als BS findet AIX Verwendung! Die POWER-Technologie allerdings ist proprietär.

Obwohl nur mit 30 MHz getaktet, bringt es die High-End-RS/6000 auf 13 MFLOPS, 72 kDhrystone und 41 MIPS (die schnellste RS/6000 sogar auf 104 MIPS, während die AS/400 gerademal 26 MIPS Zustande bringt). Die Prozessoren basieren auf der CMOS-Technik. Die untragbare AT-Bus-Lösung wurde durch die IBM-spezifische Mikochannel-Lösung ersetzt. Die RS/6000 verfügt über eine SCSI-Schnittstelle für die externe/interne Kommunikation. Der Hauptspeicher besitz Error Correction Code, der 2-Bit-Fehler findet und 1-Bit-Fehler korrigiert! Was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht, schlägt die RS/6000 die AS/400 um Längen.

In einem Szenario läßt sich eine Verschmelzung von AS/400 und RS/6000 absehen. Bis 1995 könnte die AS/400 ihre 400-Chips durch POWER-Chips ersetzten, sowie neben OS/400 auch AIX als BS integriert haben, während die RS/6000 unter AIX AS/400-SW-Packete laufen läßt. Bis zum Jahr 2000 ließe sich dann ein einheitliches Produkt denken, welches basierend auf der POWER-Technik die RS/6000- und AS/400-Architektur parallel verarbeiten kann.

Informelles: Die wenigen Befehle der RISCs lohnen sich, weil in ABC-Analysen festgestellt wurde, daß 80% der Befehle nur zu 20% genutzt wurden (C-Gruppe). Die C- und B-Befehle werden SW-mäßig realisiert; nur die A-Befehle werden HW-mäßig installiert bzw. mikrocodiert (nach Möglichkeit sollten sie zudem innerhalb eines Zyklus abarbeitbar sein). Eine Taktzeit von 10 ns liefert damit eine theoretische MIPS-Leistung von 100 MIPS. Praktisch erreicht werden aber nur ca. 50% davon wegen der Engpässe in der HW. SUN dominiert den Markt mit 40% Anteil. IBM bringt es inzwischen auf 10%. Neben RISC-Workstations existieren auch Nicht-RISC-Workstations, z.B. die VAX von DEC.

IV. Vorlesung IT II: Wirtschaftlichkeit - IT im Wandel

1. Down-/Rightsizingbestrebungen

Downsizing bzw. Rightsizing hat das Hauptziel der Rückbesinnung auf das Kerngeschäft. Das strategische Management sieht IT als Erfolgsfaktoren an, bei denen die Besitzverhältnisse keine Rolle spielen, d.h. sie können auch geoutsourced sein. Downsizing geht oft mit den Megatrends Outsourcing (siehe Kapitel 4) und Networking einher. Die Marktposition der Mainframes bröckelt. IBM, Amdahl, HDS u.a. versuchen durch intensives Brokerage in das eigene Portfolio den Sturz der Mainframes aufzuhalten, doch selbst zusammen mit neuartigen Leasingangeboten und der Verschiebnung des Geschäfts von der HW mehr auf Service und SW ist dies ein hoffnungsloses Unterfangen.

Von einer Mainframe spricht man, wenn es sich um einen CISC-Rechner mit dem BS MVS, VSE oder VM handelt. Ist der Rechner in ein Netz eingebunden, muß er über VTAM verfügen. Beim Downsizing muß beachtet werden, ob die kleinere Maschine über die nötigen Leistungseinheiten verfügt, um die gestellten Anforderungen erfüllen zu können. Gemessen wird die Leistung z.B. mit den Leistungsmaßen MIPS (kommerzielle Rechner), FLOPS (technische Rechner), MOPS (Vektorrechner), LIPS (KI-Rechner), Whetstone, SPEC (RISC-Systeme), TPC, Dhrystone und Wisconsin Benchmark (synthetische DBS-Simulation). Typische Migrationsformen sind: Ausbauverzicht (oft), Reskalierung (Wechsel auf kleinere Systeme) und Abbau (Outsourcing; selten). Bei einer Reskalierung von Mainframes greift man meistens auf die Zielsysteme AS/400, C/L-UNIX-Systeme oder MAC- bzw. DEC-Netze zurück. Wichtig ist, daß heute überhaupt ein Wechsel möglich ist. Folgende Migrationen haben sich in der Praxis gezeigt:

* MVS/ESA (S/370) 	==> AIX/ESA (RS/6000).
* COPICS 			==> totaler Abbau nötig, Suche eines anderen PPS.
* SQL-Applications	==> einfach migrierbar.
* CICS 			==> Tuxedo oder ENCINA.
* VTAM			==> TCP/IP.
* IMS 			==> DB2 ==> DB2/6000 oder ORACLE oder INGRES.
* TSO 			==> in UNIX-System bereits funktionell integriert.
* SAP-Systeme		==> verlangen wiederum SAP-Systeme.

Es hat sich gezeigt, daß nur 20% der MVS-APs migrierbar sind. Für den großen Rest ist ein aufwendiges Reengineering angesagt. Auf UNIX-Systemen gibt es bereits hervorragende PPS (z.B. R/4 von SAP), so daß auf COPICS notfalls verzichtet werden kann. High-End-RISC-Systeme sind demnach gefährlich für Mainframes, v.a. dann, wenn Multimedia erwünscht wird, wenn Kunden verägert sind oder wenn sie ohnenhin vor einer Migration stehen. Dennoch dominiert Migration eher im technischen als in ökonomischen Bereichen, vermutlich weil bei ersteren die Datenbestände eher partitioniert werden können. Zu Problemen des Downsizings kommen wir in Kapitel 5.

2. Client-/Server-Architektur

Die Client/Server-Architektur sieht vor, möglichst viel Service-Leistungen aus dem BS zu entfernen und in Form von Server-Prozessen anzubieten. Anwenderprogramme (Clients) können sich diese Funktionen dann über IPC nutzbar machen, während das BS auf seinen monolithischen Kern beschränkt bleibt. Der Vorteil ist, daß Programme je nach Umgebung andere Server aufrufen können und daß die Zahl der Server leicht erweiterbar ist; eine Funktionsintegration in ein BS dagegen stellt einen sehr großen Arbeitsaufwand dar. Dadurch können C/S-Programme auf relativ einfache Weise auf heterogenen (hersteller-verschiedenen) Plattformen betrieben werden, was wichtig sein kann in Bezug auf das SAA-Vorhaben von IBM. Besonders im Zusammenhang mit Downsizing wird dem C/S-Markt eine große Zukunft voraugesagt: Ansatt die Mainframe-Investition aufzugeben, kann sie als Server-Rechner, der an ein LAN angebunden ist, weiterhin parallel zu den PCs und Workstations genutzt werden.

Verbunden mit dem C/L-Konzept ist auch die Schichtendenkweise: Bestimmte Schichten sind in sich abgeschlossen und kommunizieren über stabile Schnittstellen miteinander, d.h. interne Schichtänderungen sind möglich, ohne daß sich dies auf andere Schichten auswirkt. Eine Schicht enthält dabei die Logikbausteine für die Repräsentation der Daten, eine andere die Verwaltungsinformationen, widerum eine andere steuert die Applikationen usw. Dieses erst seit den 80ern praktizierte Schichtendenken unterstützt auch noch weitere Trends: Das objektorientierte Vorgehen und die Wiederverwendung. Das C/L-Vorgehen verschärft noch den Schichtcharakter, da hier - anders als bei monolithischen BS - ganze Schichten als Server-Prozesse implementiert werden. Zu beachten bei z.B. mehreren DB-Servern sind jedoch Redundanz- und Zugriffsprobleme.

3. Traditionelle Organisation der Datenverarbeitung

Die traditionelle Organisation der DV (vor ca. 15 Jahren) sieht vor, daß es ein zentrales Rechentzentrum gibt, in dem die Fachkräfte sitzen, die die Administration der DV übernehmen. Geleitet wurde das RZ oft nur von einer Person. Das funktioniert auf Auftragsbasis: Die Abteilungen sagen, was sie wollen, und die Programmier entwerfen die entsprechenden Programme. Ein zentraler Mainframe, auf dem i.d.R. ein DBS betrieben wird, steuert die Terminals, die in alle Bereiche der Unternehmung führen.

Obiges Bild gibt wieder, wie DV betrieben wurde. Doch inzwischen wurde Information als strategischer Gewinnfaktor identifiziert, da er erhebliches Flexibilisierungspotential besitzt und damit Wettbewerbsvorteile bringt. Das Top-Mangement dezentralisiert daher allmählich die DV (die jetzt IV heißt). Es kann in jede Abteilung IV-Fachkräfte positionieren oder weiterhin eine zentrale IV-Abteilung aufrechterhalten, aus der Leute für Programmierarbeiten vor Ort rekrutiert werden können. Dem IM obliegt es dabei v.a., eine Informationsinfrastruktur aufzubauen, die für eine unternehmungsweite Konsistenz der Daten sorgt (UDM=Unternehmungs-Daten-Modell nötig).

Nicht immer setzte der Vorstand zur Koordination zentrale RZ ein. Mit unter wuchsen - v.a. bei divisionalen Strukturen - die Systeme ganz unten direkt bei den Ausführenden, bis die jeweiligen Vorgesetzten von den Vorteilen überzeugt waren und sie ebenfalls bei sich einsetzten. So kam es zu sehr heterogenen Rechnerwelten innerhalb der der Divisionen, aber v.a. auch zwischen den Divisionen, die sich an ihr System klammerten, weil sie darin Wettberwerbsvorteile ggü. anderen Divisionen sahen. RZ zu implementieren und gemeinsame Richtlinien von oben zu verorden, war sicher ein hartes Stück Arbeit.

4. Outsourcing

Drei mögliche Outsourcing-Klassen sind:

(1) Professional Services: Klassische DV wird vom Outsourcer übernommen.

(2) Facility Management: Der Outsourcer übernimmt auch die DV-Ressourcen.

(3) Systemintegration: Die operationellen Dienste liegen voll beim Outsourcer.

Motive und Risiken des Outsourcings:

Motive:

  Quantifizierbare Motive:

    Kosten- (Personalkosten-, CPU-Auslastung+, Kapitalbindung-)

    Liquidität+ (weniger HW-Anlagevermögen gebunden)

    Datensicherheit+

    Terminpflicht des Outsourcers

    Raum+

  Nicht-quantifizierbare Motive:

    Flexibilität+ (Outsourcerwechsel mgl., Outsourcer moderner)

    Servicegrad+ (Outsourcer für alle Fälle gerüstet)  

    Konzentration auf das Kerngeschäft

    Technisches/personelles Risiko- (Abwälzung auf Outsourcer)

    Fachkräftemangel kein Engpaß mehr

    Know-How+ des Outsourcers

    Kein Ärger über Strategien der EDV-Hersteller

    Überdurchschnittliches Systemwachstum Outsourcer-Problem

    Standardisierung der EDV-Ergebnisse

Risiken:

  Wirtschaftliche Risiken:

    Verschlechterung der Kostensituation möglich (Verträge-)

    Abhängigkeit+ vom Outsourcer (nur DV, nicht IV outsourcen!)

    Leistung- beim Outsourcer => Gefahr für Unternehmen

  Personalpolitische Probleme:

    Fachkräfte fehlen, weil sie entlassen wurden

    Gegenwehr gegen Outsourcing

  Organisatorische Probleme:

    Datenaustausch mit Outsourcer: Wie zu realisieren?

    Nur DV outsourcen oder ganze IV?

Einige kurze Statements zum Outsourcing: In den nächsten 10 Jahren wird Outsourcing ein Thema sein, denn solange wird der Kostendruck anhalten. Die Gesamtverantwortung für die DV nur einem Outsourcer zu übergeben ist besser, denn sonst schiebt ein Outsourcer die Schuld auf einen anderen. Das Outsourcing ist auch bei Banken beliebt, obwohl dort der Liquiditätsvorteil bedeutungslos ist. Bekannte Outsourcer sind EDS und Debis (Merceds Benz-Tochter). EDS versucht bei Neuanwendungen generell UNIX-Systeme zu plazieren. Kundennahe EDV-Teile, wie z.B. Information-Service-Centers werden selten geoutsourced, kundenunabhängige Standard-EDV-Teile wie sie vom RZ erledigt werden aber schon. Outsourcing betrifft eher die unteren Hierarchieebenen als die oberen.

5. Rechenzentrum-Stillegung

Ein konsequentes Downsizing kann zur Stillegung des RZ führen. Das dies nicht unbedingt von Vorteil ist, sei hier kurz dargelegt. In das RZ wurde viel HW/SW investiert, was durch eine Stillegung verloren geht, obwohl dadurch doch eine funktionierende Infrastruktur gegeben war. Ein Wechsel von MVS auf UNIX ist mindestens genauso schwer, wie ein Wechsel von einer Mainframe auf eine andere. Neben den reinen Konversionskosten stehen auch noch Netzkosten, Akzeptanz-Förderderungs-Kosten (im Ggs. zu Technikern können Wirtschaftler nur selten selbst Programmieren; Stichwort: Kulturschock) und Mehrkosten für einen zweitweiligen Parallebetrieb. Viele Downsizingkosten sind versteckt, z.B. die Kommunikationskosten, der Support, die Redundanzen, die Neuschulung, die Programmierung neuer Anwendungsprogramme (obwohl fertige Lösungen auf der Mainframe existieren).

Wenn man migriert, dann sollte besser nur reskaliert werden, oder die Mainframe sollte beibehalten werden, um die Investitionen nicht unnötig in den Sand zu setzten. Wie wir in Kapitel 2 gesehen haben, bietet sich dazu das C/L-Konzept an, auch wenn in diesem Bereich noch viel geschult werden muß, um ein organisationsinternes Know-How aufzubauen. Ein Verzicht auf vollständiges Downsizing kann noch weitere gute Gründe für sich beanspruchen. Die Preisvorteile, die UNIX-Systeme derzeit bzgl. der SW ggü. Mainframes besitzen, können in Zukunft verschwinden: Die Standardisierung und die dadurch bedingte zunehmende Komplexität der Programme zur Lösung von Problemen, all das wird seinen Preis haben - allerdings erlauben Standards auch die schnelle Migration von einem DBS zu einerm anderen, sofern die Daten nur in 3NF vorliegen. Mainframes nutzen die Ressourcen deutlich besser aus als dies vernetzte Systeme könnten. Pro MIPS unterstützt ein CISC-Rechner 15mal mehr User als eine RISC-RS/6000; Workstations-CPUs warten die meiste Zeit nur auf Eingaben, daher ist der Durchsatz bei Mainframes viel größer. Und während bei den Workstations der MIPS-Bedarf rasant wächst (alle vier Jahre ist ein Austausch fällig), nimmt er bei Mainframes eher leicht ab oder bleibt wenigstens konstant.

Es gilt: Modeerscheinungen, wie Downsizing, die bestehende Lösungen diffamieren (in diesem Fall RZs), bringen dem Käufer nur selten wirkliche Vorteile, sondern mehr Imagepunkte - "Seht her, mein Betrieb ist up-to-date!". Die einfache Rechnung 10 Workstations mit je 100 MIPS ersetzen eine 1000 MIPS-Mainframe funktioniert nicht, weil der Lastenausgleich noch nicht wie bei VBS vorgesehen realisierbar ist (nur ein User kann die Workstation-CPU bisher nutzen, nicht jeder User im ganzen Netz) und auch die Netzkoordination selbst einen Teil der Ressourcen verschlingt. Unternehmungsberatungen wie Gartner und Xephon raten daher von einem völligem Downsizing ab; sie empfehlen weiter bei 200 Mitarbeitern eine luftgekülte, und bei über 500 Mitarbeitern eine wassergekühlte Mainframe, da deren Unterstützungspotential für das administrative und operative Geschäft noch lange nicht von Workstations abgedeckt werden kann.

Behält man das RZ bei, gibt es zwei wesentliche Implementierungs-Philosophien:

(1) "Alles aus einer Hand"-Strategie => nur IBM oder nur PCM.

(2) "Zwei Bein"-Strategie => IBM+PCM.

6. Informationstechnik und Organisationsentwicklung

IT haben ein großes Potential an Anwendungsmöglichkeiten; sie sind sehr flexibel einsetzbar. Es gilt: IT determinieren nicht mehr die Strukturen. So können LANs z.B. für eine erhöhte zentrale Kontrolle genutzt werden, aber auch Dezentralisation und Entscheidungsdelegation förderlich sein. Es bleibt dem Management überlassen, die Potentiale der IT im Sinne der Organisation zu gebrauchen. Zu beachten ist dabei die Akzeptanz der Mitarbeiter und auch der Manager selbst. Fantasie ist gefragt. Leider muß gesagt werden, daß IT bisher eher konservierende Wirkung besitzen, als neue Wege aufzuzeigen. Die dem Taylorismus anhängenden Manager sehen in IT eher technokratische Instrumente, statt damit antropozentrische Ideen wie autonome Teams u.ä. zu realisieren.

ITs haben strategisches Gewicht und müssen dementsprechend in Form strategischer IS beachtet werden. Wie in der Informatik üblich, wird die IS häufig in Schichtdenkweise geformt. Folgende Schichten der IS-Planung sind relevant:

(1) Strategische Unternehmungsplanungs-Schicht: Sollte existieren für Grundlegende Richtungsangabe (z.B. RISC statt CISC oder hierarchisches DBS oder relationales DBS?)

(2) Herstellerunabhängige IS-Planungs-Schicht: Die Ziele von (1) werden im Markt auf Durchführbarkeit geprüft. Ein UDM ist dafür nötig.

(3) Herstellerabhängige IS-Realisation: Kauf konkreter HW/SW nach Angaben von (2). Die operative Ebene sollte dabei auch die strategische Ebene beeinflussen können (Rückkopplungseffekt).

In der Praxis zeigt sich, daß (1) und (2) von (3) bei weitem dominiert wird. Oft drückt sich das darin aus, daß nur ein System, z.B. von IBM, im Unternehmen vorherrscht, weil oft externe IS-Berater von bestimmten Firmen in den eigenen Betrieb geholt werden. Falls diese Berater dann aufsteigen, bekommen ihre Entscheidungen allmählich strategisches Gewicht, was die Herstellerabhängigkeit weiter verschärft. Wird auf (2) und (3) verzichtet, können bestehende Lösungen (z.B. IMS) bis zum Gehtnichtmehr geflickt werden, anstatt direkt auf bessere Lösungen zu setzten (z.B. DB2). Das Budget für (2) und (1) muß aufgestockt werden; Richtwert für viele Branchen ist z.B. 1.5% vom Umsatz (mehr als 2% oder weniger als 1% können schon tötlich sein). Und die IT-Leitungsgehälter sollten sich an der Systemgröße orientieren.

7. Informatik: Shooting-Star oder bald Poor-Dog?

Informatik war ein stetig wachsender Markt, doch die Leistungsbedürfnisse nach oben scheinen ersteinmal abgedeckt zu sein. Mehr Leistung als nötig ist unrational. Aus diesem Grund verlangt die Industrie und v.a. auch Techniker (denen 40% von MVS i.d.R. genügen würden) nicht mehr nach noch schnelleren Mainframes, sondern kann sogar ans Migrieren auf reskalierte Systeme denken. Dennoch ist die Informatik wohl kein Poor-Dog in naher Zukunft; sein Innovationspotential ist ungebrochen, auch wenn es sich mehr auf dezentrale, verteilte Systeme konzentriert als auf zentrale Systeme. Der integrative, inderdisziplinäre Charakter der Informatik tritt immer mehr zu Tage. Kaum ein Bereich, der nicht auch mit den Mitteln der Informatik bearbeitet wird. Neuronale Netze sind stark im Kommen, ebenso Rechnernetze und VBS. Es gibt viel zu tun, ein Ende ist nicht absehbar - nein, Informatik ist kein traurig-jaulender Poor-Dog und wird so schnell auch keiner sein!

8. Die Position von Nicht-IBM-Anbietern.

Noch beherrschen HP und SUN den RISC-Markt. Doch die RS/6000 rennt und rennt und rennt. Den vielleicht wichtigsten Posten stellt aber die IBM AS/400 dar. Die AS/400 ist ein Kannibale. Die Innovationsvielfalt, die rund um dieses System entwickelt wird, ist enorm. Line of Business ist ABS (Apllication Business Solutions), die erst jüngst die AS/400 mit RAID-Systemen gekoppelt hat. Durch dieses innovative Speicherverfahren frißt die neue AS/400 die alten, dazu inkompatiblen AS/400 auf, wodurch eine IBM-externe Konkurrenz keine Chance hat, durch Innovationen die AS/400 selbst zu stoppen. Die Käufer der AS/400 rekrutieren sich nicht nur aus /36- und /38-Ablösern, die AS/400 spricht auch für sich selbst. Von der Leistung her dringt sie inzwischen bis in die Enterprise System-Welt vor; sie ist skalierbar von 2 bis 5000 User! Das kanibalisiert den Mainframe-Markt. Doch die wichtigste Neuerung ist (und davor zittern die Nicht-IBM-Anbieter am meisten): AS/400 goes UNIX. Es wird bereits an einem UNIX-tauglichen OS/400 gearbeitet, d.h. die AS/400 gibt ihre Proprietät auf, denn sie hält sich an den POSIX-UNIX-Standard. Auch soll vom 48 Bit-Prozessor auf die POWER-Technologie der RS/6000 zurückgegriffen werden, so wie der POWER-RISC mit 64 Bit auf den Markt kommt (derzeit noch 32 Bit) - dann schmelzen RS/6000 und AS/400 vielleicht bald zu einem System zusammen. Ein zusätzlichen Drive erhalten die UNIX-Bestrebungen der AS/400 durch inzwischen verfügbare Migrationstools (von IBM) und der Anlegung von Server-Eigenschaften in die AS/400-Architektur. Die AS/400 ist also de facto hart dabei, auch den UNIX-Markt zu kanibalisieren. Allenfalls der hochgetaktete (derzeit 200 MHz, 1000 MHz mgl.) Alpha-Chip von DEC kann hier IBM noch Paroli bieten.

Für alle Mainframe-Hersteller sind die guten Zeiten vorbei, egal, ob sie IBMer oder Nicht-IBMer sind. Gründe dafür, daß die potentiellen User abnehmen, sind:

* der strategische Wert der Mainframes als Rückrat der Unternehmung wird bezweifelt.

* intelligente Workstations dringen in Mainframe-Leistungsklassen vor.

* Leaning- und Dezentralisierungsphilosophie herrscht vor.

* Rezession verhindert Großinvestitionen.

* Anwenderprofil-Änderung: Verlangen nach GUIs u.ä.

* Outsourcing: Eine Mainframe für viele Unternehmen.

Derzeit steigt aber der Umsatz der PCMer ggü. IBM und gegen die Downsizing-Tendenz noch mächtig an, v.a. bei Amdahl, die über ein hervorragendes Know-How und Vertriebssystem verfügen.

Im RISC-Markt sind die Marktanteile folgendermaßen verteilt: SUN=25%, HP=30%, IBM=12%, Mips=20% und CLIPPER=6%. Übrigens: IBM hat den RISC-Prozessor erfunden (!), doch hatten sie zu sehr auf die Mainframes gesetzt.

V. IT-Aktuell

* Derzeit herrscht ein weltweiter Mangel an DRAM-Chips, v.a. 4- und 16 MByte-Chips. Grund: Die IT-Industrie hat sich verrechnet; der HW-Verkauf war nicht wie erwartet rückgängig, daher wurde zu wenig in neue Chip-Fabriken investiert. Folge: Der Wechsel auf die neue Computergeneration wird hinausgezögert.

* MS entwicklet ein neues BS: Chicago. MS strecken die Waffen gegen Stac wegen des Plattenkomprimierers Doublespace von DOS 6.0, 6.2. und Windows-NT. Der Upsizing-Trend von MS stößt beim Anwender auf Widerstand, daher wildern im Low-End-Bereich Oracle, Informix und Sybase erfolgreich im alten MS-Revier.

* Siemens hatte 1993 die höchsten FuE-Kosten im IT-Bereich, ca. 15 Mia DM. Danach folgen IBM, Hitachi, AT&T und Matsushita.

* Derzeit ist CL ein Megatrend: 3 von 4 dt. Unternehmen wollen das CL-Konzept bei sich verwirklichen, hauptsächlich um die Time-to-Market zu reduzieren und flexibler zu sein als über Mainframes. Angestrebt wird eine Integration von Mainframes und PCs. Aber hier wird häufig übersehen: CL erfordert gewaltige Anfangsinvestitionen, die Verwaltung (remote Datenmanagement) und Integration heterog gewachsener PC-Welten ist ebenfalls teuer. Aber v.a.: Nur 5% des DV-Personals ist vertraut mit CL! Daher sind die Personalschulungskosten größer als die Technikkosten.

* Der CL-Trend kann mit dem CIM-Fieber der 80er verglichen werden, das den Firmen - CIM-Salabim - vollautomatisierte Fabriken u.ä. versprach, die flexibel und kostensparen sind. Aber auch hier waren zunächst hohe Kosten für ein integrales Konzept aufgetreten, die nicht von jeder Firma getragen werden wollten. Folge: CIM fruchtete nicht, wie es auch CL nicht tun wird, wenn nicht genug in Know How u.a. investiert wird.

* Die Überlebensfähigkeit von Organisationen hängt z.Z. wesentlich davon ab, daß sie sich laufend verändern können. Diese ständige Veränderung muß von IT gefördert werden, die z.B. Teams, Partizipation fördern und Benutzerservice-Zentren oder dezentrale Benutzerservices statt Zentral-DV propagieren. Idee der laufenden Unternehmungsprozeßverbesserung, wie sie das Business Process Reengineering-Konzept vorschlägt.

* System R/3 von SAP ist ein integrales Konzept für die Optimierung von Geschäftsabläufen. Module erkennen z.B. automatisch, wann ein Lager seinen Mindestbestand erreicht hat, und sorgen für, daß Bestellempfehlungen, die die Zukunftsprognosen berücksichtigen, ausgegeben werden. Bisher ist R/3 über 1000mal installiert, und daß weltweit für alle Branchen (R/3 ist an jede Organisationsstruktur anpaßbar).

* Der Standard-SW-Markt, der breherrscht wird von SAP, Oracle, MS und Novell wächst nicht mehr ganz so stark wie Anfang der 90er. Der HW-Markt wird von Professional Service und Systemintegration dominiert, wichtiger ist aber noch das Facility Management, also der Systembetrieb, der von IBM, Debis, EDS (Konzernmutter=Opel), MS, SAP, DEC und HP betrieben wird.

* Function Point-Analysen können helfen, die Kosten der Weiterentwicklung bestehender System im Vergleich zu Neuentwicklungen abzuschätzen.

* Ein aktuelles 4GL-Produkt ist Powerhouse. Wie die meisten 4GL ist es an eine DB gekoppelt und NICHT standardisiert!

* EDV als zweischneidiges Schwert, denn: Die EDV hat erst das Problem geschaffen, ihre Produkte zu benutzen! Als es noch keine Rechner gab, gab es keine Programierprobleme. Als es kleine Rechner gab, gab es nur kleine Programmierprobleme. Aber heute haben wir vernetze Rechner, die sehr komplexe Probleme aufwerfen.

* CL-Computing-Varianten:

S	DB	DB		DB	DB		DB		C
e	AP	AP		AP					l
r	Präs.								i
v							DB		e
e				AP	AP		AP		n
r	Präs.	Präs.		Präs.	Präs.		Präs.		t

* CL-Werkzeuge sind GUI-Painter, 4GL, Prototyping-Tools, Multiuser-Repositories.

* Der Konkurrenzdruck bei z.B. Windows und Word 6.0 sorgt zwar für eine schneller SW-Produktion, jeoch auch für eine fehlerhaftere, bei der mit Speicher nicht gegeizt wird, wo die Performance sich auf schnellere Rechner verläßt, wo Anwender aus Abgrenzungsgründen mit Funktionsüberladung gepeinigt werden. Die Konkurrenz macht die SW billiger, aber die nötige HW schluckt diesen Preisvorteil bei weitem. Zudem sind die nötigen, laufenden Updates oft nur über Compuserve (Internet) zu beziehen.

* MVS/ESA wird Open SW. IBM versah das BS mit einer POSIX-Schnittstelle, die die Portierung von UNIXware ermöglicht. TCP/IP und NFS sind in Arbeit, ebenso ein C++-Compiler! DCE ermäglich eine verteilte CL-Kommunikation, wobei durch die Benuzung des RACF-Systems die Sicherheit gewährleistet bleibt (C2-Norm der US-Regierung). IBM will schneller offen werden, als die UNIX-Anbieter die Mainframe-Robustheit erreichen!

* Die objektorientierte, nicht-proprietäre BS-SW Oppen Step läuft auf DECs Alphas, auf SUNS SPARCs und auf HPs PA-RISCs. Eine beliebige Portierbarkeit von SW zwischern diesen Systemen wird dadurch möglich.

* WABI=SUN-SW, um Windows-Ware auf SPARCs laufen zu lassen.

* DBase for Windows von Borland benötigte 3 Jahre Entwicklungszeit. Es waren 60 Programmierer daran beteiligt. Kosten: 20 Mio Dollar!

* Raubkopie-Schutz: Datenträger, Verpackung und Bildschirmmasken mit Warenverzeichen versehen.

* Jusisten sind sehr wichtig beim Outsourcing. Als radikale Diätkur sinnvoll, aber Partitionierung beachten. Gefahr der Fremdbestimmung besteht auch für Outsourcer, weil dieser die Angestellte laut der Gesetze für eine Betriebsabspaltung mitübernehmen muß - im Ggs. zum angloamerinischen raum können dt. Arbeitnehmer widerspruch einlegen gg. Outsourcing. Üblich sind 5 Jahres-Verträge, oft bleibt der Outsourcer in den alten Räumen ansässig. Leistungskontrollen, z.B. Antwortzeiten, in Verträgen festhalten. Ein bekannter Outsourcer ist z.B. Origin.

* Multiprotokoll-Router entwirren die heterogene Protokollwelt, für HS-Backbones wie FDDI oder ATM mit 150 MBit/s bzw. Fast-Ethernet mit 100 MBit/s.

* Die meisten Informatiker finden eine Tätigkeit im Bereich Forschung und Entwicklung. Der Rest verteilt sich auf Vertrieb, Beratung, Leitung und Support.

* Oracle schneller/billiger pro Transaktion (170 tps mit 5000 Dollar pro tps), als Informix. Und Informix ist schneller/billiger als Sybase (110 tps mit 8000 Dollar pro tps).

* Downsizing: 70% der Firmen wollen downsizen, 40% von Hosts auf UNIX, 17% auf OS/2 und 10% auf Windows-NT.

* Revolutionsmärkte Zukunft:

(1) IT (Chips, Computer, Unterhaltungs-, Medizin-, Auto-Elektronik): Größter Industriezweig mit 1000 Mia DM, auch ohne Telekom-Firmen!

(2) Genetik: Größter Wachstumsmarkt überhaupt. Von 6 Mia DM Umsatz bis zum Jahr 2000 100 Mia DM Umsatz.

(3) Neue Werkstoffe, z.B. Keramikmotoren der Japaner.

(4) Alternative Energiequellen: Fusions- und Solarenergie.

(5) Luft- und Raumfahrtforschung.

* Deutsche Stärken: Viel Mittelstand für Nischen, viele Facharbeiter, gute Mechaniker, viele Forschungsaktivisten.

* Japans Mangement-Strategien wie Lean Production, Lean Management, JIT und TQM gelten als strategische Erfolgsformeln der 90er Jahre. Zu beachten: Wenn Organisationsstrukturen kopiert werden, dann muß auch die japanische Unternehmungskultur kopiert werden, die v.a. auf Partizipation auf allen Ebenen setzt. Bisheriges Vorschlagswesen-Verhältnis zwischen Dt. und Japan: Pro 100 Mitarbeitern 15:3000 Vorschläge, von denen 40%:85% auch realisiert wurden. Japaner verzichten auf Kompetenztrennung, weil sie eine breite Meinungs- und Entscheidungsbildung befürworten.

* Fehler in der Führung sind gravierender als Fehler im Informationssystem sind gravierender als Fehler in der Organisationsstruktur. Dennoch wird bei Problemen i.d.R. mit Organisationsstruktur-Umgestaltungen begonnen. Wichtiger: Qualifikation der Mitarbeiter, damit diese neue IT als Dienst in Anspruch nehmen können, nicht als Herrschaftsinstrument verstehen müssen. Ziel: Informationsorientierte Führung, die auf Stäbe verzichtet und statt kleiner Kontrollspannen große Kommunikationsspannen einrichten kann!

* Bekannte dt.-japanische Mainframe-Allianz: SNI und Fujitsu. Diese beiden Firmen beliefern sich rund ums BS2000, das offener werden soll, ggs.

* Host-PC-Migration wird meist wegen organisatorischer Probleme begangen, während sich Midrange-PC-Migrationen auf die hohe Betriebskosten der Minis zurückführen lassen.

* SW ist weich bis plastisch, dadurch ist sie langlebiger als HW (ca. drei Generationen). Setzt ein Unternehmen nicht auf Outsourcing, so muß es daher unbedingt auf Portabilität achten, und die Produkte dazu sollte von langlebigen Produzenten stammen.

* AMD-HW-Haus, ein Intel-Chip-Cloner aus den USA, die jetzt aber eigene RISC-Chips herstellen wollen.

* Gene Amdahl, ehemaliger IBM-Ingenieur, glaubt noch immer an den Mainframe, der zum Fileserver werden soll (und durch VSLI-Technik nicht viel Platz braucht).

* John Atkers war CEO von IBM, der die UNIX-/Rechnernetze-Entwicklung verschlief, und die Baby Blues-Divisionalisierung durchführte. Wurde 1992 vom Verwaltungsrast abgesetzt.

* BS3000 von Hitachi war ein MVS-Plagiat-Versuch (5% eigene, verbesserte Routinen). Wurde verboten.

* Bull, ein frz. IT-Unternehmen, bei dem der Staat Großaktionär ist, der aber seine Anteile bis 1995 über die Börse abstoßen will. Machte 1993 Verluste.

* Connectivity-Anbieter sind Firmen, die SW und HW verkaufen, die hilft, heterogene, selbständige Systeme (wie PCs) in bestehende proprietäre Systeme (wie SNA) zu integrieren, z.B. Attachmate.

* Andrew Grove, CEO von Intel.

* Steve Jobs, Apple-Erfinder, NeXT-Boß mit 68040-Prozessor-Rechner mit optimaler Multimedia-Architektur.

* Philipp Kahn, Borland-Chef. Borland ist aus Reorga.phase raus!

* Sandra Kurtzik, gründet als Verkäuferin in Wohnung ASK-Firma. 10 Jahre später an Börse. 1989 Austritt, nach Krise aber wieder zurück zu ASK. führte Sanierung durch. 1994: unter 10 größen SW-Hstl./Verdienerinnen.

* Maintenance-Anbieter sind EDV-Wartungs-Unternehmen. größtes Marktvolumen in Dt. (rückläufig), dann GB, dann Frankreich, v.a. in Osteuropa eine Wachstumsbranche.

* Scott McNealy, SUN-Chef, nicht eben befreundet mit Steve Jobs, macht aber auch Geschäfte mit NEXT.

* Mips, ein Prozessor-Hersteller, im Ggs. zu Intels CISCs nur RISCs, 64 Bit, Partner von SNI.

* Novell, ein US-HW/SW-Haus. Anbieter des erfolgreichen PC-Netz-BS: NETware. Kaufte 1991 Digital Resarch mit GEM, CP/M, DR-DOS auf. Will seine UNIXware auf AS/400 portieren.

* Otherware: Dinge um HW und SW herum, wie die Systemziele, Administratoren, Operateure, Organisation, Arbeitsressourcen. Beansprucht z.B. im Lebenszyklus eines Infosystems 2/3 der Kosten.

* PIMS: personal information management system. Büro-DBS mit Notizbuch, Kalender, Verwaltung persönl. Daten. Vom Arbeitsplatz aus alle nötigen Daten erreichbar, hfg. mit Hypertext-Fkt.

* POS-System: point-of-sale-system. Kassensystem, das EAN-Code liest, Preis best., Bon ausdruckt, Erlös+Lagerbestandsabnahme verbucht, Nachbestellungen vornimmt, Managementinfos, außerbetriebl. Statistiken erstellt.

* Lewis Platt, President und Chief Executive Officer von HP.

* Robotikverbreitung: * Japan: 350000 (v.a. Autoindustrie) > * GUS 65000 > USA 47000 > BRD 40000 > Frankreich > Großbritannien. Es wird eine 40%ige Zuwachsrate erwartet in den nächsten Jahren.

* John Rollwagen, CRAY-Chef. Clinton-Berater.

* SAP: dt. SW-Haus (Walldorf). eines der erfolgreichsten dt. IT-Unternehmen. Führt Modul-SW für globales Informationsmangement. Bietet das gängigste Outsourcing-Verfahren in mehreren Schritten an.

* John Sculley, war chief executive officer von Pepsie (!), dann von Apple (=> Steve Jobs mußte nach einem Jahr gehen (!)), war als IBM-Chef im Gespräch (!). geht vermutl. aber in die Politik (kennt Clinton). 1993: CEO von Kodak.

* TCI: Tele Communication Inc., der größte Kabelfernsehbetreiber der USA.

* Tandem, ein US-Hersteller von fehlertoleranten Parallelrechnern.

* Topper-Data-Service: EDV-Outsourcing-Spezialist, engagiert sich v.a. in neuen Bundesländern.

* Outsourcing noch lange betreibbar - die Marktforschungs-Unternehmen rechen in diesem Markt auf längere Sicht mit jährlichen Wachstum von 11%.

* Lewis Platt ist der Boß von HP. HP ist divisionalisiert, z.B. besitzt die Division Service-Bereich die Teildivisionen Outsourcing, Reengineering und Systemintegration. Alleine die Systemintegration, die haupsächlich CL-Beratung betreibt, beschäftigt 4100 Mitarbeiter und macht 900 Mio Umsatz.

* Informationsbroker: Neu entstehender Beruf, der sich zunehmend zu organisieren beginnt. Der IB besorgt für ca. 1500 DM Informationen für Firmen, indem er auf 5000 DB online und auf CD-ROMs u.ä. offline zugreift.

* IT-Marktführer 1993: Service=EDS, DB=Oracle, System-SW=MS, Kommunikation=CISCO, PCs=Compaq, Drucker=HP, Festplatten=Seagate, Halbleiter=Intel.

* Wieder Trend zur Disintegration (Re-Diversifizierung)? DV-Unternehmen kümmern sich mehr um Kerngeschäft wegen besserer Kundenorientierung (Produktion und Service verlangen zu unterschiedliche Strategien) - ähnlich wie Outsourcing. IBM ist zu groß, um die jeweiligen Geschäftsbereiche aufzugeben, daher divisionalisierte sie ("Baby-Blues").

* HS-DÜ mit 150 Mbps ist wegen der monopolistischen Telekom in Dt. siebenmal (!) teuerer als in den US => Wettbewerbsnachteil Standort Dt. Derzeitige Telekomstrategie darüberhinaus nicht progressiv, d.h. doppelte Datenratem=doppelte Kosten!

* IBM, Apple und HP haben ein neues objektorientiertes Koaltions-BS in der Mache: Taligent!

* Deterministische PPS-XPS sind out, fuzzige dagegen in, denn die Fuzzy Frames erlauben Umgangssprachen-Objektbeschreibungen, sie benötigen weniger Regeln (da mehr Regeln feuern können, aber mit verschiedener Intensität) und sind flexibler, weil sie mit unscharfen Mengen hantieren können.

* Die User lechzen nach Groupware, doch der Markt schläft. Windows for Workgroups ist ein besseres Emailsystem für Mininetze. Und Lotus Notes ist zwar brauchbar, jedoch nicht für den Low-end-Markt gedacht.

* IBM hat seine gesamten, weltweiten Werbeaufträge (800 Mio-Deal) an nur eine Marketingfirma übertragen. Andere Unternehmen wie AT&T zogen daraufhin ihre Werbeaufträge bei dieser Firma zurück.

* Das Mobilfunknetz D1 (SNI?) bringt es auf 2400 bps, D2 (Mannesmann) immerhin auf 9600 bps. D1 mangelt es an Flächendeckung, in D2 kann global gesendet, aber nur lokal empfangen werden. Europa ist in diesem Markt vor USA, die vor Japan sind.

* Krankenhausroboter: 6 DM/h verelangt der Besitzer für diese Diener, die Krankenpapiere transportieren, zentral gesteuert werden und sogar Fahrstühle bedienen können.

* Derzeitiger IBM-Chef: Louis Gerstner.

* SNI: 1/3 des Geschäfts mit neuen Mainframes und BS2000/OSD, Plazierung als Server. Problem: Die Nachfrage nach Mainframes ist gleich hoch, aber sie mußten billiger werden.

* Quantenrechner (AT&T-Projekt): Geht eine Lösung gleichzeitig auf 1000 verschiedene Arten an. Bei Dechiffrierungs-Aufgaben u.ä. sollen sie einmal viel schneller als heutige Superrechern sein.

* Uniface, eine 4GL in CL-Umgebung mit Rapid Application Builder- und Repository-Server. Arbeitet nach dem "Deklarieren statt Programmieren"-Motto.

* C++ goes IBM mit CSet++ für AIX und OS/2.

* Parallelserver sind ein neuer Schatten am Horizont für Mainframes, die ihr letztes Heil im Server-dasein erblickten. Sogar IBM reagierte sofort darauf durch eigene Parallelserver-Projekte.

* FDDI arbeitet asynchron, kann daher nicht mit Bildern umgehen. Fast Ethernet eignet sich nur für kleine Netze. Cell-Switching-Netze (nicht Frame-Switching-Netze) jedoch sind groß im kommen. ATM erlaubt feste Bitraten bis 150 Mbps und alleine durch die Adressierung den Aufbau von logischen Netzen - dadurch ist ein Umzug ohne Adreßänderung mgl. (im Ggs. zu FDDI). Zudem ist bei ATM der Übergang LAN-MAN-WAN fließend.

* Business Process Reengineering (von Andersen Consulting, Ernst & Young u.a.) ist hochaktuell. Der Druck auf CEOs wächst; bei IBM und Kodak wurden die Chefs durch die Aktionäre gefeuert, um einen Führerwechsel zu erzwingen! Falls BPR NEUE Geschäftsbereiche hervorbringt, spricht man auch von Business Process Engineering. BPR ist prozeß- und kundenorientiert, ein wertschöpfungsketten-Management. Die erhofften Quantensprünge sind nur über Prozeßteams mit strikten Zeitplänen, Meilensteinen usw. möglich. Verlangt psycho-strategischen Top-down-Ansatz: Wandel erst in den Managerköpfen nötig!

* Ratioplan ist eine Komplettlösung für die AS/400, die in Bezug auf PPS, Controlling, Qualität usw. den wichtigsten Rohstoff liefert: Information!

* In den nächsten 5 Jahren wird IBM genausoviele, aber billigere Mainframes verkaufen - 65% der Firmen setzten weiterhin auch auf Mainframes. Die Mainframes werden als High-End-Server verkauft. IBM setzt anders als heute auf die billige CMOS-Technik, behält die CICS-Architektur aber bei. Im Ausgleich dazu wird intensv an einer verstärkten Parallelisierung gearbeitet. Die Mainframes werden offen. Über eine Posix-Schnittstelle ist MVS UNIX-verträglich geworden. Zahlreiche Migrationshilfen auf UNIX sind in Arbeit.

* DEC hat zu kämpfen. Gründer Ken Olsen mußte gehen und Robert Palmer wird sich wohl auch nicht mehr lange halten.

* Endbenutzer bilden den SOHO-Markt (Small Office/Home Office). Sie können z.B. über Franchising (Markenhändlerei) in Angriff genommen werden.

* ISO9000: In Dt. sind 3000, in GB 30000 Zertifikate vergeben! Aber auch in Dt. wird verstärkt auf ISO9000 gesetzt, besonders im Zusammenhang mit dem BPR. Das Zertifikat gilt nur 3 Jahre.

* Workstations-cluster=Workstation-Farm: RISCs im Verbund. Zu unterscheiden: Batch-Betrieb=ein Rechner rechnet, und Parallelbetrieb=Die Aufgabe wird von allen gelöst. Derzeitige Obergrenze: 20 RISCs.

* Telekom-Boß: Helmut Rilcke. Das neueste: Datex-M(ultimegabit) mit n x 64 kbps, max. 43 Mbps, connectionless, DQDB-Technik, zur LAN-LAN-Verbindung gedacht. Datex-J(edermann) brachte BTX ganz schön in Schwung. Derzeitige Abschlußzahl: 600000. Ab 1995 sollen 9600 bps möglich sein.

* Die (EDV-)Qualifizierung der Mitarbeiter wird immer intensiver betrieben.

* VOD=Video-on-Demand=interaktives Fernsehen. USAler lassen 5 Mia beim Kino, 30 Mia beim Fernsehen, 50 Mia bei Online-Diensten. VOD steht also ein potentieller 100 Mia-Markt zur Verfügung, der noch drastisch wächst!

* EDI ist brachenübergreifend oder -spezifisch, aber nicht international. EDIFACT ist dagegen nur brachenübergreifend und international.

* Bisheriges Controlling-Problem: Zu sehr ergebnisorientiert, d.h. es werden zu spät Soll-Ist-Unterschiede festgestellt. Neue Controlling-SW ist daher ganz im Sinne von BPR prozeßorientierter.

* Das "fünfte Generation"-Programm der Japaner wurde 1992 nach 10 Jahren beendet. Es war kein Flop, wie manche denken, denn die Japaner sind KI-Führende. Ihr jetziges "Real World Computing"-Programm bringt ihnen vielleicht schon die dringend benötigten Altersveresorgungs-Roboter (Japan altert schneller als alle anderen Länder!).

* Neben Donwsizing- jetzt auch verstärkt Upsizing-Trend: Stand-alone-APs werden zu Groupware-Server-APs.


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