Informationsmanagement
von Daniel Schwamm (10.05.1994)
Aus "Heimat des Dilettantismus"
http://www.henrys.de/daniel/index.php?cmd=texte_informations-management.htm
nach A. Kieser, C. Jewschek, Kubicek u.a. (1993/94)
Inhalt
1. Einführung in das Informationsmanagement
1.1 Begriff des Informationsmanagements
1.2 Notwendigkeit eines Informationsmanagement
1.2.1 Gefahren und Chancen von Informationstechnologien
1.2.2 Auswirkungen der Informationstechnologie
1.2.3 Gap-Analyse
1.3 Zielsystem des Informationsmanagement
1.3.1 Strategische Ziele
1.3.2 Operative Ziele
1.3.3 Strategien eines Informationsmanagements
2. Strategisches Informationsmangement
2.1 Informationsinfrastruktur
2.2 Organisatorische Gestaltung der Systementwicklung
2.2.1 Traditionelles Phasenschema
2.2.2 Benutzerpartizipation bei der Systementwicklung
2.2.3 Systemauswahl
2.3 Personalmanagement und Qualifikationsstruktur
2.3.1 Die Managementpyramide
2.3.2 Aufgabenstrukturen
2.3.3 Qualifikationsstruktur des Managements
2.3.4 Qualifikationsmaßnahmen
2.4 Akzeptanzproblematik
2.4.1 Zusammenhang zwischen Wirkungen und Akzeptanz
2.4.2 Arbeitszufriedenheit
2.4.3 Akzeptanzebenen
2.4.4 Allgemein akzeptanzfördernde Maßnahmen
2.4.5 Akzeptanzbestimmende Faktoren bei den Anwendern
2.4.6 Akzeptanz bei Top-Manager
2.5 Dezentralisierungsproblematik
2.5.1 Dezentralisierungsbegriffe
2.5.2 Entscheidungsautomation
2.5.3 Partizipation
2.5.4 Dezentrale Informationsversorgung
2.5.5 Räumliche Dezentralisierung
2.5.6 Grenzen der räumlichen Dezentralisierung
3. Operatives Informationsmangement
3.1 Hardware-Aufgaben
3.2 Software-Aufgaben
3.3 Zentrum für individuelle Datenverarbeitung
3.3.1 Aufgaben
3.3.2 IDV-Richtlinien
3.4 Wirtschaftlichkeitskontrolle
3.4.1 Begriff der strategischen Kosten
3.4.2 Kosten der Informationsverarbeitung
3.4.3 Leistungen der Informationsverarbeitung
3.4.4 Werkzeuge der Wirtschaftlichkeitsrechnung
3.5 Behandlung von Rechtsfragen
3.6 Sicherheitsmanagement und Datenschutz
3.6.1 Begriffliche Unterscheidung
3.6.2 Zweck und Anwendungsbereich des BDSG
3.6.3 Regelungen des BDSG
3.6.4 Bedeutung des BDSG
3.6.5 Datensicherungsmaßnahmen
3.6.6 PC-Sicherheit
3.6.7 Bösartige Software
4. Institutionalisiertes Informationsmanagment
4.1 Organisatorische Eingliederung des Informationsmangements
4.1.1 Die traditionelle EDV-Abteilung
4.1.2 Zentrale versus dezentrale Datenverarbeitung
4.1.3 IM als neuer Funktionsbereich
4.1.4 Aufbauorganisatorische Eingliederung des IM
4.1.5 Zusammenhang zwischen Strategie und Struktur
4.2 Berufsbilder des Informationsmangements
4.2.1 Der Informationsmanager
4.2.2 Traditionelle EDV-Berufsbilder
4.2.3 Neuere EDV-Berufsbilder
4.3 Auswirkungen des Informationsmanagments
4.3.1 Stärken und Chancen
4.3.2 Schwächen und Bedrohungen
5. Informationstechnologie
5.1 Telekommunikation
5.1.1 Begriffsdefinition
5.1.2 Netzwerk- und Transporttechnik
5.1.3 Rechnernetze
5.1.4 Fernmeldenetze
5.1.5 Netzintegration über ISDN
5.1.6 Telekommunikationsdienste
5.2 Bürokommunikation
5.2.1 Begriffsdefinition
5.2.2 Die Büroarbeit
5.2.3 Die Rolle der Kommunikation im Büro
5.2.4 Anforderungen an Bürokommunikationssysteme
5.2.5 Der Ist-Zustand der Bürotechnik
5.2.6 Soll-Konzept des Bürokommunikation
5.2.7 Einführungsstrategien
5.3 Datenbanken
5.3.1 IS aus Datensicht
5.3.2 Anforderungen an DBS
5.3.3 Externe DB (Online-DB)
5.3.4 Einflüsse auf die Unternehmensorganisation
5.3.5 Wirkung integrierter DV
5.4 Management-Informationssysteme
5.4.1 Management-Informationsbedürfnisse
5.4.2 Frühere MIS-Versuche
5.4.3 Spektrum von MIS
5.4.4 MIS: Mehr als nur ein neues DVS
5.4.5 Komponenten eines MIS
5.4.6 Erfolgskriterien
5.5 Künstliche Intelligenz
5.5.1 Begriff und Arbeitsgebiet
5.5.2 Expertensysteme
5.5.3 Neuronale Netze
1. Einführung in das Informationsmanagement
Das Informationsmangement (IM) setzt sich in den Unternehmen
immer mehr durch. Kieser und Kubicek beschreiben, wie die
Informationstechnologie (IT), die durch das IM verwaltet wird, im Laufe der
Zeit ihre deterministische Wirkung auf die Organisationsstrukturen verloren
haben. Fand man in den 70ern noch weitgehend große Rechenzentren (RZ)
vor, die eine aufwendige Abstimmung einzelner Abteilungen erforderten, um
reibungslos funktionieren zu können, so kam mit den Time
Sharing-Betriebssystemen ein Denzentralisierungsprozeß in Gang, der durch
die leistungsstarken PCs bis heute anhält. Aufgabenintegration wurde
dadurch ebenso möglich wie die technokratische Ausweitung der
Arbeitsabläufe. Die neuen IT erhöhen demnach die Spielräume, die
den Gestalter der Organisationsstrukturen zur Verfügung stehen, und dies
fordert geradezu die Beteiligung der Betroffenen heraus - zumal die
Auswirkungen der neuen IT noch gar nicht absehbar sind. Sicher scheint jedoch
zu sein, daß Kommunikationssysteme die Face-to-Face-Kommunikation nicht
gänzlich unterlaufen werden; zu groß sind die Unterschiede (z.B.
fehlt die Hierarchie, wodurch der Konsens länger dauert, Junk Mails werden
durch die Anonymität möglich, und die Gestik oder sonstigen
nichtsprachlichen Kommunikationsmittel fallen weg). Die Experten lassen sich
ebenfalls nicht durch Expertensysteme ersetzen. Und die starke
Dezentralisierung birgt die Gefahren von Insellösungen und Wildwuchs, eine
verstärkte Zentralisation dagegen die Gefahr einer erhöhten
EDV-Abhängigkeit. Ob IT letztlich ein Fluch oder Segen sind, hängt
maßgeblich vom IM ab, das Thema dieser Arbeit ist.
Insbesondere die Auswirkungen des IM auf die
Arbeitsplätze ist ein sensitives Thema. Kieser und Hildebrand stellen
heraus, daß v.a. für die Einführung neuer IT ein spezielles
Management von Nöten ist. Der Produktionsbereich hat eindeutig Vorteile
aus den Errungenschaften der Technik gewonnen, die Hoffnung besteht, daß
sich dieser Erfolg auch auf die Büros wird übertragen lassen
können. Fest steht, daß die neuen IT ganz massiv die Inhalte der
Arbeitsplätze oder die Arbeitsplätze selbst ändern können.
Sie wirken rationalisierend, integrativ oder zentralisierend, sie fördern
die dequalifizierende Spezialisierung, aber auch die Professionalisierung, sie
können die Motivation erhöhen oder Akzeptanzprobleme schaffen. Ein
umsichtiges IM muß all diese Faktoren Beachtung schenken, wenn es
erfolgreich sein will (wobei sich dieser Erfolg in Wettbewerbsvorteilen wie
z.B. besserer Resourcenausnutzung und organisationsübergreifender
Vernetzung wiederspiegeln kann).
1.1 Begriff des Informationsmanagements
Informationen in Unternehmungen sind maschinell verarbeitbare
Daten, die an einen bestimmten Zweck gebunden sind.
Das Management ist ein Unternehmens-Instrument, welches die
Funktionen Planung, Entscheidung, Kontrolle und Organisieren inne hat.
Institutionalisiert erscheint das Management in Form von Managern.
Datenmanagement bedeutet die Verwaltung von Informationen. Es
umschließt die Speicherung, Beschaffung und Aufbereitung von
Informationen, die Hardware, die Software, die Manware und die Orgaware, und
auch die Gestaltung von Formularen und Rechtsfragen. Das Datenmanagement ist
aber nur ein Teil des IM. Denn das IM beachtet v.a. die nicht-technische Seiten
der Bedeutung von Informationen. Da z.B. der technische Wandel immer schneller
vonstatten geht, können IT Ängste und Akzeptanzprobleme beim Personal
verursachen, denen entgegenzuwirken ist.
Das IM versorgt das Unternehmen mit bedarfsgerechten
Informationen. es hat eine strategische und eine operative Ausrichtung. Die
strategische Ausrichtung resultiert aus den Unternehmensstrategien, die den
langfristigen Erfolg der Unternehmung sichern sollen. Die operative Ausrichtung
resultiert aus der Konkretisierung der stategischen Ziele in operative
Ziele.
1.2 Notwendigkeit eines Informationsmanagement
IT haben das Potential, organisatorische
Gestaltungsspielräume zu schaffen. Gestaltungsspielräume, die bei
geeigneter Ausnutzung einem Unternehmen überlebenswichtige
Wettberwerbsvorteile schafft. Die Information ist derweilen zum
Produktionsfaktor geworden, ja, mehr noch, zum eigenständigen
wirtschaftlichen Gut (auch wenn das noch nicht alle wahrhaben wollen; noch ist
dafür nicht ein eigenes Vorstandsressort eingerichtet worden), auch wenn
Informationen schwer monetär abzuwägen und i.d.R. zeitgebunden sind.
Moderne Organisationen sind nicht länger nur leistungs-, sondern
informationsorientiert. Denn Wissen heißt Macht. Doch das Mehr an
Informationen muß auch verwaltet werden, denn wie wir im folgenden
Abschnitt sehen, bergen IT ein breitgefächtertes Potential, dessen
Auswirkungen nicht in jedem Fall der Unternehmung zum Vorteil gereicht. Aus
diesem Grund ist ein IM (neben einem rein technisch orientiertem
Datenmanagement) unbedingt notwendig.
1.2.1 Gefahren und Chancen von Informationstechnologien
Neue IT bewirken tendendziell eine Zunahme der Kommunikation,
eine Minderung der Arbeitsteilung, eine Verringerung von Wartezeiten (z.B.
muß bei Verwendung von Mailboxen anders als beim Telefon nicht auf den
Kommunikationspartner gewartet werden) und die Vermeidung von mehrfacher
Informationsverarbeitung. All dies fördert sicher die Arbeit und macht sie
effizienter. Doch neue IT können ebenso mißbraucht werden, von den
Vorgesetzten, den Mitarbeitern und von Externen. Sie können auch ganz
einfach störanfällig sein, oder sie ändern die
Qualitätsstruktur des Personals in unvorhergesehener Weise (z.B.
Polarisierung). Das IM hat daher die Gefahren der IT gleichermaßen im
Auge zu behalten wie ihre Chancen.
Anders ausgedrückt: Die Chance der IT liegt darin, mit
ihnen Informationen effizienter als bisher nutzen zu können. Die Gefahr
liegt im fehlenden oder falschen Einsatz von IT.
1.2.2 Auswirkungen der Informationstechnologie
Die Einführung neuer IT wirkt sich auf die
Arbeitsplätze aus. Entweder schafft sie neue Berufe, wie z.B. den
Informatikerberuf, oder sie ändert die Inhalte der Arbeit, macht sie z.B.
autonomer, befreit sie von diversen Sachzwängen und erlaubt mehr
Rationalisierung. Die Qualitätsstruktur der Ausbildung ändert sich
dahingehend, daß Professionalisierung und Spezialisierung zunehmen, oder
daß die Spezialisierung abnimmt und das allgemeine Qualitätsniveau
zunimmt. Die Arbeitsabläufe ändern sich dahingehend, daß es
z.B. zu vertikaler und horizontaler Integration kommt (Leaning!), oder
daß Informiertsein die klassische Stellungsautorität
untergräbt.
Von den Auswirkungen neuer IT sind alle Hierarchiestufen
betroffen. Das Top-Management muß z.B. lernen, wie IT-Alternativen
gegeneinander abgewägt werden können. Diese Qualifizierung kann
formell, halbformel oder informell (autodidaktisch) geschehen. Dabei sollte
fachliche Details ausgespart werden und nur die Auswirkungen der IT
kennengelernt werden. Üblicherweise wird dieses Wisen dem Top-Management
durch Externe vermittelt. Das mittlere Management hat v.a. für eine
schonende Einführung neuer IT in mehreren Phasen zu sorgen, um so
Akzeptanzprobleme möglichst zu umgehen; auch hier ist ein Wissen um die
Auswirkungen der IT unumgänglich. Die Mitarbeiter selbst können
über die IT selbst etwas über deren Auswirkungen erfahren. So bieten
z.B. Computerprogramme Lernkurse für bestimmte Softwaren an (ComputerBased
Training, CBT). Dadurch können die Betroffenen wirksam vor zu
plötzlichen Überforderungen geschützt werden.
Zusammengefaßt wirken sich IT aus auf:
* Organisation: Zentralisierung bzw. Dezentralisierung wird
verstärkt
* Mitarbeiterqualifikation
* Motivation und AZ aufgrund Akzeptanzresultate
* Informationsangebot
* Controlling (Qualität darf ruhig etwas teurer sein)
* Aufgabenstrukturen durch Integrationstendenz
* Unternehmungsstrategien (z.B. aufgrund CIM-Einsatzes)
* Wertschöpfungskette durch JIT, PPS, CAM/CAD
* Wettbewerbsstruktur
Es bleibt zu sagen, daß zwischen den Möglichkeiten
der IT und ihrer bisherigen anwendungsorientierten Umsetzung eine noch
wachsende (!) Lücke klafft. Der technische Wandel geht schneller
vonstatten, als die Managager folgen können. Eine Gap-Analyse
veranschaulicht diese Lücke und zeigt die Notwendigkeit eines IM.
1.2.3 Gap-Analyse
Die IT werden nicht voll ausgenutzt. Die Gap-Analyse zeigt
auf:
* Strategielücke: Es ist oft keine Informationsstrategie
auf Grundlage der Unternehmungsstrategien vorhanden. Statt punktuellem und
temporärem Denken ist aber übergreifendes Denken nötig.
* Gestaltungslücke: Was strategisch nötig ist, ist
oft organisatorisch noch nicht umgesetzt worden. Auch ist noch nicht
organisatorisch umgesetzt worden, was technisch möglich wäre.
Nötig ist aber eine der Informationsstrategie angepaßte
Organisationsstruktur.
* Akzeptanzlücke/Führungslücke: Nur
technologiefreundliche Vorgesetzte, die neue IT umsichtig einführen,
können Akzeptanz und AZ bei den Mitarbeitern ernten.
1.3 Zielsystem des Informationsmanagement
Das IM hat Ziele auf strategischer, administrativer und
operationaler Ebene, wobei die administrativen Ziele kaum von den operationalen
Zielen zu trennen sind. Zur Verwirklichung dieser Ziele müssen gewisse
Vorausetzungen geschaffen werden, so muß u.a. genau geklärt werden,
wem wo wann welche informationsorientierten Aufgaben bzw. Kompentenzen
zukommen. Wichtig dabei ist, daß auf allen Ebenen die Bedeutung der IT
erkannt wird.
Allgemeines Ziel ist die Entwicklung, Erhaltung und Nutzung
einer unternehmungsindividuellen Informationsinfrastruktur zur Erfüllung
der Informationsbedürfnisse aller Mitarbeiter (und der Externen).
1.3.1 Strategische Ziele
Gebildet werden beim IM vorrangig strategische Ziele, aus
denen dann die administrativen bzw. operationalen Ziele abgeleitet werden
können. Das IM hat z.B. die strategischen Ziele/Aufgaben:
* Informationsinfrastruktur: Siehe später.
* Systementwicklung im Großen: Siehe später.
* Personalmanagement im Großen: Siehe später.
* Akzeptanzmanagement im Großen: Siehe später.
* (De)Zentralisierungsmanagement: Sie später.
* Sicherheitsmanagement im Großen: Sie später bei
operativem IM.
* Innovationsmanagement: Technologische Neuerungem im Auge
behalten.
* Datenmanagement im Großen
* Informationsstrategie: Überbau gegen PC-Wildwuchs und
Insellösungen
1.3.2 Operative Ziele
Die operativen Zielen umfassen i.d.R. auch die administrativen
Ziele, daher werden sie hier in einem Abschnitt dargestellt. Dennoch lassen sie
sich einigermaßen abgrenzen. Ziele/Aufgaben auf eher administrativer
(realisierender) Ebene sind:
* Systementwicklung im Kleinen: Sie später bei
strategischem Management.
* IS-Projektmanagement: Zeit- und Ressoucenplanung zu
beachten.
* Konfigurationsmanagement: HW/SW-Pflichtenheft
gemäß strategischem IM.
* HW-/SW-Beschaffung: Insbesondere Liferantenauswahl,
Vertragsgestaltung.
* Sicherungsmanagement im Kleinen: Siehe später.
* Datenmanagement im Kleinen
* Personalmanagement im Kleinen: Siehe später bei
strategischem IM.
Ziele/Aufgaben auf eher operationaler (in Betrieb nehmender)
Ebene sind:
* HW-/SW-Betrieb und -Wartung
* Anwendungssysteme
* Datenmanagement im Kleinsten
* Benutzerservice: Siehe später.
* IDV: Siehe später.
* Sicherungsmanagement im Kleinsten: Siehe später.
* Abrechnung: Siehe später.
1.3.3 Strategien eines Informationsmanagements
Die Realisierung der Ziele/aufgaben des IM sind verschiedenen
Strategien denkbar. Diese können nach Intensität des
Durchsetzungswillen folgendermaßen kategorisiert werden:
* explosive (plötzliche) Strategie
* aggressive (hartnäckige) Strategie
* moderate (geruhsame) Strategie
* retardierende (Bewährung abwartende) Strategien
* defensive (Althergebrachtes bevorzugende) Strategie
* destruktive (abwehrende) Strategie
2. Strategisches Informationsmangement
Die Ziele/Aufgaben des IM wurden weiter oben beschrieben. Wir
wollen nun hier auf einige der aufgeführten Ziele noch etwas näher
eingehen.
2.1 Informationsinfrastruktur
Die Informationsinfrastruktur dient der Produktion von
Informationen. Sie läßt sich unterteilen in:
(1) Technische Systeme: Komponenten-, Technologie- und
Architektur-Management. Es muß geklärt werden, welche HW im
Unternehmung insgesamt Verwendung findet: Proprietäre Systeme oder offene
Systeme? Fremdbezug oder Eigenherstellung? Eigene EDV oder Outsourcing?
Zentrale Mainframes oder dezentrale Rechnernetze?
(2) Anwendungssysteme: Standadard-SW/IDV? Ein
SW-Hersteller/viele SW-Hersteller? Generelle Programmiersprache?
Anwendungssysteme-Verknüpfung?
(3) Konzeptionen: Einbettungsmuster für (1) un (2).
Hierzu gehören auch Überlegungen bzgl. des Technisierungs-,
Automatisierungs- und Durchdringungsgrades.
2.2 Organisatorische Gestaltung der Systementwicklung
2.2.1 Traditionelles Phasenschema
Traditionell wird bei der Systementwicklung in mehreren Phasen
vorgegangen, wobei für jede Phase bestimmte Meilensteine aufgestellt
werden, die angegeben, wie weit ein Projekt schon fortgeschritten ist. Dadurch
wird der Kommunikationsaufwand minimiert, worin wohl auch der Erfolg der
Phasenmodelle begründet liegt. Solche Phasen der Systemeinführung
(hier bereits mit Einbeziehung der Betroffenen, was für traditionelle
Phasenschemata eher untypisch ist) können nach Kieser sein:
(0) Spannungsabbau zwischen Experten+Fachabteilung mittels
Konfrontationsmeetings.
(1) Problemanalysen: Sind überhaupt Ist-Probleme
vorhanden?
(2) Vorläufiges Design: Soll-Vorstellungen
ergründen.
(3) Projektorganisation aufbauen: Mitgliederrekrutierung,
Struktur festlegen.
(4) Ist-Analyse: Phase (1) detaillieren.
(5) Zielplanung: Phase (2) detaillieren.
(6) Alternative Grobkonzeptentwürfe (+evtl. Prototyp)
entwickeln.
(7) Grobkonzeptbewertung+Entscheidung, z.B. mittels
Kosten-Nutzen-Analyse.
(8) DV-Einrichtung durch Experten, organisatorische
Faktoren-Einrichtung (Schulung, Stellenbildung, Abläufegestaltung usw.)
durch Gestalter und Fachabteilungen.
(9) Testphase: Nicht nur Fehler, auch Mängel
aufdecken.
(10) Optimiertes System Einführen: Parallebetrieb, Crash
oder Pilotbetrieb.
(11) Wartungsphase: God save CASE-Tools.
Durch neueartige IT lassen sich in den verscheidenen Phasen
auch diverse Automatisierungspotentiale nutzen. Bei Spannungsabbau- und
Analysephasen sind diese noch wenig gegeben (außer bei der OOA), die
Designphasen jedoch kennen ERMs, Petrienetze, Flußdiagramme u.ä.
Doch erst bei der Implementierung kann stark automatisiert werden: Ein Compiler
z.B. findet Syntaxerrors und kann Cross Referenz-Tabellen erstellen, und es
sind 4GL einsetzbar. Auch Tests lassen sich stark automatisieren, ebenso die
Wartung mit Debugging-Programmen, Monitoren und Reverse Engineering zur
Modul-Wiederverwendung.
2.2.2 Benutzerpartizipation bei der Systementwicklung
Welche Rechte sollen den Betroffenen eingeräumt werden?
Mögliche Stufungen sind:
* rechtlos: Bsp. Winfried Wintersteins Programm für das
Prüfungsamt.
* Informationsrecht: User werden vorgewarnt.
* Vorschlagsrecht: User können Ideen einbringen, aber
nicht durchsetzen.
* passive Mitwirkung: Von User werden Vorschläge
verlangt.
* aktive Mitwirkung: User können über Abstimmungen
Vorschläge durchsetzen.
* Selbstgestaltung (hier kommen Niedereichholzs
Endbenutzersprachen zur Geltung).
Vorteilhaft an der Benutzerpartizipation ist die
Effiziensteigerung der Systeme, da sie den Bedürfnissen der Anwender
gerechter werden, die dann auch eher motiviert sind, damit zu arbeiten
(Requirement Engineering). Zuerst muß allerdings das Mißtrauen
zwischen Experten und Fachabtelungs-Mitgliedern gemildert werden, wie dies im
obigen Phasenmodell in Phase 0 geschieht. Dies gelingt natürlich nicht,
wenn die Experten die Betroffenen einfach ausquetschen wie Zitronen und danach
den Rest der Arbeit alleine gestalten. Nein, die Betroffenen sind in jeder
Phase mehr oder weniger zu beteiligen.
2.2.3 Systemauswahl
Am ehesten wird die Partizipation gewährleistet, wenn die
Betroffenen die Wahl zwischen mehreren Alternativen (Grobkonzepten/Prototypen)
haben. Dabei wird u.a. auch im besonderen Maße das Erfahrungspotential
der Betroffenen genutzt. Allerdings muß aufgepaßt werden,
daß das Grobkonzept/der Prototyp nicht als fertiges Produkt
geprießen wird, da dies die späteren Anwender leicht schocken
könnte.
Neben dem schnellen, auf Dokumentation verzichtendem
Prototyping gibt es auch noch das Versionenkonzept zur Systemauswahl. Wir
wollen diese Verfahren kurz gegenüberstellen:
Prototypen werden i.d.R. nach ihrem Fürgutbefunden
komplett neu entworfen und implementiert (Rapid Prototyping), während
Versionen nach ihrem Fürgutbefunden direkt eingeführt werden. Anders
als Prototypen, die bei Nichtgutbefunden ein anderes Grobkonzept implementieren
oder sogar nur die Implemntierung des alten Prototyps verfeinern, werden
abgelehnte Versionen komplett verworfen und aus dwer Problemdefinition eine
neue Version entwickelt. Insgesamt gesehen, scheint uns das Prototyping der
effektivere Weg zu sein, da hier die Betroffenen früher und wesentlicheren
Einfluß auf das Endergebnis haben.
Wird SW gekauft, kann ein dreistufiges Evaluierungsverfahren
angewendet werden:
* Stufe 1: Ein Vorfilter selektiert die Marktangebote für
DV-Anlagen. Eine Rolle spielt dabei Proprietät, Hersteller-Image,
Sevice-Leistungen und Leistungseinschränkungen.
* Stufe 2: Ein Grobfilter selktiert die übrigen Angebote
nach den Muß-Anforderungen, nach der nötigen SW, dem Preis und den
Ausbaumöglichkeiten.
* Stufe 3: Die übrige Menge durchläuft einen
Feinfilter, d.h. jedes Angebot wird gewichtet, es werden Benchmarktests
durchgeführt und gesehen, ob auch noch Wunschziele damit realisierbar
sind. Danach trifft man seine wahl für ein Produkt.
2.3 Personalmanagement und Qualifikationsstruktur
Zum strategischen Personal-Management im Bereich Information
und Kommunikation gehören die folgenden Aufgaben:
* Strategische Stellenplanung
* Festlegung der Qualifikationsprofile
Daraus kann eine Personal-Beschaffungs-Strategie abgeleitet
werden.
2.3.1 Die Managementpyramide
Früher gab es eine Managerpyramide, die von der
zahlenmäßigen Verteilung ein ebenmäßiges dreieckiges Bild
mergab. Sie bestand aus den Ebenen:
* obere Führung (Top Management)
* mittlere Führung (Abteilungsleiter)
* untere Führung (Gruppenleiter)
* Ausführende
Im Laufe der Zeit hat sich den Parkinsonschen Gesetzen folgend
ein Strukturwandel vollzogen: Die muittlere Führung und v.a. die untere
Führung hat sich aufgebläht, während die Ausführenden immer
weniger wurden. Nur das Top Management blieb, wie es war. Kein Wunder alwso,
daß das Leaning schnell als Notwendigkeit erkannt wurde, welches
über die horizontale und v.a. vertikale Integration, die die neunen IT
bieten, am leichtesten zu erreichen ist - auf Kosten allerdings von Macht der
Manager, die sich dagegen natürlich erheblich sperren.
2.3.2 Aufgabenstrukturen
Die neunen IT haben das Potential, die Aufgabenstrukturen
grundlegen zu ändern. Es können mehr Spezialisten und
Professionalisten nötig werden (bei mehr Arbeitsteilung), oder aber auch
mehr allgemein hochqualifizierte Allround-Sachbearbeiter (bei
horiounsntaler/vertikaler Integration). Die allgemeine Qualifozierung scheint
uns der bessere Weg zu sein, um die IT auszuschöpfen. Wird vertikal
integriert (Minderung der Arbeitsteilung), dann läßt sich die
Organisation als Autarkiemodell verstehen, wird horizontal integriert (nur
Änderung der Arbeitsteilung), dann läßt sich die Organisation
als Kooperationsmodell verstehen.
2.3.3 Qualifikationsstruktur des Managements
Das Management muß lernen, die Potentiale der neuen
verschiedenen IT gegeneinander abzuwägen, um so strategisch günstige
Entscheidungen für ein Konzept treffen zu können. Das mittlere
Management muß lernen, wie die neuen IT am geschicktesten eingeführt
werden, um Akzeptanzprobleme zu minimieren. Das untere Management
schließlich muß wissen, wie es die Untergebenen motivieren kann, um
die Fähigkeiten der IT auf best mögliche Weise auszunutzen.
2.3.4 Qualifikationsmaßnahmen
Das Top Management muß v.a. um die Auswirkungen der
IT-Alternativen wissen. Detailwissen ist bei ihnen nicht gefragt. Qualifizieren
können sie sich:
* informell (autodidaktisches Lernen)
* halbformell (freiwillige Fortbildungskurse besuchen)
* formell (Pflichtseminare besuchen)
Das mittlere und untere Management läßt sich von
(externen) Stäben beraten, spezialisiert auf die Systeme, die die
Führung ausgesucht hat. Schulungen sind nicht unüblich.
Die Untergebenen können sich ebenfalls schulen lassen.
Inzwischen gibt es aber auch ein computerbasiertes Lernen, CBT genannt, das ein
billigeres autodidaktisches Lernen ermöglicht. Man muß nur arauf
achten, daß die Untergebenen nicht gleich zu sehr überfordert
werden.
2.4 Akzeptanzproblematik
Die Akzeptanz neuer IT hängt von vielen Bedingungen ab.
Diese Bedingungen sind zu erkennen und als Programm umzusetzen, wobei eine
frühzeitige Einbeziehung der Betroffenen und ein ganzheitliches
Gestaltungskonzept von wesentlicher Relevanz ist. Die alten IT können
jedoch durch die neuen IT (noch) nicht völlig ersetzt werden.
2.4.1 Zusammenhang zwischen Wirkungen und Akzeptanz
Bisher existieren wenige empirische Untersuchungen über
die Wirkung von neuen IT und der damit zusammenhängenden Akzeptanz bei den
Benutzern. Diesen Zusammenhang zu analysieren, ist aber auch nicht einfach. Ein
kurzes Brainstorming soll zeigen, was einem spontan zur Arbeit mit neuen IT
einfällt:
* Geschwindigkeit nimmt zu
* Entlassungen drohen
* Routine wird vereinfacht
* die Arbeitsinhalte werden formaler
* die Quantität und Qualität der Informationen nimmt
zu
* Datenschutz/-Sicherheit sind wichtig, aber schwer
realisierbar
Der ökonomische Nutzen von IT steht und fällt mit
der Akzeptanz der Nutzer und Bediener, ohne daß diese sich dessen
bewußt sein müssen.
2.4.2 Arbeitszufriedenheit
Steigt die AZ nach Einführung von neuen IT? Ergebnisse
nach ein Vorher-Nachher-Umfrage:
* AZ steigt, aber unterschwellig überwiegt Wunsch nach
persönlichen Kontakten.
* AZ steigt erst nach Umgewöhnungs-/Umstellungszeit.
* die Art der Einführung bestimmt wesentlich AZ
* ärgern sich Vorgesetzte über IT, dann auch deren
Mitarbeiter.
* je größer der Sprung von alten auf neuen IT,
desto geringer ist AZ.
* Beamte verlangen andere IT als Kreative, damit AZ
gegeben.
* die gesellschaftliche Akzeptanz von IT bewirkt eher AZ in
der Organisation.
2.4.3 Akzeptanzebenen
(1) Gesellschaftliche Ebene: Z.B. Arbeitsmarktsituation durch
IT besser? Wie ist die Ausprägung der allgemeine
Technikfreundlichkeit?
(2) Organisatorische Ebene: Z.B. Produktivität durch IT
höher? Kann ich die Ergebnisse besser überwachen? Der
Wirtschaftlichkeitsnachweis ist hier wichtig. Arbeitsplätzeeinsparungen
fallen bei wachsenden (Büro-)Aufgaben nicht an.
(3) Individuelle Ebene der Nutzer (Sekretärin)/der
Bediener: Z.B. Arbeitsabläufe effizienter? Sind meine Arbeitsinhalte
attraktiver? Habe ich mehr Mitsprachemöglichkeiten? Werde ich nicht
überwacht? Wird die Belastung weniger?
2.4.4 Allgemein akzeptanzfördernde Maßnahmen
Die IT-Akzeptanz der Nutzer läßt sich steigern
durch:
* bessere Präsentationsmöglichkeiten mittels IT
(z.B. Briefköpfe)
* höhere Erreichbarkeit von Ansprechpartnern (z.B.
Mailsysteme)
* vertikale Aufgabenintegration (autonome
Arbeitsplätze)
* horizontale Aufgabenintegration (erhöhte laterale
Kooperation)
* bedienerfreundliche Technik
* unterstützendes Verhalten der Vorgesetzten
* geeignete organisatorische Einsatzbedingungen, wie
dezentrale Verfügbarkeit
* Schulung/Einweisung
2.4.5 Akzeptanzbestimmende Faktoren bei den Anwendern
Ob neue IT von den Anwendern akzeptiert werden, hängt von
der persönlichen Einstellung der Mitarbeiter ab (sind sie begeister/lehnen
sie sie ab?) und vom Verhalten der Führung (werden die IT den Mitarbeitern
aufgezwungen oder freiwillig zur Verfügung gestellt?). Unnötige
Belastungsfaktoren sind:
* von IT nicht-begeisterte Vorgesetzte
* unergonomische IT-Gestaltung
* Nichtbeteiligung am Implementuierungsprozeß der
IT.
* keine Schulungen
* der Zugriff auf die IT ist umständlich
* die Aufgabeninhalte ändern sich nicht.
2.4.6 Akzeptanz bei Top-Manager
Die Nutzung neuer IT beim Top-Management ist stark
altersgebunden. Die jüngeren Manger greifen viel eher zu IT, als
ältere Manager. Dies hat aber weniger mit der Akzeptanz zu tun, als dem
Glauben der Älteren, nichts von den neuen IT zu verstehen. Und auch bei
den Jüngeren ist die Akzeptanz wesentlich höher (97%), als die
tatsächliche breite Nutzung (55%). Gründe hierfür sind
EDV-Unkenntnisse und der Gedanke der Delegation ("Das ist Aufgabe der
Untergebenen").
Im Vergleich zu anderenm IT-Nutzern herrscht bei Top Managern
geradezu eine Technik-Euphorie vor, auch wenn sich das in realen
Implementierungen nicht immer wiederspiegelt. Bei den Nutzern, v.a. Studenten,
wurde der Computer vom Heilbringer (1980) zum Jobkiller (1983) und wieder zum
Heilsbringer (1988) erklärt; die IT-Akzeptanz ist hier also starken
Schwankungen unterlegen. Es fällt auf: Die Manager nutzen IT weit weniger,
als sie dies von ihrer Einstellung her machen müßten, wobei hier die
oben erwähnten Altersunterschiede zu beachten sind.
2.5 Dezentralisierungsproblematik
In den 70ern bedingten neune IT noch eine Zentralisation in
den Organisationen. Doch durch die stetige Ausarbeitung der IT ergeben sich
heute vielfältige Gestaltungsspielräume, die eine verstärkte
Dezentralisation nahelegen.
2.5.1 Dezentralisierungsbegriffe
Die Zentralisierungsphilosophie sagt: "Wissen ist Macht.
Verteile ich das Wissen nicht, dann bleibt auch die Macht in einer Hand."
Die Dezentralisierung geht mit einer Verteilung der Macht
einher. Die Führung muß den Entscheidungsspielraum ihrer
Untergebenen vergrößern und muß ihnen mehr Mitspracherechte
zugestehen. Dafür ist den dezentral arbeitenden Mitarbeitern ein
flexibleres und kundennäheres Arbeiten möglich, was sich letztlich
positiv auf den Erfolg einer Unternehmung auswirkt (und dadurch auch das
erfolgsgebundene Einkommen des Top-Managements erhöht).
Die Dezentralisierung kann räumlich sein - effizientere
Verteilung von Abteilungen im Raum -, oder sie kann rein organisatorisch sein,
d.h. es geht nur um die Verteilung von Entscheidungsbefugnissen. Eine
räumliche Dezentralisierung impliziert keine organisatorische
Dezentralisierung und umgekehrt!
2.5.2 Entscheidungsautomation
Autonomen Entscheidungen sind selten in Organisationen.
Entschieden wird i.d.R. nach Absprachen und Abstimmungsverfahren. Dies
täuscht aber eine Demokratie vor, die faktisch nicht gegeben ist.
Entscheidungen, die in Konferenzen u.ä. getroffen werden, sind
üblicherweise von bestimmten Personen herbeigeführt worden. Dies sind
z.B. Personen, die besonders redegewand und selbstsicher sind, nicht aber
unbedingt auch sonderlich fachwissend. Die Entscheidung ist zentral und
top-down gelagert.
IT erlauben hierarchielosere Entscheidungsprozesse. Im
Rechnernetz z.B. ist jeder gleich, dort hat jeder die gleichen
Ausdrucksmöglichkeiten. Bei Verwendung neuer IT setzt sich daher
fachliches Wissen eher gegen mikropolitische Bestrebungen durch. Dadurch sind
Entscheidungen möglich, die dezentral und bottom-up gelagert sind. Eine
entsprechende Personalqualifikation muß vorausgesetzt werden. Dann ist
auch ein Ausdünnen der mittleren Managmentebene im Bereich des
möglichen.
2.5.3 Partizipation
Je höher die Partizipation in einer Unternehmung ist,
desto verteilter (autonomer) wird in ihr entschieden. IT unterstützen die
verteilte Entscheidung und damit die Partizipation, allerdings nicht zwingend.
Genausogut können sie zentrale Entscheidungshilfen anbieten, die eher dem
Zentralismus förderlich sind. I.d.R. verstärken IT die Partizipation
v.a. bei den introvertierten Mitarbeitern und mildern sie bei den
extrovertierten Mitarbeitern. Dadurch wird zwar eine flächendeckendere
Infrastruktur geschaffen, jedoch leidet häufig das mittlere Managment.
2.5.4 Dezentrale Informationsversorgung
IT können Informationen aktiv oder passiv in alle
Bereiche einer Organisation liefern. Die Informationsversorgung nimmt also zu -
dies gilt für Qualität, wie Quantität, wie Geschwindigkeit.
Insbesondere in der Frühphase von IT, inder "Spielphase", kommt es sogar
häufig zu einem Informations-Overloading. Hier muß
Selbstorganisation das richtige Quantum bestimmen, daß als Grundlage
für optimale Entscheidungen dienen kann.
2.5.5 Räumliche Dezentralisierung
Die neuen IT bieten zahlreiche Möglichkeiten zur
Verteilung von Abteilungen (räumliche Dezentralisation). So kann durch sie
z.B. die Heimarbeit gefördert werden - durch ISDN wären sogar bereits
die technischen Möglichkeiten dafür gegeben. Auch
Nachbarschaftbüros sind derweilen prakikabel geforden, d.h. die
Zusammenlegung von Telearbeitsplätzen. Mobile Telearbeit )Stichwort:
Laptop und Funktelefon) gibt es bereits häufiger als man vermuten mag.
Besonders gerne werden auch autonome Spezialabteilungen aus der
Hauptorganisation räumlich ausgegliedert.
Die Heimarbeit kann erhebliche Effizienzgewinne für eine
Unternehmung bedeuten. Einige Prognosen wollen die Heimarbeit bis zum Jahre
2050 bereits als den Normalfall ansehen. Doch ist dies überhaupt
wünschenswert?
Bisher gilt, daß die Möglichkiten zur
räumlichen Dezentralisisierung innerhalb gewachsener Organisationen auch
mittels neuer IT schwierig ist - außer an den Rändern. In
Organisationen werden oftmals Informationen transportiert, die auch mittels
neuer IT nicht transportiert werden können; hier ist
Face-to-Face-Kommunikation oder physischer Güteraustausch von Nöten.
Standardaufgaben wie Schreibdienste, Programmierung u.ä. kann jedoch
relativ leicht räumlich dezentralisiert werden.
Sicher wird sich die Geschäftstätigkeit voon
Unternehmen räumlich ausweiten. Statt regionaler Verflechtung kommt es zur
internationalen Verflechtung. Face-to-Face-Kommunikation wird nur dann
betrieben, wenn Vertrautheit gefordert ist oder Güter ausgetauscht werden
müssen, wodurch Zeit gespart wird.
2.5.6 Grenzen der räumlichen Dezentralisierung
Vorteile der Heimarbeit sind:
* Fahrzeiten fallen weg => Energieeinsparung, weniger
Verkehr
* Privatatmosphäre wächst
* die Arbeistzeiten werden flexibler
* ohne Chef arbeitet es sich streßfreier
* Fluktuation und Krankenstand gehen zurück
* Büroflächer kleiner dimensionierbar
* Mitarbeiter nicht unbedingt festangestellt => leichter
feuerbar
Nachteile sind aber:
* soziale Versicherung durch Arbeitgeber entfällt durch
Selbständigkeit
* soziale Isolation (außer in der Familie)
* mikropolitische Anfechtungen bleiben unbemerkt
* die Face-to-Face-Kommunikation ist beliebter, bringt
schneller Ergebnisse
* Teamarbeit mit Telearbeitern ist schwer
* Arbeitsbewertung als Lohngrundlage schwierig
* Gefahr des in die eigene Tasche wirtschaften
3. Operatives Informationsmangement
Unter den operativen Aufgaben eines IM werden alle
Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten zusammengefaßt, die den
laufenden Betrieb in diesem Bereich betreffen. Im einzelnen sind das
hw-orientierte Aufgaben, RZ-Betrieb, sw-orientierte Aufgaben, Benutzerservice,
laufende Sicherung, Abrechnungsfragen u.ä.
3.1 Hardware-Aufgaben
* HW-Beschaffung und -Beratung: Fremd- oder Eigenbezug.
* HW-Wartung: Interner Reparaturdienst u.ä.
* RZ-Betrieb: Auch Produkt- und Netzmanagement
3.2 Software-Aufgaben
* Betrieb der Anwendungssysteme über den gesamten
Lebenszyklus
* SW-Entwicklung
* zentraler Beratungsdienst, v.a. bei starker IDV
nötig.
3.3 Zentrum für individuelle Datenverarbeitung
Individuelle Datenverarbeitung (IDV; Personal Computing) nimmt
ständig zu, wobei v.a. dem Endbenutzer verstärkt die persönliche
Nutzung von IV möglich gemacht wird. Der Endanwender kann hierzu
selbständig Lösungen ermitteln, er verfügt über Rechenzeit
und SW-Tools (Tabellenkalkulation, DBS, Branchen-SW, ...), und er kann diverse
(zentrale) Benutzerservice in Anspruch nehmen. Die IDV ist arbeitsplatz- und
personenbezogen, die Beratung und Betreuung jedoch häufig in zentrale
Benutzerservice-Zentren untergebracht.
3.3.1 Aufgaben
Die wichtigsten Aufgabenbereiche/Anwendungsmöglichkeiten
der IDV sind:
* Selbständige Ibnformationsverwaltung (Anlegen,
Speichern, Finden)
* Selbständige Problemlösung (Analyse, Aufbereitung,
Durchrechnung)
* Textverarbeitung
* Kommunizieren
* Remote Office Work, was z.B. durch Netze möglich
wird.
* Verwaltung persönlicher Ressourcen (Kalender
u.ä.)
3.3.2 IDV-Richtlinien
Aus Sicht des operativen IM ergeben sich für die IDV
folgende Forderungen:
* Die Endanwender müssen erkennen, ob Probleme über
IDV lösbar sind
* Die Endanwender müssen IDV-Potential kennen und nutzen
können.
* Für die IDV muß eine zentrale Berteuung
installiert sein.
* Arbeitsplatzrechner müssen in das globale Datenkonzept
passen.
* Datenredundanz ist zu vermeiden, v.a. wegen der
Inkonsistenz-Problematik.
* Regelmäßige Schulung soll Akzeptanzpoblematik
mildern.
* Ergonomievorschriften sind zu beachten.
3.4 Wirtschaftlichkeitskontrolle
Wirtschaftlichkeit bedeutet günstige
Kosten/Nutzen-Relation. Diese ist bei neuen IT schwer zu bestimmen, da ihre
Nutzen hauptsächlich aus Personalentlastung bestehen, die sich nicht
finaziell monetär rechnen lassen. Doch die Kosten von IT stellen eine
beträchtliche Investition dar, die untersucht werden muß.
3.4.1 Begriff der strategischen Kosten
Kosten können in Kostenarten, Kostenstellen und
Kostenträger untergliedert werden. Sehen wir uns die Kosten im Bereich der
Informationsinfrastruktur an, die von strategischer Bedeutung für dieselbe
sind.
3.4.2 Kosten der Informationsverarbeitung
Einteilung in Kostenarten:
* DV-Material (z.B. Disketten)
* Personal- und Personalnebenkosten (z.B. Löhne)
* Betriebskosten für HW/SW
* Grundstücke und Gebäude
* Allgemeine Kosten (Steuern, Gebühren usw.)
* Kalkulatorische Kosten (Abschreibung, Zinsen)
Kostenstellen sind Stellen, die Leistungen für den
Produktionsbetrieb erbringen, und Stellen, die Leistungen für die
Entwicklung und Beratung erbringen.
Kostenträger können aufgrund ihrer
Heterogenität schwer klassifiziert werden. Das liegt v.a. daran, weil
Informationen der IV immaterielle Güter sind, daher müssen
Ersatzgrößen wie CPU-Zeit oder Beratungszeit als
Zwischenkostenträger herangezogen werden. Geeignete Kostenträger sind
dann die verschiedenen DV-Anwendungssysteme.
Getrennt untersuicht werden können auch Einmalkosten
(z.B. Gebäudekosten) und laufende Kosten (z.B. Mieten für die
Gebäudenutzung).
3.4.3 Leistungen der Informationsverarbeitung
IV kann Kosten einsparen, durch:
* direkte Einsparungen wie z.B. Personalkosten.
* indirekte Einsparungen wie z.B. durch effizientere
Arbeitsflüsse.
* Liquiditätsverbesserungen durch z.B.
Lagerbestands-Reduzierung.
Neben quantitativen Leistungsmerkmalen wie Zeitersparnis,
besitzen IT v.a. qualitative Leistungsmerkmale, so z.B.:
* besserer Servicegrad im Unternehmen
* höhere Kundenzufriedenheit
* höhere AZ und Motivation
* schnelleres Reaktionsverhalten
* bessere Markteinschätzung
* höheres Innovationspotential
* informationsstärkere Entscheidungen
* besserer Informationszugriff
* mehr Autonomie und Partizipation
* effizientere Kommunikationskanäle
3.4.4 Werkzeuge der Wirtschaftlichkeitsrechnung
Investitionsrechnungen gibt es viele. Gebräuchlich sind
z.B.:
* Kostenvergleichsrechnung
* Rentabilitätsrechnung
* Amortisationsrechnung
* Barwertrechnung
* interne Zinsfußmethode
3.5 Behandlung von Rechtsfragen
???
3.6 Sicherheitsmanagement und Datenschutz
3.6.1 Begriffliche Unterscheidung
Der Begriff Datensicherheit ist im allgemeinen Sprachgebrauch
vom Begriff Datenschutz dahingehend zu trennen, daß unter Datensicherheit
eher die Verhinderung der Zerstörung von Daten fällt und unter
Datenschutz die Verhinderung des Mißbrauchs von Daten. Personenbezogenen
Daten werden also von der Datensicherheit und dem Datenschutz
gleichermaßen berührt.
3.6.2 Zweck und Anwendungsbereich des BDSG
Das Bundesdatenschutzgesetzt faßt den Begriff
Datenschutz enger als die Informatiker. Während bei den Informatikern der
Datenschutz den Mißbrauch von allgemeinen Daten berührt,
berührt beim BDSG der Datenschutz nur den Mißbrauch von
personenbezogenen Daten. Da der Staat heute nicht mehr nur
"Nachwärterfunktion" im Sinne Lockes hat, sondern auch die
Altersversorgung u.ä. der Bürger übernimmt, kann die
Aufrechterhaltung der "Scheckenhaus"-Intimsphäre des Bürgers
ggü. dem Staat nicht mehr aufrechterhalten werden. Aus diesem Grund
existieren einige Regelungen, die die Daten über Personen einer weiteren
Verarbeitung zugänglich machen.
3.6.3 Regelungen des BDSG
* Daten dürfen nur zu dem Zweck verwendet werden, zu dem
sie erhoben wurden (z.B. dürfen Büchereidaten nicht an eine
Buchhandlung weitergegeben weren).
* Daten dürfen erst bei Richtigkeit Geltung erlangen
(eine Bank darf keinen Kredit ablehnen augrund eines noch offenen Kredits).
* Daten dürfen nicht von einer Stelle an eine andere
weitergegeben werden, zumindestens nicht wahllos (z.T. läßt sich
dies nämlich z.B. zwischen Sozialamt und Arbeitsamt nicht verhindern).
* neben dem allgemeinen BDSG gibt es auch noch ein
Landesdatenschutzgesetz.
* das Allgemeinwohl geht vor das Individualwohl - u.U. darf
der Gesetzgeber personenbezoegene Daten zum Schutz anderer einsetzen.
* nicht nur elektronisch gespeicherte Daten fallen unter das
BDSG, sondern auch vom Computer ausgedruckte (erst seit 1991!).
* ab 5 Mitarbeitern muß ein Unternehmen seine Daten
einem Datenschutz-Beauftragten bringen (Bring-Schuld).
* der Bürger hat bzgl. der Speicherung personenbezogener
Daten
- Auskunftsrechte
- Zustimmungsrechte
- Einspruchsrechte
- Geheimhaltungsrechte
- Benachrichtigungsrecht (!). Ausnahme:
Adreßhändler.
- Richtigkeitsrecht
Es steht im Gesetz nirgends bindend geschrieben, wie
personenbezogene Daten zu löschen sind, nur: Es ist nach dem Stand der
technischen Möglichkeiten zu verfahren - demnach sind die Daten wohl
physisch zu löschen, wobei auch Backups nicht vergessen werden
dürfen.
3.6.4 Bedeutung des BDSG
Durch die zunehmende Verwendung von IT in Unternehmen und in
der Öffentlichkeit, weitet sich das Gebiet der Computerkriminalität
immer stärker aus. Und darin liegt eine steigende Bedeutung des BDSG
begründet.
3.6.5 Datensicherungsmaßnahmen
* Unbefugte dürfen das RZ nicht betreten =>
Wachpersonal nötig.
* Datenträgerkontrolle - keiner darf verschwinden.
* Speicherkontrolle: Prozeßfremde Speicherbereiche
tabu
* Übermittlungskontrolle an andere Rechner
* Weitergabebeschränkungen (z.B. Amtsgeheimnis,
Insider-Wissen)
* Sicherheitsaggregate gegen Stromausfall
* Klimaschutz
* Korrigierende Codes für die Datenübertragung
* Qualitätskriterien beachten wie Zuverlässigkeit
und Robustheit
* Kryptologie
* Plausibilitätskontrollen von Ergebnissen
* Personalqualifikation
* Kompetenzenabgrenzung
* Backups
3.6.6 PC-Sicherheit
* Paßwortschutz-Verfahren auf BS-Ebene
* Paßwortschutz-Verfahren auf DBS-Ebene
* Schutzbits für Dateien
* Rechnerschloß
* Viren-Scanner
* Unterbrechungsfreie Stromversorgung
* Gespiegelte Platten
* Streamer-Backups
3.6.7 Bösartige Software
Hacker, Cracker und Crasher produzieren bisweilen
bösartige SW wie z.B.:
* Viren: Medizinisch "das" Virus, aber "der"
Comuter-Virus.
* Würmer: Vermehren sich nur im Speicher, infizieren
keine Dateien.
* Trojanische Pferde: Programme mit versteckten
Funktionen.
4. Institutionalisiertes Informationsmanagment
4.1 Organisatorische Eingliederung des Informationsmangements
4.1.1 Die traditionelle EDV-Abteilung
Die Funktionen der EDV-Abteilungen dezentralisierten sich im
Laufe der Zreit immer mehr:
* in 60ern: Rechenzentrum und System-Entwicklung
* in 70ern: Datenverwaltung
* in 80ern: Benutzerservice-Zentrum
Ein Benutzerservice-Zentrum, das kooperativ mit autonomen
Arbeitsgruppen arbeitet, hat die Aufgaben: EDV-Beurteilung, Beratung,
SW-Beschaffung, Schulung, Fehlerbeseitigung, SW-Anpassung, Marktbeobachtung,
Vereinheitlichung und EDV-Marketing. Ein zentrales IM sorgt für
Aufrechterhaltung bestimmter Richtlinien, Standards und
Kommunikationskanälen.
4.1.2 Zentrale versus dezentrale Datenverarbeitung
4.1.3 IM als neuer Funktionsbereich
Das IM ist ein eigenständiger Funktionsbereich neben
Absatz, Produktion, Beschaffung, usw. Sie benötigt Verantwortungen und
Kompetenzen, um Entscheidunbgen treffen zu können. Daher ist sie
möglichst hoch in der Hierarchie anzuordnen, am besten als eigener
Funktionsbereich (dies gilt nur für große Unternhemen). Die
IM-Abteilung kann folgendermaßen innen-strukturiert sein:
(1) verrichtungsorientiert: Der IM sind die
Verrichtungseinheiten Planung, Entwicklung und Betrieb untergeordnet.
(2) objektorientiert: Dem IM sind die Objekte Renchenzentrum,
Systemplanung und EDV-Ablauforganisation untergeordnet.
4.1.4 Aufbauorganisatorische Eingliederung des IM
Folgende aubauorganisatorische Strukturen des IM sind
denkbar:
(1) Ergänzung: Die IM ergänzt die Funktionsbereiche
Produktion, Organisation und DV integrativ in Form von Stäben.
(2) Addition: Neben dem Funktionsbereich DV kommt noch das IM
als eigenständiger Bereich (z.B. als Benutzerservice-Zentrum) hinzu, um
alle EDV-Aufgaben zu übernehmen, die der DV-Funktionsbereich nicht
abdeckt.
(3) Fusion: Das IM fusioniert mit dem DV- und dem
Organisations-Funktionsbereich und ersetzt diese.
(4) Integration: Das IM taucht als eigentändige
Funktionseinheit auf, ist aber auch in alle anderen Funktionsbereiche teilweise
integriert. Dies wird allgemein als das beste Konzept der IM-Eingliederung
empfunden.
4.1.5 Zusammenhang zwischen Strategie und Struktur
Je nach Struktur des IM eignet sich eine andere
Einführungsstrategie von IT, wie wir sie in Abschnitt 1.3.3 besprochen
haben. Es gilt:
(1) Die Ergänzungsstruktur bevorzugt die devensive
Einführung.
(2) Die Additionsstruktur bevorzugrt die retardierende
Einführung.
(3) Die Fusionsstruktur bevorzugt die moderate
Einführung.
(4) Die Integrationsstruktur bevorzugt die aggressive
Einführung.
4.2 Berufsbilder des Informationsmangements
4.2.1 Der Informationsmanager
Der Vorgänger des Informationsmanger war der EDV-Leiter.
Der EDV-Leiter war noch alleiniger Besitzer des EDV-Know-Hows, er schuf die
verschiedenen Insellösungen. Der Informationsmanager ist dagegen mehr im
Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeitsgebot und den Benutzern, die hohe
Anforderungen an die Systeme stellen, mit denen sie arbeiten sollen. Die
Qualifikation eines Informationsmanagers ist ungleich breiter angelegt, als die
des EDV-Leiters. Aus diesem Grund gibt es auch den Wirtschaftsinformatiker, der
die Sprache der BWL genauso versteht wie die Sprache der Informatiker.
4.2.2 Traditionelle EDV-Berufsbilder
* EDV-Leiter
* Programmierer
* Operator
* EDV-Berater
4.2.3 Neuere EDV-Berufsbilder
* Wirtschaftsinformatiker
* Informationsmanager
* computerbasierte Sachbearbeitung
* CAM-Ingenieur
4.3 Auswirkungen des Informationsmanagments
IM wirkt in viele Aufgabenfelder hinein, daher sind seine
Auswirkungen auch sehr breit ausgelegt. Mögliche Auswirkungen werden in
den folgenden Abschnitten besprochen.
4.3.1 Stärken und Chancen
Stärken von IM sind Vorteile, die gegenwärtig
bereits vorhanden sind. Dazu gehört, daß die übergreifende
Koordinationsstelle für ein einheitliches Datenkonzept sorgt, für
Integration von Insellösungen, für Standards, für offene
Systeme, Wegfall von Doppelarbeit, bessere Datentransparenz und
Kosteneinsparung in Personal, Materail, Kapital und Service.
Chancen von IM sind Vorteile, die in Zukunft gegeben sein
werden. So sorgt z.B. effizientes IM für Wettbewerbsvorteile aufgrund
schnellerer Bearbeitungszeit und ständiger Verfügbarkeit. Eine
kundenspezifische Marktbearbeitung wird realisierbarer. Die Mitarbeiter werden
höherqualifiziert. Durch die Reorganisation zur Eingliederung der IM
können gleichzeitig alte Fehler ausgemerzt werden. Know How auf IM-Gebiet
kann u.U. Externen in Form von Beratungen angeboten werden (Im als
Profit-Center).
4.3.2 Schwächen und Bedrohungen
Schwächen von IM sind Probleme, die gegenwärtig
bereits vorhanden sind. Die übergreifende Koordinationsstelle kann sich
unverzichtbar machen, bewährte Konzepte fehlen ihr noch aufgrund ihres
Alters, sie reagiert zu träge angesichts der Marktdynamik und zur
Realisation sind i.d.R. umfassende Reorganisationsmaßnahmen
nötig.
Bedrohungen von IM sind Probleme, die in Zukunft gegeben sein
werden. Wird IM unter falschen Einschätzungen installiert, weil nur die
Hard Facts, nicht aber Soft Facts wie AT und Motivation berücksichtigt
wurden; reines Wunschsdenken kann daneben gehen. Die IM können auch
unerwünschte Machtbündelungen hervorrufen. Ein bestehendes IM
verhindert u.U. eine strategische Umorientierung, obwohl diese aufgrund einer
schlechten Marktposition dringend geboten ist. Vernetzte Computer können
die Anwender von ihrer eigentlichen Arbeit ablenken - vielleicht zocken sie
lieber oder sehen sich die Sex-Seiten des Internets an.
5. Informationstechnologie
Der Informationsprozeß umfaßt alle
Aktivitäten an und mit Informationen, z.B. Verarbeitung, Aufbereitung und
Archivierung. Eien Technologie umfaßt das materielle Produkt und seine
Anwendungsmöglichkeiten. Unter IT werden wir also alle Produkte plus ihrer
Verfahrensweisen verstehen, die den Informationsprozeß unterstützen.
Im besonderen heißt dies die Betrachtung aller Computersysteme und
Rechnernetze in einem Unternehmen.
5.1 Telekommunikation
Die Telekommunikation ist groß im Kommen in den
Unternehmen. Problem: Kompatibilität ist bei den verscheidenen Systemen
bisher nicht gegeben. Ausweg: ISO/OSI-Referenzmodell für offenene
Systeme.
5.1.1 Begriffsdefinition
Kommunikation gibt es zwischen Mensch-Mensch, zwischen
Mensch-Maschine und zwischen Maschine-Maschine. Die Mensch-Mensch-Kommunikation
ist technisch und nichttechnisch möglich, gestört werden kann sie
durch psychologische Elemente genauso wie durch technische. Die
Maschine-Maschine-Kommunikation muß technisch erfolgen, wodurch auch der
Störungsraum allein technischer Natur sein kann. Die
Mensch-Maschine-Kommunikation bildet wird durch die gleichen Techniken
unterstützt und von dwen gleichen Störungsformen betroffen wie die
Mensch-Mensch-Kommunikation. Generell steht Kommunikation für den
Austausch von Informationen. Abgewickelt wird dieser Austausch über
Kommunikationskanäle, die duplex, halbduplex oder simplex sein
können.
Telekommunikation heißt der Austausch von Informationen
(über größere Strecken) hinweg, der technisch unterstützt
wird. Dieser Austausch kann z.B. genauso über das Telefon wie auch
über Computernetzwerke erfolgen. Alle nichttechnischen
Kommunikationskanäle fallen nicht unter den Begriff Telekommunikation.
5.1.2 Netzwerk- und Transporttechnik
Netzwerktechnik und Transporttechnik müssen aufeinander
abgestimmt sein, damit die Telekommunikationsdienste wirkungsvoll
unterstützt werden können. Alte Transporttechniken wie
Trommelschlagen oder Rauchzeichen sind z.B. für die moderne
geschäftliche Kommunikation kaum das adäquate Mittel. Die
Netzwerktechnik sitzt unter der Transporttechnik und beschreibt, wie u.a.
Verbindungen zwischen Teilnehmern aufgebaut werden können. Netzwerk- und
Transporttechnik dienen dabei der Realisation von Transportdiensten.
5.1.3 Rechnernetze
Rechnernetze verbinden mehrere selbständige Rechner
miteinander. Sie bauen sich nach dem ISO/OSI-Refrenzmodell aus 3 Hauptschichten
auf:
(1) Netzwerktechnik (HW): Bitübertragungs-, Sicherungs-,
Vermittlungsschicht
(2) Transporttechnik (SW): Transport-, Sitzungssicht
(3) Transportdienste (SW): Darstellungs-,
Anwendungsschicht
Der Trend geht hin zu neuen Übertragungsmedien wie z.B.
Lichtwellenleitern für Highspeed-Netze. Diese sind störungsfreier,
abhörsicherer und gestatten riesige Datenraten.
5.1.4 Fernmeldenetze
Fernmeldenetze bedeuten die den Rechnernetzen zugrundeliegende
HW. Topologisch können dies Ringe, Sterne, Busse, Bäume oder
(vollständig) vermschte Netze sein. Man unterscheidet LANs und WANs. LANs
sind in privater Hand, relativ klein, bieten Telekommunikationsdienste an,
betreiben Broadcast-Übertragung und sind digital. WANs werden
öffentlich verwaltet, sind international, bieten neben
Kommunikationsdiensten auch reine Trägerdienste an, sind
vermittlungsorientiert und analog oder digital. Folgende öffentlichen
Fernmeldenetze betreibt die Telekom:
* Fernsprechnetz (ein analoges Schmalbandnetz)
* Telenetz (für Ferschreiber, Direktruf, Rundschreiben
u.ä.)
* Datexnetz (Datex-Packetvermittelnd,
Datex-Leitungsvermittelnd)
* IDN (Integrated Data Net; alle Datendeinste auf einem
Kabel)
* ISDN (Integrated Service Data Net; alles auf einem
Kabel)
* B-ISDN (Breitband-ISDN für Voicemails, Bilder u.a.)
5.1.5 Netzintegration über ISDN
ISDN bietet alle bisherigen Fernmeldedienste der Telekom auf
nur einem Kabel an, und zwar grundsätzlich in digitaler Form. Es stellt
sich die Frage, ob bereits ein Sachzwang zur Anschaffung von ISDN besteht, denn
zu ISDN besteht praktisch keine Alternative, außer natürlich den
Status quo zu halten.
5.1.6 Telekommunikationsdienste
Dienste der Telekom sind: Telefon, Telefax, Telex, Teletex,
BTX, DATEL-Dienste, Temex, Datex-P und Datex-L. Dienste basieren auf
anerkannten Standards, wodurch ein Nachrichtenaustauisch zwischen zwei
Endteilnehmern überhaupt erst möglich wird. Häufig existiert in
diesem Zusammenhang die Wahl zwischen verschiedenen Dienstgüten und die
Suche nach Teilnehmern in Teilnehmerverzeichnissen.
5.2 Bürokommunikation
5.2.1 Begriffsdefinition
Bürokommunikation bedeutet Austausch, Beschaffung,
Weitergabe und Archivierung von büroaufgabenbezogener Informationen.
5.2.2 Die Büroarbeit
Das Büro einer Unternehmung ist eine zentrale
Schaltstelle. Sie hat das Ziel, betriebliche Funktionen zu koordinieren und zu
steuern. Voraussetzung dazu ist, daß Informationen zur rechten Zeit am
richtigen Ort vorliegen. Und dies kann am besten über
Bürokommunikationssysteme gewährleistet werden.
5.2.3 Die Rolle der Kommunikation im Büro
80% aller büroaufgabenbezogener Informationen werden
intern in der Organisation ausgetauscht und nur 20% nach außen zu
externen Teilnehmern. Daher spielt die Bürokommunikation für ein
Unternehmen eine größere Rolle als die Telekommunikation. Die
Bürokommunikation kann zwei wesentliche Funktionen abdecken:
(1) Inhaltliche Funktion: Aufgabenbezogener
Informationsaustausch.
(2) Soziale Funktion: Schmiermittel der informellen
Organisation. Diese Funktion wird gerne übersehen, weil sie sich schlecht
monetät ausdrücken läßt.
5.2.4 Anforderungen an Bürokommunikationssysteme
Die Bürokommunikation soll die Tätigkeiten der
wesentlichen Arbeiten im Büro durch folgende Hilfsmittel
ermöglichen:
* Besprechungen über Telefon/Computer (Kommunikation)
* Abrechnen über Computer/BTX (Datenverarbeitung)
* Sammeln und Speichern über IRS/Massenspeicher
(Archivierung)
* Überwachen über Terminkalender
(Terminbehandlung)
5.2.5 Der Ist-Zustand der Bürotechnik
Die Bürokommunikation erlebt einen rasanten Aufschwung.
Derzeit finden immer mehr Verbreitung:
* PCs
* Datendienste (z.B. der Telekom)
* die allgemeine Digitalisierung
* die LANs und WANs
Es wurde festgestellt, daß je mehr Routineaufgaben im
Büro anfallen, umso stärker die Bürokommunikation genutzt wird.
Bei Büros, die Einzelfälle bearbeiten, ist der direkte Kontakt nach
wie vor dominierend. D.h. verschiedene Tätigkeiten verursachen eine
verschiedene Benutzung der Kommunikationskanäle. Derzeit muß jedoch
gesagt werden: Die Kostensteigerung durch die Bürokommunikation rechnet
sich noch lange nicht, und auch das papierlose Büro ist bisher bloße
Utopie geblieben.
Im Schnitt sieht die Nutzung der Bürokommunikation
folgendermaßen aus:
* 42% bleiben beim persönlichen Gespräch (für
komplexe Probleme)
* 39% nutzen das Telefon (für schnelle Informationen)
* 16% benutzen Mailsysteme (meistens zu externen
Teilnehmern)
* 3% greifen auf Faxgeräte zurück (zu externen
Partnern)
Mit der Dezentralisierung harperts derzeit noch, obwohl rein
technisch die Möglichkeit für multifunktionale Arbeitsplätze
gegeben wäre. Schritte dorthin sind LANs, IM und
Kommunikationsanalysen.
5.2.6 Soll-Konzept des Bürokommunikation
Mehr noch als bisher sollen die Bürokommunikationssysteme
die Integration verschiedener Inbformationen gestatten, also Daten, Texte und
Bilder über nur ein Medium verwalten können. Außerdem soll dies
auch generell in offener Form geschehen, also systemunabhängig sein, so
daß Herstellerabhängigkeiten aufgebrochen werden können.
Richtweisend für die offene Kommunikation ist dabei das
ISO/OSI-Referenzmodell. Generell soll dadurch die Effizienz und die
Produktivität gesteigert werden, wie dies auch bei der
Fertigunmgsautomation erreicht worden ist.
Anforderungen an die (neuen) Kommunikationskanäle (die am
ehesten durch das Telefon abgedeckt werden): Schnell, bequem, leicht zu
bedienen, vertraulich und genau sollen sie sein. Ferner sollen sie auch ein
gewisses Kreativitätspotential besitzen, Informationen in mehrfacher Weise
präsentieren können, ständige Erreichbarkeit garantieren und
Konferenzen ermöglichen. Endziel ist der multifunktionale Arbeitsplatz,
der in Verbindung mit anderen multifunktionalen Arbeitsplätzen steht.
5.2.7 Einführungsstrategien
Bürokommunikation kann strategisch auf Zentraleben
(Host), Abteilungsebene (Midframe) oder Arbeitsplatzebene (Workstation)
eingeführt werden. Zählt man auch die öffentlichen Netze und
Dienste dazu, kann man auch noch von einer externen Ebene (ISDN-Gerät)
sprechen. Die Trennung in mehrere Ebene ist heute aber relativiert aufgrund des
integrativen Charakters moderne IT. Ein durchgehendes Client/Server-Konzept
z.B. läßt die drei (vier) Ebenen verschwimmen.
Die alleinige Betrachtung der Zentralebene ist Vergangenheit.
Dezentralisation heißt die Parole. Dies gilt auch für die
Abteilungsrechner. Allenfalls herstellerunabhäbgige Lösungen
können hier auf Dauer noch greifen, obwohl sie sich bisher in der Praxis
von großen Unternehmen gut gehalten haben. Für kleiner und mittlere
Unternehmen eignet sich am besten die vernetzte PC-Lösung. Jedoch sollten
Wildwuchs und Insellösungen vermieden werden, und stattdessen integrative
Wege gegangen werden. In einer Organisation die Bürokommunikation
ausschließlich über ISDN mittels Nebenstellenanlagen (PABX) zu
betreiben, ist wenig sinnvoll; ISDN kann hier allenfalls als Ergänzung
Verwendung finden. Das beste Konzept stellt wohl die integrierte
Bürokommunikation dar, wobei auf jeder Ebene die typischen Systeme
beibehalten werden, diese dann aber über ein Backbone-Netz wie z.B. FDDI
nach dem Client/Server-Prinzip verwaltet werden. Nur in diesem Fall kann von
echter verteilter IV geredet werden.
5.3 Datenbanken
In DB sind Dateien enthalten, die aus Datensätzen,
Datenfeldern und Datenfeldwerten bestehen. Die Daten (Informationen) sind darin
in einer standardisierten Form enthalten, die es ermöglicht, daß
beliebige Programme auf sie zugreifen können. DB sind Komponenten von IS
bzw. DBS. Sie liefert das "Rohmaterial" für IS.
5.3.1 IS aus Datensicht
Typische Informationssysteme sind
Entscheidungsunterstützungssysteme, die in der Lage sind, relevante
Informationen zu sammeln und sie Managern als Entscheidungsgrundlage in
geeigneter Form zu präsentieren. IS werden heutzutage nicht mehr an den
EDV-Ressourcen ausgercihtet, sondern orientieren sich an den Daten, die sie
verwalten. Dadurch läßt sich leichter eine unternehmensweite
Integration der Daten erreichen. Zudem leben Daten auch häufig
länger, als die EDV-Systeme eines Unternehmens.
5.3.2 Anforderungen an DBS
Ein DBS besteht aus einem DBMS und der DB. Die DBMS stellt
Mittel zur Verfügung, um die Daten der DB zu manipulieren, sie also zu
finden, zu ändern, zu löschen, zu lesen und zu erzeugen. Die DB
muß möglichst konsistent gehalten werden, auch wenn Daten aus
Effizienzgründen häufig replikativ/redundant gehalten werden. Das DBS
sollte das Unternehmen flächendeckend mit Informationen versorgen
können, was i.d.R. LANs o der ähnliches voraussetzt.
Sicherheitsaspekte müssen dabei besonders berücksichtigt werden.
5.3.3 Externe DB (Online-DB)
Neben unternehmensinternen Informationen können auch
Informationen von externen Anbietern von Interesse sein, so z.B. für einen
Investor die allgemeine Wirtschaftslage in Südchina o.ä. Dafür
gibt es externe DB von öffentlichen oder privaten Betreibern, in die man
sich über Modem einwählen kann, um dann von dort online relevante
Daten zu beziehen.
5.3.4 Einflüsse auf die Unternehmensorganisation
DB wirken v.a. auf die Ablauf- und Aufbauorganisation ein,
weil sich dort die neue Informationenvielfalt am ehesten entfalten kann. DB
sorgen durch ihr globales Datenkonzept dafür, daß Abteilungen im
Bezug auf die Daten die gleiche Sprache sprechen (müssen).
Arbeitsabläufe lassen sich demnach also leichter lateral (horizontal)
integrativ gestalten. Gleichfalls läßt sich auch eine vertikale
Integration beobachten, was sich durch das Bild einer Informationspyramide
verdeutlichen läßt: Das Top Management bildet die Spitze mit den
Basisinformationen, und die Ebenen darunter garnieren die Informationen jeweils
mit neuen Details, so daß sie an Quanität zunehmen.
5.3.5 Wirkung integrierter DV
Mögliche Wirkungen integrierter DV können sein:
* Verbesserung der strukturellen Flexibilität, weil jeder
von püberall auf die relevanten Daten zugreifen kann.
* Integration von Arbeitsaufgaben aufgrund der
Computer-Multifunktionalität.
* Dezentralisierung der Entscheidungsbefugnisse, weil z.B.
Kompromißlösungen auf Gruppenebene leichter möglich werden.
5.4 Management-Informationssysteme
MIS sollen Informationen für bestimmte Aufgaben zum
richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort in richtiger Form (Verdichtung)
bereitstellen. Die Analyse, Aufbereitung und Verarbeitung obliegt nicht den
MIS, wodurch Transparenz nach innen erreicht wird. Dadurch können
Kosteneinsparungsmöglichkeiten frühzeitig entdeckt und genutzt
werden, was Wettbewerbsvorteile mit sich bringt, v.a. da heutzutage der
Käufermarkt vom Verkäufermarkt verdrängt wurde (außer in
Nischen).
5.4.1 Management-Informationsbedürfnisse
Das Management benötigte schon immer Informationen
über marktorientierte Vorkommnisse und Informationen über
innerbetriebliche Vorgänge. MIS sind daher nichts neues; in Form von
Terminkalendern haben sie z.B. bereits in der Vergangenheit existiert. Die
Navigation des Entscheidungsfeldes ist für das Management der 90er Jahre
von Zentraler Bedeutung. Daraus resultiert nämlich:
* Kunden- und Wettbewerbsorientierung
* Hohe Innovationsfähigkeit und damit Flexibilität
* Optimierung von Geschäftsprozessen
* Betriebswirtschaftliche Transparenz
Im Grunde soll das "Mamagement of Change", z.B. Total Quality
management und Leaning, mit dem "Management of Information" ergänzt
werden. Nur so wird auch die nötige Infrastruktur geschaffen, die den
neunen Management-Konzepten gerecht wird.
5.4.2 Frühere MIS-Versuche
Wie bereits erwähnt gehören schon Terminkalender zu
MIS. Durch den Einsatz neuer IT nahm die Komplexität der MIS zu, wobei am
Anfang zu viel Wert auf die Quantität der Informationen gelegt wurde.
Dadurch kam es zu einer Aufblähung der DV-Abteilungen, was durch
Reorganisationsmaßnahmen wieder in normale Bahnen gelenkt werden
mußte. Integrierte DV und das C/L-Konzept, sowie grafische
Oberflächen machen MIS derzeit immer attraktiver und effizienter. Wichtig
ist, daß sie in der Lage sind, relevante Daten zu kanalisieren und zu
selektieren, und die so ausgewählten daten in anschaulicher Weise zu
präsentieren.
5.4.3 Spektrum von MIS
Das Spektrum der MIS reicht von Standard-Berichtssystem bis
hin zu Planungs- und Simulations-Werkzeugen. Simulationswerkzeugen kann
kritisch gegenüber gestanden werden, da sie u.U. über das Ziel
hinausschießen. Sie sind sehr komplex, benötigen eine Unzahl von
Parametern, die erst erhoben werden müssen, sie rechnen tagelang - und
werden der Komplexität der Realität letztlich doch nicht gerecht.
Nein, der Manager benötigt eher Systeme, die vielleicht ungenau, aber
dafür sehr schnell arbeiten. MIS sollen v.a. handlungsunterstützend
sein, weniger planungsunterstützend. Die Wahl des richtigen MIS ist vom
strategischem Gewicht. Bisher muß hier ein eindeutiger Konservatismus
festgestellt werden; nur selten greift ein Top Management hier neue Ideen auf,
i.d.R. verläßt es sich auf bewährte HW und SW.
5.4.4 MIS: Mehr als nur ein neues DVS
Auch wenn MIS handlungsorientiert sind, also die Führung
zum Thema haben, so können sie aufgrund ihrer Komplexität jedoch auch
zur Prognostizierung verwendet werden. MIS decken also die Bereiche Soll, Ist
und Wird ab. Wesentlich ausgeprägter als herkömmliche DVS,
können MIS Daten von z.B. betrieblichen Funktionsbereichen oder externen
Informationsquellen analysieren, und sie nach bestimmten
Bedürfnissinteressen verknüpfen, wobei gewisse systematische oder
planerische Aspekte automatisch berücksichtigt werden. Dadurch können
für jeden Bereich, z.B. für Projektmanager, für Controller und
für den Vorstand, individuelle Sichten auf die Ist-/Soll-/Wird-Daten
ermöglicht werden. Grundlage dafür ist allerdings eine integrative
DV, damit eine über alle Bereiche einheitliche und durchgängige
MIS-Informationskette gegeben sein kann.
5.4.5 Komponenten eines MIS
Im Kern eines MIS sitzt das MIS-Entwicklungssystem. An dieses
sind die Hypertext-Systeme, die Programmiersprachen, die Spreadsheet-Systeme,
die DBS, die Personal-Information-Management-Systeme (PIMS) und die Generatoren
für die Benutzeroberflächen angeschlossen. Die Entwicklungsumgebung
eines MIS benötigt dafür Host-Systeme, Netzwerke, BS-Plattformen,
eine C/L-Architektur, PC-Systeme und generalisierte
Benutzeroberflächen.
5.4.6 Erfolgskriterien
Der Erfolg von MIS, wozu auch die Akzeptanz der Benutzer zu
zählen ist, wird am ehesten durch eine sachgerechte
betriebswirtschaftliche Modellierung der Organisationsrealität erreicht,
die am besten im Rahmen eines Projektmanagements entwicklelrt wird. Die
Benutzerpartizipation muß vorausgesetzt werden, wobei vorher genau die
Qualitäten, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten der Teilnehmer
festgestellt bzw. festgelegt werden müssen. Natürlich muß
für erfolgreiche MIS auch eine günstige Basis-SW existieren, die
zeitaktuelle Informationen aus allen Ebenen anbieten kann. So ist zu
verhindern, daß am Ende des Geldes und der Zeit noch ein gehöriges
Stück Projekt übrig bleibt.
5.5 Künstliche Intelligenz
5.5.1 Begriff und Arbeitsgebiet
Intelligenz ist die Fähigkeit, Wissen zu erwerben und
darin eine gewisse Ordnung zu erkennen. Darauf zielt auch der Turing-Test ab.
Die harte KI glaubt, Denken sei ein mechanischer Prozeß, die weiche KI
schließt dabei das Verstehen aus. Wäre harte KI richtig, hätten
Maschinen früher oder später auch die Verantwortung für ihr Tun
zu übernehmen. Zur KI zu zählen sind: Sprachverarbeitung,
Bildinterpretation, Robotik, Deduktionssysteme (zum Beweis mathematischer
Sätze), neuronale Netze und Expertensysteme.
5.5.2 Expertensysteme
XPS sind gebietsspezifische, wissensbasierte Systeme, die sich
derzeit ganz gut verkaufen. Sie sollen das Wissen von Experten jederzeit
verfügbar (und nachvollziehbar) machen. Ein Experte zeichnet sich
ggü. einem Laien durch angeborene hohe Intuition und große erlernte
Fähigkeiten auf einem bestimmten Gebiet aus. Diesen Status - v.a. der
Intuition - ereichen XPS nie, jedoch können sie einige Kompetenz
vortäuschen.
Ein XPS besteht aus der:
(1) Wissensbasis: Enthält die Regeln und Fakten. Die
Fakten sind dabei gesichertes Fachwissen, Heuristiken, unscharfes Fuzzy-Wissen.
Die Repräsentation des Wissens erfolgt in Frames (ähnlich den
C++-Klassen), semantischen Netzen (Graph mit "has"- oder "part of"-Kanten) und
Wenn-Dann-Regeln. Wie der Mensch hören auch XPS nie auf zu lernen - nach
ein paar Jahren arbeiten sie zu 95% zuverlässig.
(2) Inferenzmaschine/Problemlösungskomponente: Wendet die
Regeln auf die Fakten an und gewinnt so neue Fakten zur Lösung eines
Problems. Der Regelinterpreter schließt entweder aus den Prämissen
auf die Konklusion (Forward Chaining) oder ermittelt die nötigen Fakten zu
einem bereits vorhandenem Ergebnis (Backward Chaining).
(3) Dialogkomponente: Zur interaktiven
Falldateneingabe/Ergebnisausgabe.
(4) Erklärungskomponente: Das XPS erklärt, wie es
auf das Resultat kam. Das erhöht die Akzeptanz der Lösung.
Außerdem hat die Erklärung auch einen lehrenden Effekt.
(5) Lern-/Wissenserwerbskomponente: Dient der Eingabe der
Regeln und Fakten durch einen Experten/Wissensingenieur (passiv). Eine aktive
Lernkomponente ist ein Produktionssystem, das selbständig neue Regeln
(nicht Fakten!) erschließt. Dazu gehört auch, sich frühere
Analysen und Synthesen zu merken und Faustregeln darauf zu entwickeln.
Die XPS haben den neuen Beruf des Wissensingenieur
hervorgebracht. Er ist dafür zuständig, daß das
Unternehmenswissen im XPS korrekt abgebildet wird.
Realisiert werden XPS i.d.R. über KI-Sprachen wie LISP
und PROLOG; diese erlauben ein regelbasiertes Progranmmieren, das nicht
vollständig algorithmisch (prozedural) ist. Die Entwicklungsumgebung wird
von sogenannten Shells gestellt, die im Prinzip ein komplettes XPS ohne
Wissensbasis darstellen. Die Wissensakquisition verhindert, daß
Phasenschemata zum Einsatz bei der Entwicklung kommen.
Vorteile von XPS:
* sind nie gestreßt (Streßstabilität)
* erlauben schnellen Wissenstransfer zu jeder Zeit
* helfen v.a. bei Routineaufgaben und entlasten die
Experten
* helfen bei der Aus- und Weiterbildung
* übersehen keine Regeln, die Wissenbasis wird zu 100%
ausgeschöpft
* helfen überall dort, wo hinter Entscheidungen keine
Verantwortung liegt
Nachteile:
* Stammtischverhalten: Sie wissen nicht, wann sie keine Ahnung
haben.
* Regelbasierte Programmierung nicht für alle Probleme
geeignet
* Verbesserungsprozeß der Antwortfindung langwierig
* Können keine Verantwortung übernehmen, werden dazu
aber mißbraucht
Anwendungsgebiete in Organisationen sind: Investitionsplanung,
Schulung, Planung, Controlling, Lieferantenauswahl, Bilanzanalyse,
Steuerberatung, Personalpolitik, usw.
5.5.3 Neuronale Netze
Neuronale Netze simulieren das biologische Gehirn: Eine
große Anzahl von Neuronen sind untereinander verbunden und reagieren bei
entsprechender Reizung (Input) mit der Annahme eines bestimmten
Gesamtenergieniveaus, welches als Output interpretiert werden kann. Wie
Menschen lernen NN Wissen, bekommen es also nicht einprogrammiert. Da gibt es
z.B. das Backpropagation-Verfahren, bei dem dem NN bestimmte Inputs eingegeben
werden und der erwartete Output. Bei jedem Lernschritt gewichtet das NN die
Synapsen vor seinen Neuronen neu, wodurch sich deren Bereitschaft zur
Reaktion/Feuerung auf Reize hin ändert.
Anwendungsgebiete sind: Spracherkennung,
Handschriftenidentifizierung, Bildverabeitungen, Hubschraubersteuerungen,
Trennung von Sprache und Rauschen (bei ISDN angewendet) u.ä. Häufig
werden sie bei nicht-linearen Prozessen benötigt oder bei Berechnungen mit
unscharfen Mengen (Fuzzy-Logik).
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